Predigt: Gottes Wort kommt (Johannes 1, 1-5, 9-14) 25. Dezember 2002, Weihnachten

Liebe Gemeinde,

Menschen, die Briefe schreiben und solche, die Predigten formulieren haben öfter das Problem: „Wie fange ich nur an? Was ist der passende erste Satz?“.
Ich glaube, dass auch unsere vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes von ähnlichen Sorgen geplagt waren.
Wie war das wohl, als z. B. Johannes, wohl so ums Jahr 100 nach Jesu Geburt begonnen hat, sein Johannesevangelium niederzuschreiben? ich will weiterlesen

Predigt: Die Möglichkeiten hinterm eigenen Horizont (Johannes 5,1-16 ) 14. Oktober 2001

Unser Predigttext steht im Johannesevangelium im 5. Kapitel
1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
2 Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen;
3 in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte.
5 Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank.
6 Als Jesus den liegen sah und vernahm, daß er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?
7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.
8 Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!
9 Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber an dem Tag Sabbat.
10 Da sprachen die Juden zu dem, der gesund geworden war: Es ist heute Sabbat; du darfst dein Bett nicht tragen.
11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin!
12 Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und geh hin?
13 Der aber gesund geworden war, wußte nicht, wer es war; denn Jesus war entwichen, da so viel Volk an dem Ort war.
14 Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.
15 Der Mensch ging hin und berichtete den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.
16 Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte. ich will weiterlesen

Predigt: Jesus hinterlässt keine Waisenkinder (Johannes 14, 15-19 ) 27. Mai 2001

Liebe Gemeinde,

wir haben den Sonntag nach Himmelfahrt. Ich weiß nicht, wie es den Jüngern wenige Tage nach der Himmelfahrt Jesu gegangen ist. Ich kann es nur vermuten.
Sie haben einen Abschied der ganz seltsamen Art hinter sich. Jesus hat sich vor ihnen und von ihnen verabschiedet, und ist davongegangen, weg aus ihrer Welt, zurück zum Vater. Damit war er weg. Vor wenigen Wochen war da dieser erste Abschied bei der Kreuzigung. Nach Ostern waren sie froh, dass Jesus auferstanden war. – Und jetzt erneut ein Abschied.

Nur wenige von uns sind Freunde von Abschieden. Die Aussicht, dass jemand weggeht macht oft traurig. Da sucht man dann oft nach irgendwas, was den Abschied weniger einschneidend erscheinen lässt. Man sagt: „Ich besuche euch ja im nächsten Jahr wieder“. Oder man erinnert sich dessen dass wir ja in einer modernen Welt leben, im globalen Dorf: Da kann man sagen: „wir telefonieren mal wieder, ich bin ja nicht aus der Welt“. ich will weiterlesen

Predigt: Der Tag der letzten Mohikaner? (Johannes 17) Himelfahrt 2001, 24. Mai 2001

Liebe Gemeinde,

Himmelfahrt feiern wir heute. Himmelfahrt, irgendwie das Fest derer, die übriggeblieben sind.

Übriggeblieben sind die Jünger: Eine lange Zeit waren sie mit Jesus unterwegs, hatten ihn erlebt, hatten viel von ihm erfahren, und hatten sich auf ihn verlassen. Jetzt ist Jesus zurückgekehrt zu seinem Vater, zu Gott. Und sie sind die Übriggebliebenen; die jetzt erstmal nicht wissen, wie es weitergehen könnte – ohne ihren Lehrer.

Übriggeblieben sind auch wir. Die Christen, die diesen Tag als biblischen Feiertag verstehen und begehen und noch nicht ganz selbstverständlich vom „Vatertag“ reden. Vielen Leuten ist eben der Glaube ziemlich egal. Am Tagen wie heute wirds mal wieder deutlich – aber an sich ist das ein grundlegendes Problem.  An Tagen wie diesem könnte man sich wirklich fühlen wie der letzte christliche Mohikaner auf dem sinkenden Kirchenschiff.
Da passt es ja noch ganz gut, dass die Fränkische Landeszeitung gestern vom Besuch des Philosophen Schnädelbach an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau berichtet hat. Der Mann behauptet mit Überzeugung, dass das Christentum von Beginn an eine Handvoll Fehlentscheidungen gefällt hat – zum Beispiel dass wir Mission treiben oder dass wir uns als Sünder vor Gott verstehen – und diese Fehler werden dazu führen, dass das Christentum aussterben wird. ich will weiterlesen

Predigt: Weitersagen! (Johannes 17, 5-8 ) 8. April 2001

Liebe Gemeinde,

wir haben Palmsonntag. Die Evangelienlesung hat davon berichtet: Jesus geht nach Jerusalem hinein die Leute bejubelten ihn, aber er selbst hat sich nicht von der Begeisterung mitreißen lassen. Denn er wusste: eine Woche noch – dann kommt das Kreuz. Und die, die gerade noch mit Palmwedeln winkten, werden am Freitag “ kreuzigt ihn“ brüllen.
Jesus auf dem Weg zum Kreuz. Der Predigttext für den heutigen Sonntag gehört hier hinein. Es ist ein Gebet Jesu, das er kurz vor seiner Gefangennahme gesprochen hat. Die Jünger waren offensichtlich dabei, Jesus hat sie mithören lassen – das Gebet war für ihn etwas sehr persönliches, aber nichts geheimes. ich will weiterlesen

Predigt: Brot des Lebens und Sahneschnittchen (Johannes 6, 47-51) 25. März 2001

Liebe Gemeinde,

es war eine wunderschöne Hochzeit: eine schöne Braut, ein eleganter Bräutigam glückliche Eltern und Schwiegereltern. Der Gottesdienst war feierlich das Kaffeetrinken fröhlich, – keiner hatte über die Stränge geschlagen – jetzt kam der Höhepunkt des Abends: das Festbuffet! Die schmuckvoll hergerichteten Tische bogen sich förmlich unter den Köstlichkeiten:
Südtiroler Schinkenspeck, hauchdünn aufgeschnitten,
Räucherlachs (einer von der besseren Sorte),
Tomaten von den kanarischen Inseln mit kalt gepresstem Olivenöl beträufelt,
pikanter Käse in allen möglichen Variationen,
Hasenleber mit Zwiebelringen,
kalter Braten vom freilaufenden Charolais-Rind, und und und. – lecker!

Als das Buffet eröffnet wurde, stürmten die Gäste natürlich sofort zu den Tischen. Aber: dort sah man immer mehr irritierte Gesichter. Die Unruhe wurde immer größer, die Brauteltern, die das Buffet bestellt hatten, rutschten nervös auf ihren Plätzen hin und her. Gab es da ein Problem? Fehlt da was? Ja: sie hatten an alles gedacht, sogar an die Rüben für die Ovo-Lacto-Vegetarier über. Nur eines, daran hatten sie nicht gedacht: da war keine einzige Scheibe Brot!! ich will weiterlesen

Predigt: Wo hast denn des g´lernt? ( Johannes 8, 26-30) 11. März 2001

Liebe Gemeinde

„Wo hast denn des g´lernt?“ – Sie kennen den Satz?
„Wo hast denn des g´lernt?“ Das fragt die Mutter ihren Sohnemann, wenn er mal wieder irgendein neues Schimpfwort daherbringt.

„Wo hast denn des g´lernt?“ Das fragt der Meister seinen neuen Gesellen, der in der Backstube den Teig ganz anders zusammenrührt, als er das bisher gekannt hat.

„Wo hast denn des g´lernt?“, fragt der Englischlehrer den bisher miserablen Schüler, als er ihm die erste Probe nach den Ferien mit einer „eins“ zurückgibt.

„Wo hast denn des g´lernt?“ – Das frage ich mich immer wieder dann, wenn jemand etwas anderes sagt, oder anderes tut, als ich es eigentlich erwartet hätte.  Das kann mich interessieren, oder auch mal ins Schleudern bringen. Auf jeden Fall frage ich mich: Wie kommt er oder sie da drauf? Wo hat sie das her? ich will weiterlesen