{"id":1085,"date":"2013-03-28T10:24:55","date_gmt":"2013-03-28T08:24:55","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1085"},"modified":"2016-03-23T12:14:29","modified_gmt":"2016-03-23T11:14:29","slug":"predigt-bin-ichs-die-sache-mit-dem-verrat-mk-14-17-23-28-maerz-2013-gruendonnerstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1085","title":{"rendered":"Predigt: Bin ichs? Die Sache mit dem Verrat (Mk 14, 17-23) 28. M\u00e4rz 2013, Gr\u00fcndonnerstag"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Bin ichs?&#8220; fragen die J\u00fcnger beim letzen Abendmahl, als Jesus <a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/gruendonnerstag13_judas.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1086\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=1086\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/gruendonnerstag13_judas.jpg?fit=314%2C235&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"314,235\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"gruendonnerstag13_judas\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/gruendonnerstag13_judas.jpg?fit=314%2C235&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-1086\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/gruendonnerstag13_judas-300x224.jpg?resize=300%2C224\" alt=\"gruendonnerstag13_judas\" width=\"300\" height=\"224\" \/><\/a>vom verrat spricht. Diese Predigt wirft auch ein Blick in den Film &#8222;Der neunte Tag&#8220; von Volker Schl\u00f6ndorff. Darin diskutiert es Priester mit einem Gestapo-Chef um den Wert des Verrats.<span style=\"font-size: xx-small;\"><br \/>\n<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nder Verrat des Judas ist ein zentrales Element des Berichts vom letzten Abendmahl Jesu und von seiner Gefangennahme. Und sofort erscheint uns traditionell das Tun des Judas als verwerflich, schlie\u00dflich ist er damit der Ausl\u00f6ser des Leidens und Sterbens Jesu. Zumindest auf diesen ersten Blick ist es klar, dass der Verrat durch Judas eindeutig zu verurteilen ist. Ich m\u00f6chte ihnen eine Szene aus dem Film \u201eder neunte Tag\u201d zeigen.<br \/>\nEr spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Hauptperson ist der katholische Priester Henry Kremer. Er hatte im von Deutschland besetzen Luxemburg gegen die Nationalsozialisten Widerstand geleistet und war deshalb ins Konzentrationslager Dachau gekommen.\u00a0 Nun erh\u00e4lt er 9 Tage \u201eHeimaturlaub\u201d von der dortigen H\u00f6lle und einen Auftrag: Er soll den Bischof von Luxemburg dazu bewegen, sich \u00f6ffentlich auf die Seite der Nationalsozialisten zu stellen und mit diesen zusammenzuarbeiten. Wenn ihm das gelingt, m\u00fcsste er nicht mehr ins Konzentrationslager zur\u00fcck.\u00a0 Auch die Familien seiner Geschwister w\u00fcrden nicht mehr von den Nazis geg\u00e4ngelt. Wenn er es nicht schaffen sollte, dass der Bischof die Nationalsozialisten unterst\u00fctzt, w\u00fcrde man ihn in ein Lager im Osten schicken.<!--more--><\/p>\n<p>Der Priester ist innerlich zerrissen. Er ist ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus &#8211; und zugleich plagen ihn die furchbaren Bilder aus den Monaten in Dachau, und seine Verantwortung gegen\u00fcber seiner Familie, vor allem gegen\u00fcber seiner schwangeren Schwester. T\u00e4glich muss er beim Luxemburger Gestapo-Chef Gebhardt antreten, der ihn davon \u00fcberzeugen will, genau das zu tun &#8211; was der Priester Henry Kremer nicht mit seinem Gewissen und seinen \u00dcberzeugungen vereinbaren kann: Den Luxemburger Bischof zur Kooperation mit den Nazis zu \u00fcberreden.<\/p>\n<p>Ich zeige ihnen eine Szene daraus. Eines der Gespr\u00e4che zwischen dem Priester Henry Kremer und dem Gestapo-Chef. Es geht um die Frage, ob Kremer bereit ist, zum Verr\u00e4ter, zum Judas zu werden.<\/p>\n<p><i>(Film 0:49:50- 0:53:42)<\/i><\/p>\n<p>Wichtige Aussagen des Gestapo-Chefs in der Szene:<br \/>\nIch aber behaupte: Judas war fromm. Vielleicht der Fr\u00f6mmste, den es je gegeben hat. Klar, er war ein Idealist, so etwas wie ein j\u00fcdischer Nationalrevolution\u00e4r. Mit Jesu\u2018 Hilfe plante er den gro\u00dfen Umsturz gegen die K\u00f6nige, gegen die Reichen, gegen die Hohepriester(&#8230;)<br \/>\nJudas war ein Tatmensch. Er wollte etwas bewirken. Er sah in Jesus seinen weltlichen F\u00fchrer. Aber Gott gab ihm einen anderen Auftrag.Allein Judas war unter den J\u00fcngern stark genug, diesen Auftrag zu erf\u00fcllen. Ohne Judas keine Kreuzigung. Ohne Kreuzigung keine Erf\u00fcllung des g\u00f6ttlichen Willens. (&#8230;)<br \/>\nSie verstehen mich. Im Gegensatz zu Ihrem Bischof, der das Neue an unserer Sache noch nicht begriffen hat. Judas\u2019 Tun erlaubte die Erl\u00f6sung. Denken Sie dar\u00fcber nach. Es k\u00f6nnte eine gro\u00dfe spirituelle Erfahrung f\u00fcr Sie sein. F\u00fcr mich hat es sehr viel ver\u00e4ndert.<br \/>\nLiebe Gemeinde,<br \/>\ndie Botschaft des Gestapo-Mannes ist klar: Manchmal braucht es einen Verrat, und auch einen Verr\u00e4ter, um bestimmte Dinge zu bewegen und zu ver\u00e4ndern. Der Verr\u00e4ter, als derjenige, der auch Opfer auf sich nimmt, um Gro\u00dfes zu vollbringen. Auch wenn zun\u00e4chst das eigene Gewissen und m\u00f6glicherweise auch bisherige Weggef\u00e4hrten dabei auf der Strecke bleiben.<br \/>\nUnd mit einer gewissen Berechtigung bringt Gebhardt den J\u00fcnger Judas ins Gedanken-Spiel: Die Passionsgeschichte braucht einen Verr\u00e4ter, sonst gibt es keine Gefangennahme, keine Kreuzigung und keine Auferstehung.<br \/>\nDer Judas als ein notwendiges Puzzlest\u00fcck in Plan Gottes.<\/p>\n<p>So versteht sich der Gestapo-Chef Gebhardt selbst als Judas in einem positiven Sinn: Nur wer stark genug ist, so einen gro\u00dfen Verrat zu begehen, der wird auch etwas bewegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nvielleicht erschreckt Sie so eine Argumentation.<br \/>\nOder Sie sind \u00fcberrascht, dar\u00fcber, dass die \u00dcberlegungen zur Rolle des Judas ja eigentlich ziemlich schl\u00fcssig erscheinen.<br \/>\nOder Sie sind einfach davon angewidert, wie dieser Gestapo-Mann so ein grunds\u00e4tzlich verabscheuungsw\u00fcrdiges Tun zur Heldentat stilisiert.<br \/>\nUnser Gottesdienst w\u00e4re \u00fcberfrachtet, wenn ich versuchen w\u00fcrde, das hochkomplexe Thema des Verrats umfassend zu betrachten. Aber eines m\u00f6chte ich heute abend versuchen: Aus der Perspektive der J\u00fcnger, die beim letzten Abendmahl Jesu dabei waren, der Frage nach dem Verrat an Jesus nachzugehen.<\/p>\n<p>Lied 97 4-6 Holz auf Jesu Schulter<\/p>\n<p><b><i>Jeder hat das Potential zum Verr\u00e4ter<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\n<i>und als sie bei Tisch waren und a\u00dfen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten .\u00a0 Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich&#8217;s? <\/i><\/p>\n<p>So \u00fcberliefern die Evangelien die Szene des letzten Abendmahls. Einer nach dem anderen stellt sich diese Frage: Werde ich derjenige sein, der ihn verr\u00e4t, der Jesus in Stich l\u00e4sst? &#8211; Sie alle sind sich ihrer eigenen Loyalit\u00e4t Jesus gegen\u00fcber nicht hundertprozentig sicher. Jeder ahnt: Es k\u00f6nnte ein Moment kommen, in dem ich Jesus verrate.<br \/>\nDer eine mag an grausame Folter durch die Gegner Jesu denken, die ihn dazu bringt, Jesu Aufenthaltsort preiszugeben.<br \/>\nEin anderer vielleicht an eine Nachl\u00e4ssigkeit beim Gespr\u00e4ch mit Freunden.<br \/>\nEin dritter sp\u00fcrt vielleicht, dass er selber Zweifel hat, dass er zwischen seinem Rabbi Jesus und den entschieden auftretenden Vertretern der Priesterschaft hin-und-her-gerissen ist.<br \/>\nJeder der 12 J\u00fcnger fragt sich \u201ebin ich\u0301s?\u201d.<\/p>\n<p>Keiner wagt es, seine Hand f\u00fcr sich selbst ins Feuer zu legen. Auch von Petrus ist in diesem Moment nichts anderes zu h\u00f6ren. Und gerade er, der sonst gerne seine Treue Jesus gegen\u00fcber betont, wird in der kommenden Nacht selber erleben, wie es ist, dass man zum Verr\u00e4ter wird, wo man seine Zugeh\u00f6rigkeit zu Jesus verleugnet. Bis zum Hahnenschrei war er nur noch eine kurze Nacht.<\/p>\n<p>Unsere Bibel beschreibt den Verrat an Jesus nicht als Heldentat, sondern als tragisches menschliches Versagen. Als einen Fehler, der das ganze eigene Leben fraglich werden l\u00e4sst. Beim letzten Abendmahl sagt Jesus:\u00a0 weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es w\u00e4re f\u00fcr diesen Menschen besser, wenn er nie geboren w\u00e4re.<\/p>\n<p>An diesen Worten zerbricht die Theorie des Gestapo-Manns Gebhardt, der Judas zum Helden des Heilsplans Gottes machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><b><i>Der Plan, den wir nicht sehen k\u00f6nnen<\/i><\/b><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Wir als Menschen m\u00fcssen damit leben, dass wir nicht in Gottes Planungsb\u00fcro sitzen. Wir haben keine Einsicht, in die Wege, die er geht &#8211; und wir k\u00f6nnen ihm auch nicht vorschreiben, wie er es bittesch\u00f6n \u201egut\u201d zu machen hat. Das einzige, was wir haben, ist das Geschenk, dass wir im Nachhinein dem, was geschehen ist, einen Sinn ab-ringen k\u00f6nnen.\u00a0 Der Verrat des Judas, die Gefangennahme Jesu, sein Tod am Kreuz waren f\u00fcr die J\u00fcnger Jesu maximale Katastrophen. Da gabs keinen Plan zu erkennen, und keinen Lichtblick.<\/p>\n<p>Erst nach Ostern. Erst, als Jesus den J\u00fcngern auf dem Weg nach Emmaus erkl\u00e4rt hat, dass es so kommen musste, und es ihnen anhand der Worte ihrer Heiligen Schrift aufzeigte. Erst aus diesem R\u00fcckblick konnten sie zustimmen: Ja, es war schlimm, aber es war ein Plan Gottes, der uns eben nicht bekannt war.<\/p>\n<p>So mancher Mensch hat das \u00e4hnlich erlebt. Eine pers\u00f6nliche Katastrophe &#8211; ein Schicksalsschlag, der alles in Frage stellt und an dem es nichts Gutes zu erkennen gibt &#8211; nur Schlimmes. Man leidet daran, aber geht seinen Weg weiter, so gut es geht. Und irgendwann blickt man zur\u00fcck, und erkennt, dass dieser Weg doch ein guter Weg war, einer, dem man etwas Gutes abgewinnen kann, der an ein gutes Ziel gef\u00fchrt hat. Ein kleines pers\u00f6nliches Ostererlebnis: Der Moment, wo man anerkennt, dass das alles doch irgendwie einen sinnvollen Zusammenhang hat.<\/p>\n<p><b><i>In der Gemeinde ist es anders als in der Politik<\/i><\/b><\/p>\n<p>Ein letzter Gedanke, der aus dem Film heraus direkt in unsere Gegenwart ragt: Die Frage, ob nicht manchmal ein Verrat als Tat geboten ist, um ein Ziel zu erreichen. Damit wollte der Gestapo-Chef ja den Priester Henry Kremer k\u00f6dern.<\/p>\n<p>Ist Verrat manchmal eine gute Tat?<br \/>\nDabei hat er geschickt verschleiert, dass diese Frage davon abh\u00e4ngt, was oder wen man verr\u00e4t! Verrat ist ja das Ende der Treue, das Ende der Loyalit\u00e4t zu etwas.<\/p>\n<p>Wenn ein Sch\u00fcler nicht mehr mitmacht, wenn alle den Au\u00dfenseiter piesacken und mobben. Dann ist das ein Verrat an einem furchtbaren Spiel in der Klasse. Und kein vern\u00fcnftiger Mensch wird diesen Verrat verurteilen. Denn Mobbing und Ausgrenzung verdient keine Loyalit\u00e4t.<br \/>\nWo andere mich durch Geschenke versuchen, f\u00fcr ihre Sache gewinnen &#8211; verdient so etwas Loyalit\u00e4t?<br \/>\nWo ein guter Freund versucht, mich als falschen Zeugen f\u00fcr sein Alibi in einer Fahrerflucht zu gewinnen &#8211; hat er daf\u00fcr meine Loyalit\u00e4t verdient? Oder ist es nicht eher sein Opfer, das darauf angewiesen ist, dass ich Verrat an dieser scheinbaren Freundschaft begehe?<\/p>\n<p>Als Christen geh\u00f6ren wir nicht irgendeiner Gruppe.<br \/>\nWir geh\u00f6ren einem himmlischen Herrn &#8211; und ihm geh\u00f6rt unsere Treue und Loyalit\u00e4t.<br \/>\nDas ist der Ma\u00dfstab.\u00a0 Daran sollten wir unsere \u00dcberlegungen zum Verrat oder Nicht-verrat messen.<\/p>\n<p>Apropos Ma\u00dfstab:<br \/>\nIn der Politik hei\u00dft es: \u201eDer Verrat wird geliebt, aber der Verr\u00e4ter wird gehasst\u201d.<br \/>\nIm Glauben, mit uns Menschen, die nie \u00fcber alle Zweifel und Fehler erhaben sind &#8211; denken wir an Petrus und den Hahnenschrei &#8211; gilt es anders:<br \/>\nGott hasst die S\u00fcnde, aber er liebt den S\u00fcnder.<br \/>\nGott hasst den Verrat, aber er liebt uns auch wo wir Verr\u00e4ter sind.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bin ichs?&#8220; fragen die J\u00fcnger beim letzen Abendmahl, als Jesus vom verrat spricht. 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