{"id":1247,"date":"2011-04-23T22:36:54","date_gmt":"2011-04-23T20:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1247"},"modified":"2014-05-23T22:42:14","modified_gmt":"2014-05-23T20:42:14","slug":"predigt-das-sakramentshaus-von-gollhofen-abendmahl-hinter-gittern-symbolpredigt-21-april-2011-gruendonnerstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1247","title":{"rendered":"Predigt: Das Sakramentshaus von Gollhofen: \u201eAbendmahl hinter Gittern?\u201d (Symbolpredigt) 21. April 2011, Gr\u00fcndonnerstag"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>P<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/sakramentshaus.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1248\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1248\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/sakramentshaus.jpg?fit=350%2C773&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"350,773\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"sakramentshaus\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/sakramentshaus.jpg?fit=350%2C773&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1248\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/sakramentshaus-135x300.jpg?resize=135%2C300\" alt=\"sakramentshaus\" width=\"135\" height=\"300\" \/><\/a>redigt zum Gr\u00fcndonnerstag mit Blick auf das Gollh\u00f6fer\u00a0 Sakramentsh\u00e4uschen aus dem Jahr 1517.<\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nim Jahr 1517 wurde es in die damals noch recht neue und \u201eleere\u201d Kirche von Gollhofen eingebaut: Unser Sakramentsh\u00e4uschen. Denn hier vorne stand im sonst leeren Raum nur ein kleiner Altar mit zwei Bilder-Fl\u00fcgeln.<br \/>\nHans Has hat dieses H\u00e4uschen gestiftet &#8211; Die Inschrift an der Seite beinhaltet sein Wappen, n\u00e4mlich einen Hasen, seinen Namen und eine nicht entzifferbare Formulierung. M\u00f6glicherweise war Hans Has damals B\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p><b><i>Die Geschichte des \u201eSakramentsh\u00e4uschens\u201d<\/i><\/b><\/p>\n<p>Das Sakramentsh\u00e4uschen ist ein kleines gotisches Schl\u00f6sschen geworden. Etliche Meter hoch, mit vielen Ornamenten, T\u00fcrmchen und Spitzen. Es war sicher aufw\u00e4ndig herzustellen und zu stabilisieren. Aber es sollte so sein &#8211; schlie\u00dflich ging es nicht um irgendein M\u00f6belst\u00fcck im Gotteshaus. Das Sakramentsh\u00e4uschen sollte die geweihten Hostien beherbergen. Den Leib Christi. F\u00fcr diesen wertvollen Schatz wollte man auch eine w\u00fcrdige Wohnung bereitstellen. Schon in den Jahrzehnten vorher waren Sakramentsh\u00e4uschen in ganz Deutschland in Mode gekommen.<!--more--><\/p>\n<p>30 Jahre nach der Errichtung unseres Sakramentsh\u00e4uschens haben diese kleinen Geb\u00e4ude wieder an Bedeutung verloren. Die Bisch\u00f6fe hatten im Konzil von Trient vorgeschrieben, dass die Hostien in einem Aufsatz auf dem Altar unterzubringen seien. Von da an waren diese Sakramentsh\u00e4uschen verwaist. Wie es in Gollhofen gehandhabt wurde, wissen wir nicht, denn kurz nach diesem Beschluss des Konzils wurde Gollhofen evangelisch, und damit wurde vieles wieder anders.<br \/>\nDennoch: Es steht immer noch da &#8211; unser Schmuckst\u00fcck.<br \/>\nZum einen beeindruckt mich auch heute noch dieser Aufwand, mit dem man f\u00fcr die Hostien einen w\u00fcrdigen Platz geschaffen hat. Ich sp\u00fcre etwas, von dem hohen Respekt, den man den Abendmahlsgaben entgegengebracht hat.<br \/>\nAuf der anderen Seite irritiert mich, dass der Ort f\u00fcr die Hostien derart vergittert und verriegelt ist. Ein Tresor, ein Hochsicherheitstrakt. &#8211; Zugegebenerma\u00dfen mit wundervollen Verzierungen, auch am Schloss selbst. Aber letztlich sind die Hostien hinter Schloss uns Riegel. War die Angst so gro\u00df, das die Hostien gestohlen w\u00fcrden, oder f\u00fcr seltsame Br\u00e4uche entwendet oder gesch\u00e4ndet w\u00fcrden? Oder war es einfach ein Ausdruck von Wertsch\u00e4tzung: Wertvolles muss einfach ordentlich gesichert werden. Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p><b><i>Das Abendmahl hinter Schloss und Riegel?<\/i><\/b><\/p>\n<p>Was ich aber wei\u00df: Dass das Abendmahl eigentlich nicht hinter Gitter darf! Das Abendmahl &#8211; also nicht die Hostien oder der Wein &#8211; sondern das Feiern des Abendmahls darf nicht hinter Gittern und Absperrungen verschwinden.<br \/>\nWenn ich in unserer Bibel nachlese, wie die J\u00fcnger Jesu, wie die ersten Christen Abendmahl gefeiert haben, dann wird deutlich: Man brach das Brot in den H\u00e4usern, daheim, wo man sich traf um miteinander Lieder zu singen, in den Heiligen Schriften zu lesen, wo man miteinander betete und fr\u00f6hlich Gott lobte. Das Heilige Abendmahl war meist verbunden mit einem fr\u00f6hlichen Abendessen. Man erlebte Gemeinschaft, ungezwungen. Ein Fest der Gegenwart Christi.<\/p>\n<p>Das hat sich ge\u00e4ndert. Aus manchen theologischen Gr\u00fcnden und traditionellen Entwicklungen heraus ist das Abendmahl aus dem t\u00e4glichen Leben, aus den w\u00f6chentlichen Gottesdiensten heraus ausgewandert. Wir finden es abgetrennt vom \u201eNormalen\u201d, in besonderen Gottesdiensten, die meist auch noch eine besondere Stimmung haben, in denen man sich oft auch noch besonders anzieht.<br \/>\nWarum?<br \/>\nZum Einen: Das Abendmahl hat eine besondere Stellung. Und aus dieser Wertsch\u00e4tzung heraus wurde es liturgisch immer aufw\u00e4ndiger gefeiert: Besondere Gebete und Lieder lagerten sich um dieses Brotbrechen herum an. Es ist ein eigenes sehr wuchtiges Element im Gottesdienst, das bekommen wir in einer Stunde am Vormittag kaum unter. So wird es nur sehr selten gefeiert. Und Pfarrer, die in unserer Region das Abendmahl h\u00e4ufiger feiern wollten, haben ern\u00fcchternd feststellen m\u00fcssen:\u00a0 Wenn Abendmahl gefeiert wird, kommen weniger Leute in die Kirche, oder gehen dann eben nicht vor zum Altar, sondern bleiben sitzen.<br \/>\nEin anderer Aspekt: Als Evangelische haben wir ein gro\u00dfes Augenmerk auf Jesu Leiden uns Sterben. Sein Tod befreit uns von unserer Schuld. Das ist uns eine ganz wichtige Erkenntnis. Das hat aber auch eine Folge f\u00fcrs Abendmahl. Wir verbinden gedanklich das Abendmahl stark mit Jesu Tod am Kreuz. Mein Leib, mein Blut &#8211; diese Einsetzungsworte lassen uns zuallererst an Jesu Sterben denken. Und mit dieser gedanklichen Verbindung\u00a0 ist das Abendmahl eine sehr ernste wenn nicht gar traurige Angelegenheit. Und wir \u00fcbersehen, dass das Abendmahl auch Vergegenw\u00e4rtigung des auferstandenen Christus ist.<\/p>\n<p>Und wahrscheinlich geh\u00f6ren auch viele kleine Faktoren der Fr\u00f6mmigkeitsgeschichte dazu, die mit hineinspielen in unser jeweils individuelles Verst\u00e4ndnis von Abendmahl. Aber unterm Strich bleibt das Abendmahl bei uns etwas sehr hervorgehobenes, au\u00dfergew\u00f6hnliches, und seltenes. Auch wenn das Sakramentsh\u00e4uschen nicht mehr in Gebrauch ist &#8211; irgendwie passt es dazu. Zu unserem westmittelfr\u00e4nkischen Abendmahl.\u00a0 Ein Abendmahl irgendwie schon hinter Gittern.<\/p>\n<p><b><i>Abendmahl hinter Gittern &#8211; der Pfarrerblock in Auschwitz<\/i><\/b><\/p>\n<p>Bei dieser Formulierung ist mir eine Szene aus einem Kinofilm eingefallen. \u201eDer neunte Tag\u201d hei\u00dft er. Ein Teil dieses Films spielt im Konzentrationslager von Dachau. Im dortigen Pfarrerblock hatten die Nationalsozialisten alle ihnen missliebigen Pfarrer zusammengepfercht. In einer Szene dieses Film feiern sie Abendmahl. Jeder hatte sich von der t\u00e4glichen Brotration ein St\u00fcckchen aufgehoben. In einer verbeulten Blechtasse war der Wein. Dreckige, ausgezehrte M\u00e4nner standen im Mittelgang der Baracke, feierten Abendmahl, mit leise gesungenen Liedern, immer in der Angst, dass SS-Leute hereinst\u00fcrmen k\u00f6nnten. Grauenvolle Umst\u00e4nde, weitab von allem, was irgendwie w\u00fcrdevoll erscheint &#8211; und doch war das f\u00fcr diese M\u00e4nner ein Schatz &#8211; ein Quelle der Kraft in diesem KZ; an einem Ort, an dem sonst von Gottes N\u00e4he und Liebe nichts, aber auch gar nichts sp\u00fcrbar war.<\/p>\n<p>Der Rahmen wird belanglos. Das, was in diesem Abendmahl, in den Beteiligten, geschah, das war das Ma\u00dfgebliche.<\/p>\n<p><b><i>Wenn der Rahmen nicht das Eigentliche ist<\/i><\/b><\/p>\n<p>Warum ich das erz\u00e4hle? Weil ich aus dieser Szene ein Doppeltes gelernt habe. N\u00e4mlich dass der Rahmen in zweifacher Hinsicht nicht das Eigentliche ist. Das eine: Das Abendmahl unseres Herrn Jesus Christus hat es nicht n\u00f6tig, dass wir es durch irgendwelche Faktoren aufwerten:<\/p>\n<p>&#8211; Es wird nicht wertvoller, wenn wir es nur zwei mal im Jahr feiern.<br \/>\n&#8211; Es ist nicht w\u00fcrdiger, weil wir im schwarzen Anzug kommen.<br \/>\n&#8211; Es ist nicht \u201ebesser\u201d wenn ich dabei nur an Jesu Leiden und Sterben denke, und die Auferstehungsfreude ausblende.<\/p>\n<p>Aber umgekehrt d\u00fcrfen wir das Abendmahl nicht abh\u00e4ngig machen von dem theologischen Geschmack. Auch nicht dem der jeweiligen Pfarrer. Wenn der Rahmen nicht das Eigentliche ist, dann gilt auch:<\/p>\n<p>&#8211; Wenn ich es zwei mal im Jahr begehe, und diese Termine zu wichtigen Koordinaten im Laufe des Jahres geworden sind &#8211; dann ist das eine gute Entscheidung, die keiner kritisieren sollte.<br \/>\n&#8211; Was spricht dagegen, dass ich meiner Wertsch\u00e4tzung des Abendmahls auch durch eine besondere Kleidung Ausdruck verleihe?<br \/>\n&#8211; Weil ich wei\u00df, dass wir das Leiden Jesu oft genug ausblenden, darum will ich auch bewusst im Abendmahl die N\u00e4he zum Gekreuzigten Jesus suchen.<\/p>\n<p><b><i>Aus der Breite des Abendmahls sch\u00f6pfen<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>so oder so: Beides passt. Das ist keine moderne Beliebigkeit, sondern das ist die Breite von Bedeutungen, die das Abendmahl in sich birgt.<br \/>\nWenn wir heute hier vorn zusammenkommen, um das Abendmahl zu feiern, dann tun wir es so, wie Jesus es seinen J\u00fcngern beim letzten gemeinsamen Mahl geboten hat.<br \/>\n\u201eSolches tut zu meinem Ged\u00e4chtnis\u201d &#8211; Er ist mitten unter uns in Brot und Wein, dieser Jesus, der uns eben in vielf\u00e4ltiger Weise begegnet. So vielf\u00e4ltig k\u00f6nnen wir das Abendmahl auch f\u00fcr uns &#8211; jeder f\u00fcr sich empfinden.<\/p>\n<p>&#8211; Erleben sie es als ihre pers\u00f6nliche Begegnung mit Jesus Christus, der sagte: Ich bin mitten unter euch; unabh\u00e4ngig von Raum und Zeit bin ich in diesem Moment dir ganz nahe.<\/p>\n<p>&#8211; Machen sie sich bewusst, dass sie in einem Kreis von Mitchristen stehen. Menschen, mit denen sie pers\u00f6nlich mehr oder weniger verbunden sind. Aber jenseits von empfundener N\u00e4he und Distanz sind wir alle, die wir hier stehen, Schwestern und Br\u00fcder. Essen vom gleichen Brot, trinken aus dem gleichen Kelch.<\/p>\n<p>&#8211; Begehen sie dieses Abendmahl am Ende der Passionszeit als Erinnerung an Jesu Leiden und Sterben, lassen sie sich hineinnehmen in das beklemmende Gef\u00fchl der J\u00fcnger damals, die auch sp\u00fcrten, dass Jesus etwas unglaubliches vor sich hatte, dass er f\u00fcr sie stellvertretend den Tod auf sich nahm.<\/p>\n<p>&#8211; Feiern sie Abendmahl als Fest des Siegs Christi \u00fcber den Tod. So wie die J\u00fcnger und Jesus\u00a0 an diesem Abend das Passah a\u00dfen, um sich an die siegreiche Befreiung aus \u00c4gypten zu erinnern. Denken wir dankbar zur\u00fcck, dass Jesus uns aus der Gefangenschaft des Todes befreit hat.<\/p>\n<p>Das alles ist in diesem Mahl vereint. Machen sie sich bewusst, welche Aspekte ihnen heute nahe stehen, und feiern sie mit uns das Mahl des Herrn. Denn er l\u00e4dt uns ein und schlie\u00dft keinen von uns aus.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum Gr\u00fcndonnerstag mit Blick auf das Gollh\u00f6fer\u00a0 Sakramentsh\u00e4uschen aus dem Jahr 1517. Liebe Gemeinde, im Jahr 1517 wurde es in die damals noch recht neue und \u201eleere\u201d Kirche von Gollhofen eingebaut: Unser Sakramentsh\u00e4uschen. Denn hier vorne stand im sonst leeren Raum nur ein kleiner Altar mit zwei Bilder-Fl\u00fcgeln. 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