{"id":1142,"date":"2012-10-28T21:27:05","date_gmt":"2012-10-28T20:27:05","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1142"},"modified":"2021-10-11T12:01:44","modified_gmt":"2021-10-11T10:01:44","slug":"predigt-jeremias-strategiepapier-jer-291-14-28-oktober-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1142","title":{"rendered":"Predigt: Jeremias Strategiepapier (Jer 29,1-14) 28. Oktober 2012"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background:linear-gradient(135deg,rgb(184,170,137) 0%,rgb(169,184,195) 100%)\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" data-attachment-id=\"1143\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1143\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jeremia_strategie.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"300,225\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"jeremia_strategie\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jeremia_strategie.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jeremia_strategie.jpg?resize=300%2C225&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-1143\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jeremia_strategie.jpg?w=300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jeremia_strategie.jpg?resize=150%2C113&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/jeremia_strategie.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">Jeremia 29, 1-14<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Suchet der Stadt Bestes&#8220; &#8211; Jeremia 29 ist mehr als nur ein Brief. Interpretieren wir es doch einmal als Strategiepaper f\u00fcrs \u00dcberleben in dauerhaft belastenden Lebenssituationen<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em><strong>Predigttext Jeremia 29, 1-14<\/strong><\/em><br \/>Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der \u00c4ltesten, die weggef\u00fchrt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggef\u00fchrt hatte<br \/>4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggef\u00fchrten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegf\u00fchren lassen:<br \/>5 Baut H\u00e4user und wohnt darin; pflanzt G\u00e4rten und esst ihre Fr\u00fcchte;<br \/>6 nehmt euch Frauen und zeugt S\u00f6hne und T\u00f6chter, nehmt f\u00fcr eure S\u00f6hne Frauen und gebt eure T\u00f6chter M\u00e4nnern, dass sie S\u00f6hne und T\u00f6chter geb\u00e4ren; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet.<!--more--><\/p>\n<p>7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegf\u00fchren lassen, und betet f\u00fcr sie zum HERRN; denn wenn&#8217;s ihr wohlgeht, so geht&#8217;s auch euch wohl.<br \/>10 Denn so spricht der HERR: Wenn f\u00fcr Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gn\u00e4diges Wort an euch erf\u00fcllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.<br \/>11 Denn ich wei\u00df wohl, was ich f\u00fcr Gedanken \u00fcber euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.<br \/>12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erh\u00f6ren.<br \/>13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,<br \/>14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen V\u00f6lkern und von allen Orten, wohin ich euch versto\u00dfen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegf\u00fchren lassen. (Jeremia 29,1.4-7.10-14)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ein Brief ist das, was wir da eben geh\u00f6rt haben. Der Prophet Jeremia hat ihn irgendwann nach dem Jahr 598 vor Christus geschrieben. Adressiert an die Menschen, die bei der Eroberung Jerusalems sozusagen als Kriegsgefangene bis nach Babylon verschleppt worden waren. Mehrere tausend Menschen waren das gewesen. Nicht einfache Soldaten &#8211; man hat die f\u00e4higen, die gebildeten und die m\u00e4chtigen Menschen weggebracht. So wollte man die st\u00f6rrische Stadt Jerusalem in den Griff bekommen.<br \/>Nun wohnten diese Verschleppten tausende von Kilometern fern der Heimat. In eigens angelegten Siedlungen. Es ging ihnen nicht direkt schlecht. Sie wurden nicht misshandelt &#8211; aber waren halt woanders, in einer fremden Welt, mit fremder Sprache, anderer Kultur, einem anderen politischen und religi\u00f6sen System. Als Kriegsverlierer. \u00dcberhaupt als die Verlierer &#8211; das Opfer vom Dienst. Sie sitzen in Babylon fest, und haben keine Ahnung wie es weitergehen wird. Ob sie in absehbarer Zeit, oder langfristig, oder nie wieder ihre Heimat sehen werden.<\/p>\n<p>Und denen schreibt der Prophet Jeremia einen Brief. Mit einem Gru\u00df von Gott. Im wahrsten Sinn des Wortes: Das, was er schreibt ist ja das, was Gott diesen Leuten zu sagen hat.<br \/>Das Au\u00dfergew\u00f6hnliche dieses Briefes ist, dass er so konkret ist! Es kommt mir so vor, als w\u00e4re das ein Strategiepapier mit klaren Anweisungen, wie die Leser mit dieser ausgesprochen schwierigen Situation umgehen sollen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich als Pfarrer ist das jetzt in bisschen ungewohnt. Da wir ja h\u00e4ufiger allgemeine Formulierungen unserer Bibel auf der Kanzel ins konkrete Leben \u00fcbertragen wollen. Und jetzt ist das ja alles schon ganz konkret! &#8211; Zumindest f\u00fcr Leute die sich in so einer hoffnungslos-kniffligen Situation der Gefangenschaft befinden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Liebe Wilhelmsdorfer\/ Brunner, solche Situationen gibt es \u00f6fter, als wir es gerne h\u00e4tten. Nat\u00fcrlich lebt keiner von uns im Exil in Babylon. Aber wir haben oft genug verfahrene Situationen, in denen wir gefangen sind, aus denen wir nicht schnell mal so entfliehen k\u00f6nnen. Systeme, in denen wir stecken, unter denen wir leiden, aber gegen die wir momentan kein Mittel haben.<br \/>Ich \u00fcberlege mir, ob diese von B\u00f6rsen- und Marktinteressen dominierte Welt, in der Politiker manchmal nur noch Statisten sind, allenfalls gut, um bei Bedarf Rettungsschirme aufzuspannen, ob das nicht auch ein System ist, in dem ich ein Gefangener bin, ohne Chance zu entkommen.<br \/>F\u00fcr jemand anderes ist es vielleicht die eigene Familie, wo sie merkt, dass alles eigentlich schon lange nicht mehr stimmt, aber sie kann da auch nicht raus. Weil sie sp\u00fcrt, dass sie auch Verantwortung hat, f\u00fcr die Kinder, die kranken Eltern, f\u00fcr das nicht abbezahlte Haus. Gefangen in einem System, unter dem man leidet.<br \/>Auch im Beruf gibt es solche Exils-Situationen. Du wei\u00dft, da musst du durch, das musst du aushalten, denn f\u00fcr deinen Beruf gibt es hier weit und breit keine echte Alternative. Sie merken: Diese Liste ist beliebig verl\u00e4ngerbar: Spannungen mit Schwiegereltern oder umgekehrt dem Partner der eigenen Kinder. Die Dramen, die eine Alkoholabh\u00e4ngigkeit hervorrufen kann, oder der Kampf mit einer chronischen oder unheilbaren Krankheit.<br \/>Gefangenschaften allenthalben, unter denen wir Leiden ohne oft viel ausrichten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und ich m\u00f6chte versuchen, die konkreten Weisungen unseres Predigttextes einmal als programmatische Regeln zu formulieren. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck &#8211; und Sie und ich m\u00fcssen sehen, ob sie uns vielleicht wirklich weiterhelfen k\u00f6nnen. Oder ob Sie selbst merken, dass die Situation, die Sie in Kopf haben, so geartet ist, dass diese Regel bestimmt nichts hilft, dann legen Sie diesen Gedanken einfach beiseite.<\/p>\n<p><b><i>Satz 1: Richte dich f\u00fcr l\u00e4nger ein<\/i><\/b><\/p>\n<p>Gott sagt durch Jeremia: \u201eWenn f\u00fcr Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gn\u00e4diges Wort an euch erf\u00fcllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.\u201d<br \/>Das hei\u00dft f\u00fcr das Volk im Exil: Richtet euch darauf ein, dass sich eure Situation erst in 70 Jahren ver\u00e4ndern wird. Es ist ern\u00fcchternd und entt\u00e4uschend, wenn man erkennen muss: Dein Problem ist so komplex, das l\u00e4sst sich nicht einfach so l\u00f6sen. Es braucht l\u00e4nger, oder vielleicht wird es dich dein Leben lang begleiten. Wenn es so ist, ist das ein schrecklicher Schlag in die seelische Magengrube und man sp\u00fcrt, wie erst einmal alle bisherige Hoffnung einem verloren geht. Das ist schlimm!<br \/>Aber es gibt Situationen, da ist es eine Hilfe, wenn man Abschied von der Illusion nimmt, dass das alles gleich wieder gut wird. Und wenn man sich darauf einrichtet, mit dieser \u201eGefangenschaft\u201d leben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><b><i>Satz 2: Gib dich nicht auf<\/i><\/b><\/p>\n<p>\u201eBaut H\u00e4user und wohnt darin; pflanzt G\u00e4rten und esst ihre Fr\u00fcchte;\u00a0 nehmt euch Frauen und zeugt S\u00f6hne\u201d Obwohl die fehlende Aussicht auf Befreiung eigentlich die Zukunft in Frage stellt, sagt Gott: Vorw\u00e4rts!<br \/>Gib dich nicht auf. Lass dich nicht h\u00e4ngen.\u00a0 Auch wenn alles furchtbar ist: Du lebst, und Gott gibt dir eine Zukunft.<br \/>Obwohl es dir fraglich scheint, ob das alles \u00fcberhaupt noch einen Sinn hat: Sagt Gott: Auch wenn du da vorne lange kein Licht siehst &#8211; dein Tunnel ist keine Sackgasse. Gib dich nicht auf &#8211; Gott hat noch etwas mit dir vor.<\/p>\n<p><b><i>Satz 3: Suche das Beste f\u00fcr dein System<\/i><\/b><\/p>\n<p>\u201eSuchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegf\u00fchren lassen, und betet f\u00fcr sie zum HERRN; denn wenn&#8217;s ihr wohlgeht, so geht&#8217;s auch euch wohl.\u201d<br \/>Liebe Gemeinde, dieser Ratschlag kann einem fast zynisch vorkommen. Soll ich dieses Finanzsystem, diese Partnerschaft, dieses B\u00fcroklima unter dem ich leide auch noch unterst\u00fctzen? Soll ich f\u00fcr die giftspritzende Kollegin im B\u00fcro auch noch beten?<br \/>Ich sage ihnen ja nur, was da steht.<br \/>Und der gesunde Menschenverstand l\u00e4sst mich erahnen: Ich habe nichts davon, wenn ich das System, unter dem ich leide selber noch verschlimmere. Wenn ich das Klima verschlechtere, die Bedingungen des Miteinanders torpediere, werde ich nur selten dadurch etwas gewinnen.<br \/>Und von Ferne h\u00f6re ich das Echo unseres Wochenspruches: Lass dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde das B\u00f6se mit Gutem. (R\u00f6m 12, 21)<\/p>\n<p><b><i>Satz 4: Suche Gott &#8211; weil er sich finden lassen will<\/i><\/b><\/p>\n<p>Der letzte Ratschlag aus unserem Predigttext: \u201eUnd ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erh\u00f6ren. Ihr werdet mich suchen und finden.\u201d<br \/>Hilfe von Gott zu erhoffen &#8211; das kennen wir.<br \/>Wenn man aber lange vergeblich auf ein Wunder wartet &#8211; dann merkt man vielleicht irgendwann, dass man mehr und mehr dabei ist, Gott zu suchen. Weil man entdeckt hat, dass dieser Gott anders ist, als man es bisher in seinem Kopf zurechtgelegt hat. Dass die G\u00fcte Gottes etwas anderes ist, als einfache Wunscherf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Da steht: \u201ewenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen\u201d. Das ist doch eine sch\u00f6ne Verhei\u00dfung. Dann doch ihn zu finden. M\u00f6glicherweise nicht als den Wunscherf\u00fcller-Gott. Aber ihn als den Gott zu finden und zu entdecken, der mir Kraft gibt f\u00fcr mein Leben. Und Mut, jeden Tag neu als Herausforderung anzugehen. Das ist dann schon eines der wirklich wertvollen Wunder unseres Gottes.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>das waren sie schon &#8211; meine vier konkreten S\u00e4tze aus dem Strategie-Papier des Propheten Jeremia.<br \/>&#8211; Richte dich f\u00fcr l\u00e4nger ein<br \/>&#8211; Gib dich nicht auf<br \/>&#8211; Suche das Beste f\u00fcr dein System, und<br \/>&#8211; Suche Gott &#8211; weil er sich finden lassen will<\/p>\n<p>Vielleicht hilft es ihnen ein wenig weiter.<br \/>Oder sie gehen heim und sagen sich: \u201eDie Predigt h\u00e4tte ich mir sparen k\u00f6nnen. Die ganzen Ideen brauche ich allesamt nicht\u201d. Dann freut es mich! Denn dann ist es doch wunderbar, dass es Ihnen gut geht, und es keinen Bereich im Leben gibt, unter dem Sie zu sehr zu leiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Suchet der Stadt Bestes&#8220; &#8211; Jeremia 29 ist mehr als nur ein Brief. 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