{"id":1135,"date":"2012-11-11T22:33:35","date_gmt":"2012-11-11T20:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1135"},"modified":"2014-05-13T22:39:11","modified_gmt":"2014-05-13T20:39:11","slug":"predigt-st-martin-in-scheiben-11-november-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1135","title":{"rendered":"Predigt: St. Martin in Scheiben, 11. November 2012"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1136\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1136\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg?fit=250%2C509&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"250,509\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"stmartin\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg?fit=250%2C509&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1136\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin-147x300.jpg?resize=147%2C300\" alt=\"stmartin\" width=\"147\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg?resize=147%2C300&amp;ssl=1 147w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg?resize=74%2C150&amp;ssl=1 74w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg?resize=73%2C150&amp;ssl=1 73w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stmartin.jpg?w=250&amp;ssl=1 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 147px) 100vw, 147px\" \/><\/a>Predigt zur Lebensgeschichte des St. Martin von Tour &#8211; Ein Leben, von dem man sich die eine oder andere Scheibe abschneiden kann<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>St. Martin, das ist doch der mir der Laterne, dem zerteilten Mantel und der Martinsgans. Das ist so unsere Grundausstattung an Informationen, wenn es um diesen bedeutenden Bischof der franz\u00f6sischen Stadt Tours geht.<\/p>\n<p>Wenn wir eine Reise in seine Welt unternehmen wollen, m\u00fcssen wir weit zur\u00fcck: Wahrscheinlich bis in die Zeit um 320 nach Christus zur\u00fcck, und geografisch nicht nach Frankreich, sondern nach Italien in die N\u00e4he von Mailand. Dort ist der junge Martin aufgewachsen, als Sohn eines hohen Offiziers der r\u00f6mischen Armee. Also finanziell und gesellschaftlich ganz gut gestellt, und wahrscheinlich auch mit einer soliden Schulbildung.<br \/>\nWir sprechen von einer geschichtlich spannenden Phase, denn in diesen Jahren endete die Zeit der blutigen Christenverfolgungen. Mehr und mehr wurde das Christentum zur anerkannten Religion und bekam sogar politische Bedeutung.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Wie Martin mit dem christlichen Glauben in Ber\u00fchrung kam, kann man nur vermuten &#8211; vielleicht \u00fcber einen befreundeten Soldaten &#8211; denn als Martin sich taufen lie\u00df, also Christ wurde, war er bereits erwachsen und selbst wie sein Vater ein Soldat mit besten Karriereaussichten. Zu jener Zeit musste man sich mindestens 1 Jahr vor seiner Taufe zur Taufe anmelden und durchlief dann eine christliche Grundausbildung. &#8211; So ein bisschen erinnert das an den Pr\u00e4paranden- und Konfirmandenkurs. Und w\u00e4hrend dieser Zeit ereignete sich dieser Zwischenfall, der Martin weltber\u00fchmt machen sollte:<br \/>\nAm Tor der franz\u00f6sischen Stadt Amiens, in der er stationiert war, hatte er einen frierenden halbnackten Bettler die H\u00e4lfte seines Soldaten -Mantels geschenkt. Alte Geschichtsschreiber erz\u00e4hlen davon, dass er sich in diesem Moment zu Gesp\u00f6tt der Leute machte; sie am\u00fcsierten sich \u00fcber diesen trotteligen Soldaten, der jetzt mit seiner H\u00e4lfte selber frieren musste. Noch dazu kam \u00c4rger mit seinem Vorgesetzten: Denn Martin hatte mit dem Mantel Milit\u00e4reigentum besch\u00e4digt und wurde daf\u00fcr gema\u00dfregelt. Manche Quellen schreiben sogar von einigen Tagen Arrest.<br \/>\nIn der darauffolgenden Nacht ist diesem Martin im Schlaf dann Jesus Christus erschienen: Und der hatte den halbierten Mantel in der Hand. Jesus forderte ihn auf, das Mantelst\u00fcck genau anzusehen, und sagte dann: \u201eMartinus, obwohl er selbst nur Tauf-Bewerber war, hat mich mit diesem Mantel bekleidet.\u201d<\/p>\n<p>Und sofort f\u00e4llt uns ein, was wir vorhin in der Evangelienlesung geh\u00f6rt haben:<br \/>\nDass wir da, wo wir einem Armen, einem Kranken, einem Gefangenen etwas Gutes tun, letztlich Jesus etwas gutes Tun: Jesus als der, der uns in demjenigen begegnet, der unsere Hilfe braucht.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter lie\u00df sich Martin taufen und war damit offiziell Christ. Und weil man inzwischen auch Christen in der Armee akzeptierte, war Martins Bekehrung zum Christentum dienstlich eigentlich kein echtes Problem. Aber f\u00fcr ihn als Christ war es schwierig: Denn \u201eSoldat sein\u201d, bedeutete im r\u00f6mischen Reich mehr als nur Wache schieben: Kriege gegen die Germanen f\u00fchren, Strafexpeditionen, verbunden mit blutigem, grausamen Gemetzel, Pl\u00fcnderungen der Besiegten. So quittierte er den Dienst, und kehrte nach Italien zur\u00fcck, um auch seine Eltern f\u00fcr den Glauben zu gewinnen. Seine Mutter lie\u00df sich tats\u00e4chlich auch taufen, bei seinem Vater biss er auf Granit.<\/p>\n<p>Martin entschied sich f\u00fcr ein Leben als M\u00f6nch und pflegte einen Lebensstil, in dem er sich wirklich nur das Allernotwendigste g\u00f6nnte. Auf der anderen Seite engagierte er sich f\u00fcr die Armen und Bed\u00fcrftigen. Sie zu versorgen, ihnen Hilfe zum Leben zu geben, darauf verwendete er seine ganze Kraft.<br \/>\nSein Lebenwandel beeindruckte viele Menschen; andere waren eher verst\u00f6rt davon, wie ein einst strahlender Soldat sich selber so vernachl\u00e4ssigen kann. Und immer wieder kann man von wundersamen Ereignissen lesen, von Heilungen, die Martin durch Gebete bewirkt hat; oder von einem R\u00e4uber, der ihn \u00fcberfallen und als Geisel verschleppt hat, der aber letztlich von Martin so beeindruckt war, dass er ihn wieder frei lie\u00df.<br \/>\nSein Weg f\u00fchrte ihn wieder nach Frankreich, also Gallien. Er lebte auch dort als M\u00f6nch und Priester, gr\u00fcndete einige Kl\u00f6ster. Da dauerte es nicht lange, bis man ihn zum 372 Bischof in Tours ernannte.<\/p>\n<p>Damit kommen wir zur zweitbekanntesten Martins-Geschichte. Sie berichtet davon, dass Martin erfahren hatte, dass man ihn zum Bischof berufen wollte. Aber er wollte das gar nicht und versteckte sich in einem G\u00e4nsestall &#8211; aber die aufgescheuchten Viecher h\u00e4tten Martins Aufenthaltsort dann doch verraten.<br \/>\nAber diese Legende ist h\u00f6chstwahrscheinlich sehr sp\u00e4t entstanden, um den Bezug zum G\u00e4nseessen herzustellen. Was aber doch mit den historischen Dokumenten zusammenpasst: Martin wollte nicht Bischof werden!<br \/>\nUnd auch einige seiner Mitbr\u00fcder fanden es auch nicht passend, das so ein ungepflegter Kerl mit alten Kleidern und ungewaschenen Haaren Bischof werden solle. Dennoch wurde er es &#8211; aber ganz anders als sein Vorg\u00e4nger. Es bezog keinen gepflegten Bischofssitz, sondern baute sich an der Au\u00dfenmauer der Kathedrale eine kleine M\u00f6nchszelle, in der er lebte. Und als ihm der Trubel um seine Person zu gro\u00df war, zog er hinaus zwei Kilometer vor die Tore der Stadt und baute sich dort eine kleine H\u00fctte.<\/p>\n<p>25 Jahre lang war er Bischof von Tours. Ein sehr bescheiden lebender M\u00f6nch, aber zugleich ein profilierter Christ und Kirchenmann, der sich auch nicht davor scheute, in einigen Konfliktf\u00e4llen dem r\u00f6mischen Kaiser gegen\u00fcber seine Sicht der Dinge geltend zu machen.<br \/>\nEr war offenbar eine beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit, fromm und sozial. Und um seine Biographie herum lagern sich hunderte von Legenden, \u00fcber deren historischen Wert man durchaus Zweifel hegen darf.<br \/>\nAm 8. November 397 ist Martin von Tours auf einer Reise\u00a0 zu einer Gemeinde seines Bistums gestorben. Drei Tage sp\u00e4ter, am 11. November,\u00a0 wurde er in Tours beigesetzt: Darum ist heute sein Gedenktag.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\neigentlich habens wir Evangelische ja gar nicht so mit den Heiligen. Und doch ist uns dieser Sankt Martin gescheit ans Herz gewachsen. Mantel-teilen, das kann man prima mit den Kindern nachspielen &#8211; aber dann ist es auch schon erledigt.<\/p>\n<p>Denn je l\u00e4nger man auf jemanden wie ihn schaut, umso eher kommt da ein ungenehmes Gef\u00fchl auf: Weil ich merke, wie da seine und unsere Welt auseinanderklafft. Wie so oft, wenn wir sehen, wie einzelne Personen ganz entschieden und mit allen Konsequenzen ihren Weg des Glaubens gehen.<br \/>\nMartin hat eine gl\u00e4nzende Karriere als Tribun im r\u00f6mischen Reich aufgegeben. F\u00fcr die anderen da sein, sein eigenes Wohlergehen hintenanstellen. Sich kein bisschen Komfort g\u00f6nnen, weil man sich bewusst ist: Alles was ich mir Gutes g\u00f6nne, enthalte ich dem anderen vor, weil ich es ihm ja auch geben k\u00f6nnte. Solange ich wei\u00df, dass ein anderer nicht gen\u00fcgend Brot hat, kann ich nicht guten Gewissens einen Kuchen essen.<br \/>\nEigentlich hat er recht, dieser Martin. Aber wir sp\u00fcren auch, dass\u00a0 uns dieser Anspruch auf das eigene Leben oft \u00fcberfordert. Da ist es nur verst\u00e4ndlich, dass Leute, die so etwas hinbekommen, eine so enorme Ausstrahlung entwickelt haben auf tausende von Menschen &#8230; und das auch noch \u00fcber Jahrhunderte hinweg. &#8230; \u201eHeilige\u201d eben.<\/p>\n<p>Liebe Wilhelmsdorfer und Brunner,<\/p>\n<p>gerade weil das Gesamt-Paket \u201eSt. Martin\u201d uns \u00fcberfordert, habe ich mir ein paar Scheiben \u00fcberlegt, was ich mir von Sankt Martin abschneiden k\u00f6nnte:<\/p>\n<p><b><i>Erste Scheibe: Lerne von Sankt Martin, dass das Leben als Christ immer auch Konsequenzen f\u00fcr dein Leben hat.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Wir als Evangelische haben gelernt, dass unser der Glaube rettet, nicht unsere guten Taten. Und so \u00fcbersehen wir leicht, dass uns das Evangelium Jesu nat\u00fcrlich auffordert, immer wieder unser Leben, unser Reden, unser Handeln zu \u00fcberdenken. Martin erinnert mich daran mal wieder darauf zu schauen, ob mein Leben, mein Lebensstil dem entspricht, was Jesus uns vorgelebt hat, was Gott von uns fordert. Oder ob ich mir inzwischen sehr gem\u00fctlich und sehr einfach gemacht habe. Weil ja \u201edie Diakonie\u201d und \u201eder Staat\u201d f\u00fcr die Bed\u00fcrftigen zust\u00e4ndig sind &#8211; und in Sachen Lebensf\u00fchrung \u201edie Anderen\u201d sowieso viel schlimmer sind.<\/p>\n<p><b><i>Zweite Scheibe: Keine Angst vor der Blamage!<\/i><\/b><\/p>\n<p>Es wird erz\u00e4hlt, dass einige Leute sich \u00fcber Martins Mantelteilung lustig gemacht haben. Die haben ihn ausgelacht. Und auch heute riskiert man als Christ, dass man bel\u00e4chelt wird, wenn man zu seinem Glauben steht. Martin erinnert mich: Wenn du wei\u00dft, dass du das richtige tust oder sagst, dann mach\u0301s und habe keine Angst dich zu blamieren!<\/p>\n<p><b><i>Dritte Scheibe: Lerne von Sankt Martin, von Gott zu erwarten, dass er dir weiterhilft.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Von Martin ist zu lesen, dass wer immer wieder mutige Entscheidungen getroffen hat. Und es gibt viele \u00dcberlieferungen von Wundern, die geschehen sein sollen. Auch wenn da viele Legenden dabei sein werden; er hat sich offenbar nicht gescheut, in verzweifelten Situationen Gott um Hilfe anzuflehen.<br \/>\nVielleicht oft auch ohne Erfolg, aber so manches Mal, hat sich tats\u00e4chlich etwas getan, was man als Wunder Gottes deuten kann. Und diese Erz\u00e4hlungen ber\u00fchren viele Menschen bis heute.<br \/>\nDiese Strategie hat etwas f\u00fcr sich: Habe keine Scheu, von Gott auch einmal scheinbar Unm\u00f6gliches zu erbitten &#8211; wenn es f\u00fcr dein Leben wichtig ist. Das unsere Welt immer technik-gl\u00e4ubiger geworden ist, bedeutet ja nicht, dass Gott aufgeh\u00f6rt h\u00e4tte, in dieser Welt wirksam zu sein.<\/p>\n<p><b><i>Vierte Scheibe: Vergiss Sankt Martin &#8211; was z\u00e4hlt, bist du<\/i><\/b><\/p>\n<p>Was meine ich mit diesem Satz?<br \/>\nDie Verehrung von St. Martin hat ja schon zu seinen Lebzeiten begonnen. Und irgendwann lange nach seinem Tod tauchte der halbierte Mantel auf, allerlei Gegenst\u00e4nde, im Saarland gibts sogar einen Unterarmknochen, der von ihm stammen soll. Schon verr\u00fcckt. Es waren interessanterweise die Hugenotten, die 1562 in Tours fast alle Reliquien, die es von Martin gab, verbrannt haben. Kulturgeschichtlich ein Verbrechen &#8211; aber vom Glauben her v\u00f6llig konsequent: Eine Verehrung eines Heiligen hilft uns gar nichts, wenn wir nicht selbst uns davon inspirieren lassen.<\/p>\n<p>Darum: Vergiss Sankt Martin &#8211; was z\u00e4hlt, bist du, und was du aus seinem Vorbild f\u00fcr dein Leben und deinen Glauben machst.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zur Lebensgeschichte des St. Martin von Tour &#8211; Ein Leben, von dem man sich die eine oder andere Scheibe abschneiden kann Liebe Gemeinde, St. Martin, das ist doch der mir der Laterne, dem zerteilten Mantel und der Martinsgans. Das ist so unsere Grundausstattung an Informationen, wenn es um diesen\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1135\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: St. Martin in Scheiben, 11. 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