{"id":1286,"date":"2010-10-17T21:50:17","date_gmt":"2010-10-17T20:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1286"},"modified":"2017-10-24T18:20:33","modified_gmt":"2017-10-24T17:20:33","slug":"predigt-heiligung-mit-heiligenschein-und-scheinheiligen-1-thess-4-1-8-17-oktober-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1286","title":{"rendered":"Predigt: \u201eHeiligung mit Heiligenschein und Scheinheiligen (1. Thess 4, 1-8) 17. Oktober 2010"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\">&#8222;Heiligung&#8220;<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1287\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1287\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg?fit=350%2C245&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"350,245\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"heiligung\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg?fit=350%2C245&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1287\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung-300x210.jpg?resize=300%2C210\" alt=\"heiligung\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg?resize=300%2C210&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg?resize=150%2C105&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg?resize=214%2C150&amp;ssl=1 214w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/heiligung.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> &#8211; Ein Begriff, der &#8211; so sch\u00f6n er klingen mag, uns auch immer wieder \u00fcberfordert. Die Geschichte von Michel aus L\u00f6nneberga ist da ein erster Schritt zur\u00a0 Entkrampfung.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><em><strong>Michel, der kleine Heilige aus L\u00f6<\/strong><\/em><em><strong>nneberga<\/strong><\/em><br \/>\nDer kleine Michel Svensson aus L\u00f6nneberga bekommt von seiner Mutter einen Eimer voller weicher Kirschen mit dem Auftrag, diese auf dem Komposthaufen zu vergraben.\u00a0 Was er nicht wei\u00df: Sie sind die Abfallprodukte von Mutters Kirschwein-Produktion und darum nat\u00fcrlich auch ein recht hochprozentiger Brei. Michel schaut sich die Kirschen an, wundert sich, dass man sie so einfach wegwerfen soll und nascht davon. Er findet Gefallen daran und f\u00fcttert damit die H\u00fchner, das Hausschwein und auch sich selber. Bis schlie\u00dflich alle besoffen durch den Katthult-Hof kugeln.<!--more--><\/p>\n<p>Die meisten wissen, wie diese Geschichte von Astrid Lindgren weitergeht: Michels Vater kommt der ganzen Sache auf die Schliche und nimmt seinen Sohn mit zu einer Versammlung der Guttempler, wo er einen heiligen Eid schw\u00f6rt, sich in Zukunft des Alkohols zu enthalten und alles dazu zu tun, andere vor den Gefahren des Alkohols zu bewahren. Als gel\u00e4uterter Mensch macht er sich zu Hause dann daran, Mamas frischen Kirschwein-Vorrat Flasche f\u00fcr Flasche zu zerdeppern &#8230;. schlie\u00dflich hat er ja geschworen, die Menschen vor dem Alkohol zu bewahren.<\/p>\n<p><strong><em>Paulus r\u00fcckt uns auf die Pelle<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nist er nicht s\u00fc\u00df, unser Michel als L\u00f6nneberga, ein kleiner Heiliger ist er geworden, setzt sich f\u00fcr eine gute und n\u00fcchterne Welt ein. Ich finde das toll!<br \/>\nZumindest solange er sicher zwischen den Buchdeckeln des Kinderromans bleibt. Anders s \u00e4he es aus, wenn er tats\u00e4chlich hier erscheinen w\u00fcrde, runter in unseren Keller stapft und unseren gepflegten Weinvorrat in einen Scherbenhaufen verwandeln w\u00fcrde. Dann w\u00e4re Schluss mit lustig. \u201eHeiliges Leben, gro\u00dfartige Vors\u00e4tze, das ist schon ok, aber bitte Abstand halten. Man muss es ja nicht \u00fcbertreiben\u201d<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn wir auch unseren Predigttext sicher zwischen den Buchdeckeln unserer Bibel wegsperren k\u00f6nnten. Denn Paulus r\u00fcckt uns Menschen n\u00e4mlich mindestens genauso auf die Pelle, wie der Michel aus L\u00f6nneberga. Und er macht nicht im Weinkeller halt, sondern schaut sogar bei uns im Schlafzimmer vorbei und wirft einen Blick in die Gesch\u00e4ftsb\u00fccher und Kontoausz\u00fcge.<br \/>\nIch lese ihnen einmal vor, was Paulus hier der Gemeinde in Thessalonich schreibt:<\/p>\n<p>[1] Weiter, liebe Br\u00fcder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus &#8211; da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut -, dass ihr darin immer vollkommener werdet. [2] Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. [3] Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht [4] und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, [5] nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. [6] Niemand gehe zu weit und \u00fcbervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter \u00fcber das alles, wie wir euch schon fr\u00fcher gesagt und bezeugt haben. [7] Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. [8] Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt. (1. Thessalonicher 4, 1-8)<\/p>\n<p><strong><em>Der Krampf mit dem Begriff der Heiligung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Heiligung &#8211; dieses altert\u00fcmliche Wort verwendet Paulus immer wieder in diesen Zeilen. Das gibts in unserem Sprachgebrauch so gut wie gar nicht mehr. Es wirkt antiquiert und \u00fcberholt. Also h\u00e4tten wir guten Grund, alles, was damit verbunden ist, wieder zur\u00fcckzuscheuchen zwischen die beiden Buchdeckel der Bibel: \u201eIst von damals, war ja f\u00fcr die Thessalonicher geschrieben, hat ja nichts mit uns zu tun.\u201d Buchklappe zu, Paulus tot, und schon habe ich wieder meine Ruhe:<br \/>\nNiemand redet mir rein, in meinen Weinkeller, in mein Schlafzimmer, in mein Gesch\u00e4ftsgebaren, in meinen Umgang mit der Sch\u00f6pfung, in meine Konflikte mit meinen Geschwistern, in meinen Raubbau an der eigenen Gesundheit, in meine Erziehungsmethoden &#8230;. oder wo sonst noch dieser Paulus irgendwelche Forderungen angemeldet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Aber damit machen wir es uns dann zu leicht. Nat\u00fcrlich, mit dem Begriff Heiligung tun wir uns nicht leicht, weil er unglaublich anspruchsvoll, m\u00f6glicherweise weltfremd klingt; und der begriffliche Weg vom Heiligen zu Scheinheiligen bietet sich ja f\u00f6rmlich an, und dann ist das Thema g\u00e4nzlich vorbei.<br \/>\nIst das Zufall? Dass man sich dem Thema kaum n\u00e4hern kann, ohne mit einem der Extreme zusammenzusto\u00dfen:<br \/>\nEntweder absolut unantastbare \u201eHeilige\u201d, imposante Pers\u00f6nlichkeiten, im Vergleich zu denen ich mir absolut mickrig vorkomme und gar nicht erst versuchen brauche, mir eine Scheibe abzuschneiden.<br \/>\nOder die \u201eScheinheiligen\u201d, die fromm tun aber in Wirklichkeit mehr Abgr \u00fcnde und Dreck am Stecken haben, als man selbst. Richtiggehende Anti-Typen, mit denen man nichts zu tun haben m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong><em>Leben, wie es dem Glauben entspricht<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nvielleicht tun wir uns leichter, wenn wir den alten Begriff \u201eHeiligung\u201d \u00fcbersetzen in Worte, die alle verstehen, und die nicht f\u00f6rmlich dazu einladen missverstanden zu werden. Denn die Sache ist ja eigentlich ganz einfach. Paulus sagt: Denkt daran, euer Leben so zu f\u00fchren, dass es eurem christlichen Glauben entspricht. &#8211; Fertig. So einfach ist das.<br \/>\nOder besser gesagt: Ab jetzt wirds anstrengend.<br \/>\nDenn: \u201eEinfach\u201d habe ich es, wenn ich das Thema wegen eines altert\u00fcmlichen Begriffs vom Tisch wischen kann. Dann ist Ruhe und ich kann machen, was ich will.<br \/>\nAber wenn in klaren modernen Begriffen gesagt wird: \u201eEs geh\u00f6rt zum Christsein dazu, dass ich mein Leben in allen Bereichen so f\u00fchren will wie es dem Glauben entspricht.\u201d Dann ist das eine echte Herausforderung, weil ich dann nichts ausklammern oder wegwischen kann:<br \/>\nAlles muss auf den Pr\u00fcfstand und muss sich die Frage gefallen lassen:<br \/>\nIst das, was du da tust im Einklang mit dem christlichen Glauben?<br \/>\nEntspricht dein Liebesleben der Botschaft der N\u00e4chstenliebe, die zuallererst die Bed\u00fcrfnisse des Anderen im Blick hat?<br \/>\nWenn du auf deinen Kontoauszug schaust, f\u00fchlst du den reichen Kornbauern des Gleichnisses Jesu in dir, der sich selbstzufrieden zur\u00fccklehnt und sagt, jawoll ich habe ausgesorgt, mein Geld ist mein Gl\u00fcck?<br \/>\nWenn du in deinen Terminkalender schaust, m\u00fcsstest du Gottes Einladung auch ablehnen, wie im Gleichnis vom gro\u00dfen Abendmahl, wo einer der G\u00e4ste sagt: Bedaure ich kann nicht kommen, ich habe dies und jenes gekauft, das muss ich jetzt erstmal besehen, ich kann leider nicht kommen, bitte entschuldige mich.<br \/>\nWenn du deinen Streit mit Nachbarn, Geschwistern und Kollegen betrachtest, musst du dann beim Vaterunser die Luft anhalten, wenn es hei\u00dft \u201ewie auch wir vergeben unseren Schuldigern\u201d, weil du denen nicht so einfach vergeben willst,\u00a0 aber doch gerne Gottes Vergebung in Anspruch nehmen w\u00fcrdest?<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber-Forderung und Vergebung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndiese Liste k\u00f6nnte man jetzt locker um ein paar Dutzend Punkte erweitern. Einen Lebensbereich nach dem anderen dahingehend abklopfen, ob wir hier dem Glauben, Jesu Liebesgebot und den Geboten Gottes entsprechend handeln.<br \/>\nEs gibt ja keinen Bereich, den man von Gottes Anspruch ausnehmen k\u00f6nnte.<br \/>\nUnd irgendwo hat da wohl jeder seinen wunden Punkt.<br \/>\nUnd ich hoffe, Sie sind selbstkritisch genug, dass Ihnen inzwischen auch mancher Punkt\u00a0 eingefallen ist, wo\u0301s bei Ihnen manchmal hakt. Das sind ja oft auch Bereiche oder Themen, wo man schon l\u00e4nger mit sich und seinen Gott am k\u00e4mpfen ist.<br \/>\nKlar: Die Forderung des Paulus Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung ist ganz klar eine \u00dcber-Forderung. Das werden wir nie perfekt hinbekommen, und auch Paulus gibt an anderer Stelle offen zu, das er auch immer wieder dran scheitert.<br \/>\nAber er winkt jetzt nicht mit der Vergebung f\u00fcr unsere S\u00fcnden, denn das wissen wir ja sowieso alle, sondern er will motivieren.<br \/>\nEr gibt nicht auf, danach zu streben, sein Leben im Einklang mit seinem Glauben zu gestalten. Ihm ist wichtig: Nicht aufgeben, weil man es nicht schafft; sondern: Weiterversuchen, weil man es noch nicht geschafft hat.<\/p>\n<p>Da finde ich Paulus\u0301 Einleitung zum Predigttext wundersch\u00f6n. Weil er da nicht mit der Forderungskeule kommt, sondern wie ein Trainer sagt:<br \/>\nLiebe Mitchristen von Thessalonich (oder von Gollhofen): Wir wollen euch dran erinnern: Gebt nicht auf, und versucht so zu leben, wie es dem Herrn Jesus entspricht. Wir wissen, ihr macht das schon gut, sehr gut sogar; aber bleibt dran, ihr werdet es sicher noch besser hinbekommen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner als Paulus kann man\u0301s gar nicht formulieren, drum sage ich:<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Heiligung&#8220; &#8211; Ein Begriff, der &#8211; so sch\u00f6n er klingen mag, uns auch immer wieder \u00fcberfordert. Die Geschichte von Michel aus L\u00f6nneberga ist da ein erster Schritt zur\u00a0 Entkrampfung. 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