{"id":1281,"date":"2010-11-01T00:10:46","date_gmt":"2010-10-31T22:10:46","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1281"},"modified":"2014-05-24T00:16:03","modified_gmt":"2014-05-23T22:16:03","slug":"predigt-renovieren-und-reformieren-abschied-nehmen-vom-alten-historienpredigt-1-november-2010-kirchweihmontag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1281","title":{"rendered":"Predigt: Renovieren und Reformieren: Abschied nehmen vom Alten (Historienpredigt) 1. November 2010, Kirchweihmontag"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\">Predigt <a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1282\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1282\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg?fit=295%2C423&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"295,423\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"kirchweihmontag2010\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg?fit=295%2C423&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1282\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010-209x300.jpg?resize=209%2C300\" alt=\"kirchweihmontag2010\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg?resize=209%2C300&amp;ssl=1 209w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg?resize=105%2C150&amp;ssl=1 105w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg?resize=104%2C150&amp;ssl=1 104w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweihmontag2010.jpg?w=295&amp;ssl=1 295w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a>zum Kirchweihmontag mit Lesung aus der Historie Gollhofens: 1735 &#8211; 1750<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nauch an diesem Kirchweihmontag werden wir einen Blick in die Gollh\u00f6fer Geschichtsb\u00fccher. Hinein in das 18 Jahrhundert. Eine Zeit, in der die Herrscher sich gerne als absolutistisch regierende\u00a0 Lichtgestalten verstanden. Aber zugleich wandelte sich die Welt: Die Aufkl\u00e4rung bricht sich langsam Bahn, eine immer besser gebildete Bev\u00f6lkerung wird selbstst\u00e4ndiger, l\u00e4sst sich von Herr-schern und Kirche nicht mehr alles weismachen, sondern versucht mittels des Verstandes sich selbst ein Urteil zu f\u00e4llen. So ist es nicht mehr weit bis zu den gro\u00dfen Umw\u00e4lzungen der franz\u00f6sichen Revolution am Ende dieses Jahrhunderts.<br \/>\nAber von diesen gro\u00dfen Bewegungen ist um 1730 auf dem Land noch weit und breit nichts zu sehen. Ich beginne im Jahr 1735. Das Pfarrhaus samt nebenstehendem Waschhaus war 3 Jahre zuvor neu erbaut worden.<!--more--><\/p>\n<p>1735<br \/>\nRussische Truppen machen Station im Gollachtal. 6000 Soldaten lagern auf den Weg nach Westen bei Hemmersheim. Die verwegen aussehenden Gestalten machen ihr Lager zu einer Sehensw\u00fcrdigkeit, so dass viele Menschen einfach nur zum neugierigen Anschauen dorthin pilgern.<\/p>\n<p>1739<br \/>\nEin Teil der bauf\u00e4lligen Kirchhofmauer an der Nordseite wird durch den Maurer Tauber aus Herrnberchtheim wieder erneuert. Auch in der Kirche wird gebaut: Der \u00f6rtliche Schreiner Johann Georg Sturz erweitert die Empore der Kirche. Bereits am 28. Oktober setzt ein strenger Frost ein, der viele Feldfr\u00fcchte vernichte. Es folgt ein bitterkalter Winter, mit eiskalten St\u00fcrmen, unter dem Mensch und Tier litten. Entsprechend steigt der Strohpreis enorm an. Der 10. Januar ist der k\u00e4lteste Tag dieses Winters.<\/p>\n<p>1740<br \/>\nam 20. Oktober stirbt Kaiser Karl VI. Entsprechend wird auch in der Gollh\u00f6fer Kirche ein offizielles Trauerl\u00e4uten angeordnet. In diesem Jahr erh\u00e4lt unsere Kirche zum ersten mal eine eigene Turmuhr. Bis dahin hatte nur die Kapelle am Kettenbrunnen eine \u201e\u00f6ffentliche Uhr\u201d, die sozusagen von Kirche und Obrigkeit gemeinsam gepflegt wurde. Die Kanzlei des F\u00fcrsten in Einersheim verf\u00fcgte, dass die Kirchturmuhr mit Zifferbl\u00e4ttern in drei Himmelsrichtungen ausgestattet sein m\u00fcsse und zur vollen und jede viertel Stunde schlagen solle.\u00a0 Der Uhrmachermeister Eichhorn aus Sugenheim wurde damit beauftragt. Dieser Handwerker war, so wird berichtet, dem Wein sehr zugeneigt, so dass man viele Scherereien mit ihm hatte und erst nach einem Jahr die Uhr fertiggestellt war. Um die Uhr in den Turm einzubauen, wurde das Innere des Turms ausgebaut, zwei Fenster (die man heute noch sehen kann) eingebaut und sp\u00e4ter eine vern\u00fcnftige Treppe in den Turm eingezogen. Bei dieser Gelegenheit hat man auch die Fassade des Turms erneuert. Diese Uhr blieb bis 1909, also 169 Jahre in Betrieb. Dann wurde ein neues mechanisches Uhrwerk eingebaut.<\/p>\n<p>1741<br \/>\nIm Oktober zogen 3 Kolonnen mit insgesamt 12000 franz\u00f6sischen Soldaten durch den Gollachgau. Zwischen Uffenheim und Biberehren schlugen sie ihr Lager auf. Es wird erleichtert berichtet, dass diese Soldaten weder pl\u00fcnderten noch vergewaltigten, sondern die Lebensmittel bar bezahlten. Ein Jahr sp\u00e4ter zogen weitere 45000 franz\u00f6sische Soldaten durch unsere Gegend. Sie wollten mit Bayern verb\u00fcndet im \u00f6sterreichischen Erbfolgekrieg in B\u00f6hmen einmarschieren. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter sah Gollhofen die Reste der Heeres im elenden, geschlagenen Zustand wieder nach Frankreich zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>1743<br \/>\nWurde (vielleicht durch ein Unwetter) der Turmknopf auf der Spitze besch\u00e4digt und f\u00fcr 14 Taler von G\u00fclchsheimer Handwerker Paul Hofmann herabgeholt.<\/p>\n<p>1745<br \/>\nObwohl das Pfarrhaus erst 13 Jahre alt war, mussten umfangreiche Reparaturma\u00dfnahmen in Angriff genommen werden: Der Giebel war schadhaft geworden, au\u00dferdem hatten sich die Mauern gesetzt, so dass an vielen Stellen der Putz abgesprungen war. Maurer Grieshammer aus Uffenheim wurde mit der Instandsetzung beauftragt.<\/p>\n<p>1746<br \/>\nIn diesem Jahr war das Kirchendach dran. Die S\u00fcdseite des Daches wurde mit \u201ePlattziegeln\u201d neu gedeckt. 1000 St\u00fcck kosteten einen Taler . Zu dieser Zeit waren im Inneren des Kirchendachs mehrere Getreidekammern angelegt. Darin konnten die Gollh\u00f6fer Bauern gegen Geb\u00fchr ihr Getreide lagern. Vor allem wurde es genutzt, wenn es f\u00fcr das Getreide zu wenig Nachfrage gab. So waren oft mehrere hundert Doppelzentner Getreide gelagert. Allerdings zeigte sich mit der Zeit, dass das Gewicht der Getreidevorr\u00e4te das Dach besch\u00e4digten und noch dazu der Getreidewurm die Holzbalken und Dachsparren angriff. So wurden diese Getreidekammern nach einiger Zeit wieder aufgegeben. Im gleichen Jahr war eine anhaltende D\u00fcrre. Dabei versiegten auch einige Brunnen im Dorf. Der Pfarrbrunnen wurde darum durch den Felsen hindurch noch tiefer ausgehoben.<\/p>\n<p>1747<br \/>\nDie Orgel der Kirche wurde erweitert. Der Hoforgelmacher Wiegleb aus Ansbach baute ein neues Fl\u00f6tenregister und einen Zimbelstern ein. Der Kostenvoranschlag betrug 96 Taler, letztlich wurden dann 115 Taler bezahlt.<\/p>\n<p>1748<br \/>\nDer Zimmermann Michel aus Gollachostheim erneuert die Treppe im Schulhaus.<\/p>\n<p>1748<br \/>\nAnfang September fielen zwei mal riesige Heuschreckenschw\u00e4rme in die Gegend um Gollhofen ein. Teilweise waren sie so viele, dass der Boden vollends von Heuschrecken bedeckt war, so dass man das Gras nicht mehr sehen konnte. Jedoch haben die Leute sich gewehrt, indem sie mit gro\u00dfen Wedeln die Heuschrecken immer wieder aufscheuchten. So blieb der Schaden letztlich\u00a0 doch gering. An anderer Stelle bei Estenfeld (Ort unsicher) sorgten sie jedoch f\u00fcr gro\u00dfe Fra\u00dfsch\u00e4den, obwohl sogar aus W\u00fcrzburg Soldaten zur Heuschreckenbek\u00e4mpfung angefordert wurden.<\/p>\n<p>1750<br \/>\nDie Kirche wird renoviert. Die W\u00e4nde werden gewei\u00dfelt &#8230; und man \u00fcberlegt, was man mit den\u00a0 Fenstern im Chorraum machen soll. Damals gab es ja noch nicht diesen gro\u00dfen Altar, sondern einen kleinen von 1509, dessen Bilder wir\u00a0 ja noch an der Nordseite der Chorwand erhalten\u00a0 haben. Die bunten kunstvoll bemalten Fenster im Chorraum nahmen nach Meinung der Renovierenden zu viel Licht aus dem Chorraum weg. So wurden sie herausgenommen und\u00a0 mit den uns bekannten klaren Glasscheiben ersetzt. Was aus den bunten Fenstern wurde, ist nicht \u00fcberliefert, m\u00f6glicherweise sind sie beim Auseinandernehmen zerbrochen und wurden weggeworfen. Die gesamte Renovierung kostete 401 Taler.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nauf 15 Jahre Geschichte der Gemeinde haben wir zur\u00fcckgeblickt. Und ich bin einfach erstaunt, was da laufend gebaut wird. Was hei\u00dft gebaut? Haupts\u00e4chlich wird renoviert, und erweitert. Allein die Kirche: Neues Dach, umgebaute Orgel, erweiterte Empore, ausgetauschte Fenster, installierte Uhr.<br \/>\nIst die Kirche der Reformation vielleicht auch eine Kirche der Renovation? Eine, f\u00fcr die der aktuelle Zustand nicht allein dadurch, dass er da ist, schon als in Ordnung erachtet wird. Sondern eine, die immer auch fragt:<br \/>\nWohin soll die Reise gehen?<br \/>\nWohin wollen wir uns entwickeln?<br \/>\nWo m\u00fcssen wir etwas ver\u00e4ndern, damit das, was uns wichtig ist, nicht unter dem Bisherigen versch\u00fcttet wird?<br \/>\nWo ist etwas Altes \u00fcberholt, br\u00fcchig geworden, und wir m\u00fcssen es durch etwas neues ersetzen, weil sonst das, was wir haben, zusammenbricht?<\/p>\n<p>Sie merken, ich rede dabei nicht nur von alter Bausubstanz. Auch wenn es um kirchliche Traditionen, Handlungsweisen, eingespielte Zust\u00e4ndigkeiten und dergleichen geht, kann eine Renovierung\u00a0 eine Reformation bedeuten. \u201eKirche muss sich immer wieder erneuern\u201d, diesen Leitspruch hat Luther gepr\u00e4gt, und ihm ging\u0301s dabei nat\u00fcrlich ganz und gar nicht um Baufragen, sondern um das innere Wesen von Kirche. &#8211; Und damit auch um jeden einzelnen von uns, der sich genauso stets neu orientieren muss, ob\u0301s denn noch passt, oder man in bestimmten Bereichen im Leben umdenken muss.<\/p>\n<p>Liebe Gollh\u00f6fer,<br \/>\nwer von Ihnen gestern hier meine Ank\u00fcndigung geh\u00f6rt hat, wundert sich vielleicht. Denn gestern hatte ich angedeutet, dass von einem ungeheuren Frevel, der in dieser Kirche passiert ist, die Rede sein wird. Haben sie ihn in meiner Chronik entdeckt?<\/p>\n<p>1750 haben die bei der Renovierung die bunten Bleiglasfenster rausgeschmissen! Unglaublich! K\u00f6nnen sie es sich vorstellen, wie das hier gewesen sein muss? Der weite, wei\u00df gestrichene Altarraum, ohne unsere Orgelwand, ein kleiner Fl\u00fcgelaltar, und dahinter unsere hohen schlanken gotischen Fenster, die\u00a0 mit ihrem farbigen Glas diesen Altarraum in ein atmosph\u00e4risch dichtes Licht r\u00fccken. \u00dcberlegen sie, wie das gewirkt haben muss &#8211; so was haben wir weit und breit nicht. Und das hauen die einfach weg! Heute w\u00fcrde uns der Denkmalschutz aufs Dach steigen. Wenn ich dran denke, welch ein Akt das war, als wir \u00fcber den Emporen ein paar zus\u00e4tzliche Lampen anbringen wollten. Und unsere Vorfahren schmei\u00dfen Kunstgeschichte auf den M\u00fcll! Weil sie es hell haben wollen. Irrsinn.<\/p>\n<p>Aber vielleicht rege ich mich nur deshalb so auf, weil ich ein bisschen neidisch bin. Auf diese Gemeinde damals. Die hat sich ihre Kirche umgestaltet, wie sie es f\u00fcr richtig hielt. Ihnen war Kunst und Tradition anscheinend zweitrangig. Meine Vermutung: Es ging darum, einen hellen und freundlichen Altarraum zu haben, man wollte Licht in die Sache des Glaubens bringen. Das Jahrhundert der Aufkl\u00e4rung: Auch in Glaubensdingen wollte man nicht Nebulosit\u00e4t verbreiten &#8211; mit einem vielfarbig schimmernden d\u00e4mmrigen Altarraum. Klare Orientierung am Evangelium, ohne Schnickschnack. Ich gebe zu, das ist meine Phantasie, denn zur Konzeption des Umbaus haben wir keine Unterlagen. Aber das nehme ich doch mit:<\/p>\n<p>Bewunderung f\u00fcr den Mut, sich von Altem zu l\u00f6sen, das man als Hindernis erkannt hat. Auch um den Preis, dass man liebgewordene Fenster, liebgewordene Gewohnheiten oder liebgewordene Vorurteile hinter sich lassen muss. Manchmal gehts nur dann nach vorne, wenn man Entscheidungen trifft, die einem mal nicht leichtfallen.<br \/>\nUnd nat\u00fcrlich sind wir oft erst hinterher schlauer und k\u00f6nnen erst im R\u00fcckblick beurteilen, ob wir richtig entschieden haben. Drum geh\u00f6rt zum mutigen Entscheiden auch immer viel Gottvertrauen und Gottes Segen. Und genau das w\u00fcnsche ich ihnen und mir auch in Zukunft bei unseren \u00e4u\u00dferen und inneren Renovierungen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum Kirchweihmontag mit Lesung aus der Historie Gollhofens: 1735 &#8211; 1750 Liebe Gemeinde, auch an diesem Kirchweihmontag werden wir einen Blick in die Gollh\u00f6fer Geschichtsb\u00fccher. Hinein in das 18 Jahrhundert. Eine Zeit, in der die Herrscher sich gerne als absolutistisch regierende\u00a0 Lichtgestalten verstanden. 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