{"id":1233,"date":"2011-07-10T22:55:57","date_gmt":"2011-07-10T20:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1233"},"modified":"2014-06-01T21:46:29","modified_gmt":"2014-06-01T19:46:29","slug":"predigt-ist-es-in-ordnung-wenn-wir-mais-und-weizen-in-eine-biogasanlage-schuetten-waehrend-anderswo-menschen-hungern-themenpredigt-10-juli-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1233","title":{"rendered":"Predigt: Ist es in Ordnung, wenn wir Mais und Weizen in eine Biogasanlage sch\u00fctten, w\u00e4hrend anderswo Menschen hungern? (Themenpredigt) 10. Juli 2011"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eIst <a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1234\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1234\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg?fit=300%2C166&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"300,166\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"pfarrersagmal\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg?fit=300%2C166&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-1234\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg?resize=300%2C166\" alt=\"pfarrersagmal\" width=\"300\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg?w=300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg?resize=150%2C83&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/pfarrersagmal.jpg?resize=250%2C138&amp;ssl=1 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>es in Ordnung, wenn wir Mais und Weizen in eine Biogasanlage sch\u00fctten, w\u00e4hrend anderswo Menschen hungern?\u201d Dieser Frage aus unserer \u201cPfarrer sag mal&#8230;\u201d-Aktion geht diese Predigt nach. (In dieser Aktion haben Gemeindeglieder Predigten zu bestimmten Themen bestellt).<\/p><\/blockquote>\n<p><b><i>Das Brot in der M\u00fclltonne<\/i><\/b><\/p>\n<p>Da liegt es: Nicht mal angebissen ist es, das Wurstbrot in der M\u00fclltonne auf dem Pausenhof. Eine Gurkenscheibe spitzt auf der Seite noch heraus, da hat sich jemand richtig M\u00fche gegeben, es sollte lecker sein, eine kleine Liebesbotschaft von Mama im Schulranzen. Aber jetzt liegt es in der Tonne, neben einem halbgegessenen Apfel und einem leeren Tetrapack mit Eistee.<br \/>\nSo ein Blick in dem M\u00fclleimer tut weh. Lebensmittel schmei\u00dft man nicht einfach weg, das habe ich als Kind daheim gelernt, und das hat sich in mein Bewusstsein eingenistet. Bis heute. Und wenn wir dann doch ein altes Joghurt wegtun, oder auf der Jugendfreizeit das zuviel Gekochte auf den Kompost entsorgen, dann verfolgt uns das schlechte Gewissen.<br \/>\nWarum eigentlich?<!--more--><\/p>\n<p>Logisch gedacht ist es eigentlich egal, ob ich das halbe Schnitzel aufesse oder wegwerfe.<br \/>\nEsse ich es, so wird es verdaut, an Schluss bleibt ein Rest, der von Kleinstlebenswesen in seine mineralischen Bestandteile zerlegt wird und irgendwann wird der Kl\u00e4rschlamm wieder Grundlage f\u00fcr andere Pflanzen sein. Wenn das Schnitzel auf dem Kompost fliegt, beginnt letztlich der gleiche Prozess. Am Ende ist das Resultat immer das gleiche &#8211; warum also das schlechte Gewissen? Woher kommt unser Problem mit weggeworfenen Lebensmitteln?<\/p>\n<p><b><i>Der hohe Wert unserer Lebens-Mittel<\/i><\/b><\/p>\n<p>Es liegt wohl am ideellen Wert, den wir den Lebensmitteln zumessen. Und das kommt nicht von ungef\u00e4hr:<br \/>\nWir haben Eltern und Gro\u00dfeltern, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit am eigenen Leib gesp\u00fcrt haben, wie es ist, zu Hungern, zu hoffen, dass man mit seinen Vorr\u00e4ten \u00fcber den Winter kommt. Wo Nahrung ein knappes Gut ist, da wird uns bewusst, wie wertvoll ein ganz einfaches St\u00fcck Brot ist. &#8211; Weil davon mein \u00dcberleben abh\u00e4ngen kann! Und dann gewinnt dieses Brot eine gewaltige Symbolkraft &#8211; Brot, Lebensmittel stehen dann f\u00fcr \u201eLeben\u201d, f\u00fcr \u00dcberleben!<br \/>\nDenken Sie an Esau &#8211; vorhin haben wir davon geh\u00f6rt : Ein bisschen spottet dieser Bibeltext \u00fcber diesen Esau, das alle Rechte als Erstgeborener, den in Aussicht stehenden Reichtum seines Vaters,\u00a0 aufgibt f\u00fcr einen Teller Linsenbrei. Aber er selbst sagt es ja seinem Bruder: \u201eWas n\u00fctzt mir mein Vorrecht als \u00e4ltester Sohn, als Erbe, wenn ich am Verhungern bin!\u201d<br \/>\nGenauso haben es die Gollh\u00f6fer in den 40er Jahren erlebt: Leute aus den St\u00e4dten kamen zu ihnen, um ihre wertvollen Schmuckst\u00fccke gegen etwas Essbares einzutauschen. Wo ich am Verhungern bin, werden alle anderen Sch\u00e4tze bedeutungslos.<br \/>\nUnd zugleich, theologisch betrachtet, ist das Wachstum unserer Lebensmittel ein Geschenk Gottes. Jeder Apfel eine Liebeserkl\u00e4rung Gottes an uns, der diese Natur so geschaffen hat, dass wir Menschen einen Platz darin haben und uns aus einer gro\u00dfen Vielfalt ern\u00e4hren k\u00f6nnen.\u00a0 Und wir wissen, wie wir mit Geschenken umzugehen haben: Geschenke wirft man nicht weg, denn das kommt ja einer Missachtung des Schenkenden gleich.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, soweit meine Spurensuche. Ich merke: Es gibt durchaus plausible Gr\u00fcnde, die uns davon abhalten, Lebensmittel anders zu verwerten, als zur eigenen Ern\u00e4hrung. Zugleich stelle ich fest: Diese Gr\u00fcnde sind eher emotionaler Natur, es geht um Wertsch\u00e4tzung; nicht so sehr um Sachfragen.<\/p>\n<p><b><i>Sachlicher Blick auf die Sch\u00f6pfung als umfassende Lebensgrundlage<\/i><\/b><\/p>\n<p>Darum m\u00f6chte ich nun das Pferd von der anderen Seite her aufz\u00e4umen &#8211; eher sch\u00f6pfungstheologisch &#8211; damit auch biblisch. Die biblischen Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlungen r\u00fchmen unseren Planeten als gro\u00dfes Werk Gottes. Dort hinein hat der Sch\u00f6pfer uns gesetzt &#8211; in zentrale Position, mit dem Auftrag, diesen uns umgebenden Garten zu bebauen und zu bewahren. Wir haben die Macht, dieses Umfeld zu beherrschen und zu gestalten, wir haben Verantwortung, sollen bewahren, und wir sind konfrontiert mit dem Umstand, dass das alles kein Kinderspiel ist. In der Geschichte vom S\u00fcndefall h\u00f6ren wir vom Fluch: Mit M\u00fchsal sollst du dich vom Acker n\u00e4hren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schwei\u00dfe deines Angesichts sollst du dein Brot essen (1.Mose 3, 17-19).<\/p>\n<p>Die uns umgebende Sch\u00f6pfung als teilweise widerspenstiges Arbeitsfeld aus dem wir das geschenkt bekommen oder auch m\u00fchsam erringen m\u00fcssen, was wir zum Leben brauchen. Was wir wof\u00fcr verwenden ist eigentlich offen. Vieles, was wir heute als Nahrungsmittel verstehen, ist ja erst ein Ergebnis zuf\u00e4lliger Entdeckungen oder mancher Z\u00fcchtung.\u00a0 Wenn ich die Sch\u00f6pfungsauftrag weit fasse, kann ich sagen: Uns sind die Gaben der Natur gegeben, um daraus unser Leben zu bestreiten, um uns zu ern\u00e4hren, zu kleiden, uns Obdach zu geben und um selbst kreativ t\u00e4tig zu sein. Ob ich eine bestimmte Pflanze zum Essen oder zum Heizen meines Hauses verwende ist zun\u00e4chst nicht von Belang.<br \/>\nIn der Bibel wird vom Olivenbaum geschw\u00e4rmt, Die Olive als Lebenmittel, das \u00d6l wird verzehrt, als Heilmittel verwendet oder auch in Lampen verbrannt.\u00a0 Wenn wir Menschen nun eine Technologie entwickeln, um aus Pflanzen Energie zu gewinnen, ist das eigentlich ein ganz normaler und gar nicht au\u00dfergew\u00f6hnlicher Vorgang.<\/p>\n<p>Der Mais oder der Weizen ist im Bauch genauso zweckm\u00e4\u00dfig verwendet wie im G\u00e4rbeh\u00e4lter einer Biogasanlage. Er dient so oder so dem Auskommen der Menschen, entspricht dem Auftrag des Bebauens uns Bewahrens. Also: Kein Problem, wenn wir Weizen, Mais, Grassilage oder \u00e4hnliches zum Gewinnung von Biogas einsetzen.<\/p>\n<p><b><i>Der Blick auf unsere N\u00e4chsten<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, auch wenn es unserem Bauch-Gef\u00fchl widerspricht: Ich sehe keine S\u00fcnde darin, Pflanzen, die wir essen k\u00f6nnten, zur Biogasgewinnung zu verwenden.<br \/>\nEine S\u00fcnde w\u00e4re es dann, wenn ich neben mir jemanden habe, der Hunger hat und ich werfe das Lebensmittel in die Biogasanlage damit ich mein Haus heizen kann. Dann wirds problematisch: Wenn ich den anderen hungern lasse, w\u00e4hrend ich mir mit den aus den Feldfr\u00fcchten gewonnenen Biogas die F\u00fc\u00dfe w\u00e4rme &#8211; dann ist es eine S\u00fcnde, dann habe ich das Liebesgebot Jesu mit genau diesen F\u00fc\u00dfen getreten.<\/p>\n<p>Nun ist die Frage: Ist es so? M\u00fcssen Menschen hungern, weil wir auf einigen unserer Felder nicht Lebensmittel, sondern Biogas-Substrate anbauen?<br \/>\nIn Gollhofen und Deutschland wohl eher nicht.<br \/>\nAber wie sieht das global aus?<\/p>\n<p>Es gibt ja den Vorschlag: Wir k\u00f6nnten ja den angebauten Weizen statt in die Biogasanlage zu geben, in die Krisenregionen der Welt exportieren. Aber ich denke, damit greifen wir zu kurz: Logistisch und wirtschaftlich erscheint das nicht sinnvoll und w\u00fcrde die dortigen Bauern in den Ruin treiben, wenn die Leute dort nur noch das kosteng\u00fcnstige gespendete Europa-Getreide konsumieren.<\/p>\n<p><b><i>Der Blick in die global vernetzte Welt<\/i><\/b><\/p>\n<p>Aber wie ist das, wenn in Zukunft die Lebensmittel-Produktion tats\u00e4chlich global nicht mehr mit der Nachfrage mitkommt? Wenn ganze Volkswirtschaften ein Problem bekommen, gen\u00fcgend Getreide, gen\u00fcgend Feldfr\u00fcchte f\u00fcr ihre Bev\u00f6lkerung bereitzustellen, weil immer mehr in Energiepflanzen investiert wird, weil der wirtschaftliche Ertrag gr\u00f6\u00dfer ist, weil die Biogasanlage f\u00fcr den Doppelzentner Weizen mehr zahlen kann, als ein Eink\u00e4ufer aus Brasilien?<br \/>\nDann wird die Angelegenheit schwierig.<br \/>\nEs wird aber noch schlimmer: Wenn man wei\u00df, das dieses Land zu wenig Brotgetreide anbaut, weil man lieber stattdessen im gro\u00dfen Stil Soja f\u00fcr unser Kraftfutter und Zuckerrohr f\u00fcr unseren Biosprit anbaut &#8211; denn das bringt Devisen! Und die braucht ein verschuldetes Land wie Brasilien dringend.<br \/>\nWillkommen im Wahnsinn der Weltwirtschaft!<\/p>\n<p>Ist ein Gollh\u00f6fer Bauer, der seinen Mais oder Weizen oder sonstwas in die Biogasanlage f\u00e4hrt verantwortlich f\u00fcr diese Zust\u00e4nde?<br \/>\nIch denke: Er hat sie nicht verursacht, nicht gewollt und kann mit einem Boykott der Biogasanlage auch nichts dagegen tun.<br \/>\nDa kommt seine Verantwortung an eine Grenze. Wir sind alle Teil dieser Welt die so absurd funktioniert, meist zum Vorteil von uns Industrienationen &#8211; sind sogar Nutznie\u00dfer mancher Marktmechanismen und damit irgendwie mitschuldig, ohne pers\u00f6nlich daran mitgewirkt zu haben.<\/p>\n<p><b><i>Zusammenfassende Gedanken<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, was soll man nun abschlie\u00dfend sagen?<br \/>\n\u201eIst es in Ordnung, wenn wir Mais und Weizen in eine Biogasanlage sch\u00fctten, w\u00e4hrend anderswo Menschen hungern?\u201d Das war die Frage, und ich m\u00f6chte zusammenfassend einige Thesen formulieren:<br \/>\nErstens: Es ist in Ordnung, wenn wir das, was auf unseren Feldern w\u00e4chst, auch zur Deckung unseres Energiebedarfs in einer Biogasanlage einsetzen. Auch das ist eine Form, der Bebauens und Bewahrens, gerade weil dadurch unser Verbrauch an \u00d6l und Erdgas reduziert wird.<\/p>\n<p>Zweitens: Aber es w\u00e4re nicht in Ordnung, wenn dadurch Hunger an anderen Orten bef\u00f6rdert w\u00fcrde, wenn wir dadurch der Weltwirtschaft n\u00f6tige Lebensmittelreserven entziehen w\u00fcrden. Aber dazu kann ich mit meinen geringen Kenntnissen kein Urteil f\u00e4llen.<\/p>\n<p>Drittens: Ein letzter Punkt &#8211; und der betrifft nicht nur unsere Landwirte, sondern uns alle: Es ist nicht in Ordnung, wenn wir uns einbilden, durch Biogas alle Energieprobleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Wir leben auf einem Planeten auf dem die Ressourcen geringer werden und die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst. Wir werden in vielen Bereichen lernen m\u00fcssen, sparsamer zu sein. Energiereserven zu schonen und uns mit weniger begn\u00fcgen m\u00fcssen.<br \/>\n\u201eUnd Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.\u201d &#8211; Bebauen und bewahren , dazu brauchen wir in Zukunft viele gute Ideen. Die Nutzung von Biogas kann da ein kleiner Baustein sein, einer von vielen.\u00a0 Denn keiner will einmal in unserer hochtechnisierten und von Kapital strotzenden\u00a0 Welt angesichts vernichteter Sch\u00f6pfung und zerst\u00f6rter Lebensgrundlagen wie Esau dastehen und sagen: \u201eWas n\u00fctzt mir mein Vorrecht als Erbe dieser Welt, wenn ich am Verhungern bin?\u201d<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIst es in Ordnung, wenn wir Mais und Weizen in eine Biogasanlage sch\u00fctten, w\u00e4hrend anderswo Menschen hungern?\u201d Dieser Frage aus unserer \u201cPfarrer sag mal&#8230;\u201d-Aktion geht diese Predigt nach. 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