{"id":1265,"date":"2011-01-09T23:14:06","date_gmt":"2011-01-09T22:14:06","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1265"},"modified":"2017-10-24T18:16:34","modified_gmt":"2017-10-24T17:16:34","slug":"predigt-schmetterlingseffekt-im-reich-gottes-mt-412-17-9-januar-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1265","title":{"rendered":"Predigt: Schmetterlingseffekt im Reich Gottes? (Mt 4,12-17) 9. Januar 2011"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201cDas<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schmetterlingseffekt.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1266\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1266\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schmetterlingseffekt.jpg?fit=400%2C286&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"400,286\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"schmetterlingseffekt\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schmetterlingseffekt.jpg?fit=400%2C286&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1266\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/schmetterlingseffekt-300x214.jpg?resize=300%2C214\" alt=\"schmetterlingseffekt\" width=\"300\" height=\"214\" \/><\/a> Himmelreich ist nahe herbeigekommen\u201d ruft Jesus. Das erinnert mich an den ber\u00fchmten \u201cSchmetterlingseffekt\u201d<span style=\"font-size: xx-small;\"><b><br \/>\n<\/b><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nder Wetterumschwung der letzten Tage war ja ganz enorm; vom Tiefschnee zum Hochwasser. Aber die Frage ist: Wer wars? Wer ist denn der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr gewesen, das sich das Tiefdruckgebiet \u00fcber Spanien so verh\u00e4lt, dass es warme Mittelmeerluft nach Deutschland schaufelt?<!--more--><\/p>\n<p>Diese Frage besch\u00e4ftigt Meteorologen seit Jahrzehnten, und sie k\u00e4mpfen immer wieder darum, m\u00f6glichst pr\u00e4zise Rechenmodelle zu entwickeln, die erkl\u00e4ren und vorhersagen, wie sich die Luftmassen bewegen.<br \/>\nDer Mathematiker und Meteorologe Edward Lorenz hat dabei schon in den 70er Jahren etwas ganz erstaunliches festgestellt: Das Wetter ist ein hochkomplexes geschehen mit Millionen von Faktoren, die da mit einflie\u00dfen und sich gegenseitig beeinflussen. Und ich stelle mir vor ich h\u00e4tte zweimal die absolut gleiche Wettersituation. (Sie merken, das ist ein Gedankenspiel, bzw. eine Computersimulation, weil wir das ja nicht k\u00fcnstlich herstellen k\u00f6nnen.) Beim ersten Versuch haben wir nach einer Woche besten Sonnenwetter in Florida.<\/p>\n<p>Beim zweiten Versuch ver\u00e4ndern wir nur eine winzige Kleinigkeit der Anfangssituation: Wir lassen einen Schmetterling durch einen englischen Vorgarten flattern. Und der macht auch ein kleines kleines bisschen Wind. Und diese winzige Ver\u00e4nderung f\u00fchrt dazu, dass sich dieses komplexe Wettergeschehen ganz anders entwickelt und nach einer Woche ein ganzer Landstrich in Florida von einem Tornado verw\u00fcstet wird.<br \/>\n\u201eSchmetterlingseffekt\u201d nennt man das in der Wissenschaft: Wenn ein winziger Faktor ein komplexes System derart beeinflusst, dass ein v\u00f6llig anderes Ergebnis herauskommt. Ein Schmetterling stellt das Wetter auf den Kopf. Wer wei\u00df, wie oft in unserer komplexen Welt schon so Kleinigkeiten wie ein verpasster Telefonanruf oder ein verlegtes Blatt Papier das Schicksal ganzer Familien oder Konzerne entscheidend ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Matth\u00e4us beschreibt am Beginn seines Evangeliums eine Szene, die mich an diesen Schmetterlingseffekt erinnert:<\/p>\n<p><i>12 Als nun Jesus h\u00f6rte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galil\u00e4a zur\u00fcck.\u00a0 13 Und er verlie\u00df Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, 14 damit erf\u00fcllt w\u00fcrde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): \u00bbDas Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galil\u00e4a, 16 das Volk, das in Finsternis sa\u00df, hat ein gro\u00dfes Licht gesehen; und denen, die sa\u00dfen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.\u00ab\u00a0 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Bu\u00dfe, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!<\/i><\/p>\n<p>Im Norden Israels, in dem kleinen verschlafenen Nest Kapernaum, da stellt sich Jesus vor die Menschen hin und predigt eine Botschaft, die sich offenbar in einem schlichten\u00a0 Satz zusammenfassen l\u00e4sst. Tut Bu\u00dfe, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!<br \/>\n&#8211; Da ist nichts spektakul\u00e4r: Ein junger Rabbi, noch ohne Erfahrung im Leiten und Belehren von Menschen mahnt seine Zuh\u00f6rer zur Umkehr.<br \/>\n&#8211; Da ist nichts neu: Den Ruf zur Bu\u00dfe, die Ank\u00fcndigung des Gottesreiches, das hatten die Leute schon aus dem Munde des Johannes geh\u00f6rt<\/p>\n<p>Aber Matth\u00e4us macht sich die M\u00fche und beschreibt genau, wo Jesus das tut: In dem Landstrich, von dem Jesaja schon angek\u00fcndigt hat, dass von dort her ein Licht f\u00fcr die Menschen kommen wird, die in der Finsternis leben. Da im Norden, eine Gegend, die f\u00fcr viele irgendwie abgeschrieben war, wirtschaftlich schwach, religi\u00f6s kaum gebildet, durch den Zuzug von Nichtjuden \u00fcberfremdet. Schon zu Jesajas Zeiten war dieser Landstrich in den Augen mancher Leute eine verlorene Zone, da musste man nicht hin, von da erwartete man sich auch nichts.<\/p>\n<p>Aber Jesaja k\u00fcndigt an: Genau von dort aus soll ein Licht \u00fcber ganz Israel aufstrahlen, von da aus wird eine Bewegung ausgehen, die unser Volk erneuert, die uns eine v\u00f6llig neue Welt er\u00f6ffnet.\u00a0 Macht euch auf etwas gefasst!<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nim Kontrast zu dem Ank\u00fcndigungen Jesajas, die wirklich Gro\u00dfes ank\u00fcndigen, ist das, was Matth\u00e4us hier berichtet eigentlich sehr d\u00fcrftig. Ein Rabbi mit Namen Jesus und seine Botschaft. Und auch das, was Matth\u00e4us auf den folgenden Seiten zu schreiben hat, ist nicht \u201eWeltgeschichte\u201d: Jesus bew\u00e4hrt sich als Prediger, man berichtet von beeindruckenden Wundern, aber letztlich f\u00e4llt er einem Verr\u00e4ter aus den eigenen Reihen zum Opfer und findet einen grauenvollen Tod. Immerhin: Einiger seiner Anh\u00e4nger berichten, dass sie ihm in den Tagen danach wieder begegnet sind und bekennen: Er ist auferstanden.<\/p>\n<p>Mit dem Blick eines Historikers ist das nichts Weltbewegendes. Das ist nicht die Story, mit der man eine Welt umkrempelt!<br \/>\nDa muss keine Landkarte neu gezeichnet werden, da gibts kein S\u00e4belrasseln &#8211; nur ein dutzend Menschen in einer r\u00f6mischen Provinz, die davon sprechen: Dieser Jesus ist der Sohn Gottes, f\u00fcr uns gestorben und von den Toten auferstanden.<br \/>\nDas ist alles so fern, so klein &#8230; dass man auch als fromme Seele manchmal nachdenklich wird und sich zweifelnd fragt: Wer sagt dir eigentlich, dass dein Glaube nicht blo\u00df Einbildung ist? Soll das alles wirklich nur an diesem einen Jesus h\u00e4ngen, der damals gelebt hat?<\/p>\n<p><b><i>Der Gottessohn als Schmetterlingseffekt?<br \/>\n<\/i><\/b> Und ich sp\u00fcre den sanften Fl\u00fcgelschlag eines \u201eSchmetterlings\u201d in Kapernaum, in Galil\u00e4a, sp\u00e4ter auch in Jerusalem. Nur ein paar Jahre lang. Und es dauert eine gewisse Zeit, und diese Welt ver\u00e4ndert sich. Entgegen aller politischen Widerst\u00e4nde und trotz Verfolgung lassen sich Menschen taufen, ver\u00e4ndern das Gesicht des r\u00f6mischen Reiches. Und auch zwei Jahrtausende sp\u00e4ter gr\u00fcnden Milliarden von Menschen ihr Leben auf dieser Botschaft von Jesus. Finden Halt und Kraft in Krisen, engagieren sich und gestalten christliches Leben, kommen Woche f\u00fcr Woche zusammen, um diesen Gott zu loben und Gemeinschaft in seinem Namen zu erleben.<br \/>\nUnd dieser kleine Rabbi Jesus von vor 2000 ist ihnen wichtiger, wertvoller und n\u00e4her als die gegenw\u00e4rtigen Machthaber mit all ihren Einfluss.<br \/>\nSchmetterlingseffekt: Ein kleiner Ansto\u00df, der ausreichte, eine gesamte Welt zu erfassen und zu ver\u00e4ndern. War Jesus also ein \u201eSchmetterling\u201d der Weltgeschichte?<\/p>\n<p><b><i>Regiert der Zufall oder Gottes Reich?<br \/>\n<\/i><\/b>Liebe Gollh\u00f6fer &#8211; ich w\u00fcrde sagen Ja und Nein!<br \/>\nJa: Denn es liegt ja auf der Hand, und wir haben es in der Weltgeschichte immer wieder sehen k\u00f6nnen, wie kleine Faktoren gewaltige Ver\u00e4nderungen ausgel\u00f6st haben.<br \/>\nAber da muss auch ein \u201eNein\u201d gesagt werden. Denn Jesus l\u00e4sst sich nicht allein mit dem Schmetterlingseffekt erkl\u00e4ren:<br \/>\nDenn das Ph\u00e4nomen lautet: Ein winziger Ansto\u00df ver\u00e4ndert das gesamte System &#8211; aber wer sagt, dass er es zum Guten ver\u00e4ndert? Der Fl\u00fcgelschlag des Schmetterlings in englischen Vorgarten kann f\u00fcr Florida Sonnenschein oder Tornado bringen &#8211; der Schmetterling hat er selber nicht in der Hand. Er wei\u00df nicht, was er ausl\u00f6st, und er kann es nicht kontrollieren. Der Schmetterlingseffekt ist eine Chaostheorie.<\/p>\n<p>Tut Bu\u00dfe, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!\u00a0 sagt Jesus. Das ist genau das Gegenteil: Das Reich Gottes als das Gegenst\u00fcck zum Chaos, zum Regiment eines blinden Zufalls. N\u00e4mlich das Bekenntnis dazu, dass hinter dem, was in dieser Welt geschieht, Gott seinen Willen und seinen Weg mit uns Menschen verwirklicht. Das Himmelreich, das Reich Gottes, ist nahe herbeigekommen &#8230;<br \/>\nGott als derjenige, der letztlich den Lauf der Geschichte in der Hand hat.<br \/>\n&#8211; Das l\u00e4sst mich hoffen, gegen allen Geschichtspessimismus, gegen das Gef\u00fchl, das diese Welt immer unkontrollierter, alles immer profitorientierter und herzloser wird.<br \/>\n&#8211; Das ver\u00e4ndert meinen Blick nach vorne: Weil nicht Weltuntergang, sondern Weltrettung das Ziel Gottes mit uns ist.<br \/>\n&#8211; Das gibt mir Mut f\u00fcr meine pers\u00f6nlichen, kleinen menschlichen Schritte und Entscheidungen. Dass Gott mir nahe ist auf meinem Lebensweg und es gut mit mir meint.<br \/>\n<b><i>Jesu Ruf zur Umkehr<\/i><\/b><\/p>\n<p>Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen &#8211; so fasst Matth\u00e4us die Verk\u00fcndigung Jesu zusammen. Und das ist mehr als nur eine Information , es ist auch ein Aufruf: Halte die Augen offen, schau, wo es entdecken kannst, wo du etwas davon sp\u00fcrst, dass Gott dir nahe ist, dich begleitet und beh\u00fctet.<br \/>\nUnd das sollte dich nicht unber\u00fchrt lassen: Wenn du auf diese Gegenwart Gottes bauen willst, dann hat da ja Folgen.<br \/>\n\u201eTut Bu\u00dfe\u201d \u00fcbersetzt Martin Luther, Matth\u00e4us hat das Wort \u201emetanoete\u201d aufgeschrieben: \u201e\u00e4ndert euren Sinn\u201d, stellt euer Denken und Handeln auf neue F\u00fc\u00dfe. Fangt neu an &#8211; fangt vielleicht auch dieses neue Jahr neu an &#8211; im Vertrauen und Wissen, dass Gott in dieser Welt als Wirken ist.<br \/>\nDieser Satz, so habe ich den Eindruck, zieht und schiebt zugleich.<br \/>\nEr zieht, macht mir Mut, wo ich \u00e4ngstlich und verunsichert bin, was die Zukunft wohl so bringen mag.<br \/>\nUnd er schiebt, gibt mir einen Schubs und ruft mich dazu auf, nicht lethargisch herumzubaumeln, sondern mit Gottvertrauen meinen Glauben in Handeln umzusetzen. Weil es keinen Grund gibt, die H\u00e4nde im Scho\u00df liegen zu lassen.<\/p>\n<p><b><i>Schmetterling in Gottes Reich<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwenn sie das tun, vielleicht f\u00fchlen Sie sich dann auch ein bisschen wie so ein Schmetterling im Reich Gottes. Denn eine wissenschaftliche Erkenntnis des \u201eSchmetterling-Effekts\u201d lautet ja auch: Die Zusammenh\u00e4nge von Ursache und Wirkung von Dingen sind l\u00e4ngst nicht so geschlossen, wie wir es uns oft vorstellen.<br \/>\nDa gibt viel weniger \u201egibts nicht\u201d und \u201edu\u00a0 hast keine Chance\u201d als wir uns gemeinhin oft vorstellen.<\/p>\n<p>Da ist viel Luft, daf\u00fcr, dass es anders kommt. Da ist viel Platz f\u00fcr mein Handeln, meine Hoffnungen meine Versuche, Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten &#8211; f\u00fcr meine christlichen Fl\u00fcgelschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cDas Himmelreich ist nahe herbeigekommen\u201d ruft Jesus. Das erinnert mich an den ber\u00fchmten \u201cSchmetterlingseffekt\u201d Liebe Gemeinde, der Wetterumschwung der letzten Tage war ja ganz enorm; vom Tiefschnee zum Hochwasser. Aber die Frage ist: Wer wars? 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