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Predigt zur Taufe von Felix und Talina am 11. Februar 2007 “Gott hat deinen Namen aufgeschrieben”
Taufsprüche: Felix: Lk 10,20: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind Talina:
Ps 91,11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
Frau Meyer im Einwohnermeldeamt
Frau Meyer will rechtzeitig vor ihrem nächsten Urlaub ihren Personalausweis verlängern lassen; der ist nämlich schon seit 6 Monaten abgelaufen. Sie geht ins Rathaus und sucht die Einwohnermeldestelle auf.
Der nette Herr am Schalter nimmt den alten Ausweis entgegen und tippt auf der Tastatur seines Computers herum. Seine Stirn zieht sich in Falten: „Tut mir leid, sie sind hier nicht verzeichnet. Wir
haben keinen Eintrag unter ihrem Namen.” Er überprüft, ob irgendwo ein Tippfehler die Ursache ist ... aber es bleibt dabei: Frau Rosamunde Meyer ist nicht im Computer des Einwohnerverzeichnisses zu finden.
„Und was heißt das jetzt?” fragt sie den nun nicht mehr ganz so netten Beamten. „Naja ... das heißt ... sie sind eigentlich gar nicht existent ... tut mir leid!”
Frau Meyer fragt nach: „Dann tragen sie mich halt einfach ein ... in ihre komische Datenbank! Sie sehen ja, dass ich existiere!”
Verständnislos schüttelt der ältere Herr seinen Kopf und blickt streng ü
ber den Rand seiner Brille: „Ich kann doch nicht einfach so eine Person da eingeben! Da gibt es Vorschriften. Und außerdem weiß ich ja gar nicht, ob Ihre Angaben dann auch stimmen ....”
„Sie haben doch meinen Ausweis”, Frau Meyer gestikuliert heftig, aber erntet nur ein müdes Lächeln: „Aber der ist doch abgelaufen und damit ungültig.... Bedaure, sie werden sich damit abfinden mü
ssen, dass es sie eigentlich gar nicht gibt. - Der nächste bitte...”
Im Himmel wird Buch geführt
Liebe Gemeinde, liebe Tauffamilien, glücklich ist der Mensch, dessen Name überall dort auch gespeichert ist, wo er einmal mit Beamten und Behörden zu tun haben muss. Sonst muss er sich auf größ
ere Schwierigkeiten einstellen. Wie ist das eigentlich im Himmel? Wird da auch Buch geführt?
Ja, natürlich. Der Taufspruch von Felix Gall ist der beste Beweis: Lk 10,20: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind. Das sagt Jesus zu seinen Jü
ngern. Die kommen gerade ganz begeistert von einer Reise ohne ihn zurück und erzählen stolz, was sie alles erlebt haben, und was sie so alles zustande gebracht haben. Und da bremst er sie ein und sagt: Freut such
nicht über eure kurzfristigen Erfolge, freut euch lieber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.
Gott führt Buch über uns, sagt Jesus. Aber die Frage ist, was er da eigentlich aufschreibt? Ist Gott auch so einer, der wie ein Beamter überprüft, ob alles passt? Die Taufe rechtzeitig durchgefü
hrt, der Konfirmandenkurs sittsam besucht und sonstige Verpflichtungen korrekt erledigt? Ich glaube, Gott hat sich da ganz Anderes notiert. In den Psalmen finde ich da ganz erhellende Verse. Ich mö
chte sie in einer neueren Übersetzung vorlesen: (Psalm 139, V.13-16: aus „Hoffnung für alle”) Du hast mich geschaffen - meinen Kö
rper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast - das erkenne ich!
Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir
dennoch nicht verborgen. Als ich gerade erst Form annahm, hast du diesen Embryo schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben - noch bevor einer von ihnen begann!
Da lese ich von einem Gott, der schon vor meiner Geburt dabei ist, meinen Namen, und noch viel mehr aufzuschreiben.Was wird da stehen, in diesem Buch, das wir nicht zu Gesicht bekommen? Was wird auf Felix́
, was wird auf Talinas Seiten stehen? Welche Fähigkeiten und Talente hat Gott ihnen in die Wiege gelegt? Mit welchem Temperament, welchen Eigenarten, auch: Mit welchen Schwächen hat er sie ausgestattet?
So manches haben Sie als Eltern schon entdeckt. Es gibt bei so kleinen Kerlchen Zeiten, da überraschen sie ihre Eltern im Wochentakt mit neuen interessanten Facetten ihrer Persönlichkeit. Bei unseren Mä
dchen fand ich die Phase am beeindruckendsten, als ihr Wortschatz es ihnen erlaubte, über ihre eigenen Gedanken zu reden. Wo man aus den Worten herausspürt, dass da mit den dreieinhalb Jahren eine eigene, selbstä
ndige Person steht. Mit ihrer individuellen Gefühlswelt, ihren Ansätzen, sich ihre kleine Welt zu erklären.
Und sicher werden einige tolle Überraschungen in den nächsten Jahren auf sie warten. Da schwingt natürlich auch eine gewisse
Unsicherheit mit: Was wird die Zukunft bringen? Wir wissen ja, dass wir als Menschen nicht alles im Griff haben. Steht da, in diesem
Buch, wirklich jeder Tag drin? Ist da etwa auch manches Schlimme vorprogrammiert? Vielleicht sogar unausweichlich?
Gottes Liebe hat Priorität
Ich muss zugeben: Ich habe da keine Antwort ... außer dem, was die Bibel uns über Gott erzählt. Und da ist er uns nicht als Bürokrat
beschrieben, der unser Leben nach einem vorgefertigten Formblatt lenkt. Sondern er zeigt sich als derjenige, der es gut mit uns meint. So gut, wie es ein wunderschönes Bild im Psalm 91 beschreibt: Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich beh
üten auf allen deinen Wegen (Psalm 91,11). Dieser Taufspruch von Talina ist eine gute und wichtige Ergänzung zu dem, was Felix́ Taufspruch uns sagt.
Offenbar will Gott, dass wir uns nicht alleine durch unsere Welt bewegen müssen. Dass wir seine Nähe spüren, uns behütet wissen. Wobei das „behütet sein”, nicht die Abwesenheit von Problemen heißen muss.
Gerade im Blick auf unsere Kinder, könnte man abends den Eindruck haben, dass dann, wenn unsere Kinder im Bettchen liegen, so manche entnervte und erschöpfte Schutzengel froh sind, dass der Tag vorbei ist.
Ich bin froh, dass die Namen unserer Kinder bei Gott aufgeschrieben sind. Dass sie für ihr ganzes Leben einen haben, der weiß, dass es sie gibt und dem sie als Gotteskinder wichtig sind.
Sie als Eltern und als Paten haben die Chance und auch den Auftrag, ihren Kindern dieses Gefühl, das wir aus dem Glauben haben,
weiterzugeben.Die Gewissheit, dass unser himmlischer Vater es gut mit uns meint, dass er uns manchmal vor den Folgen der eigenen Fehler bewahrt, und uns beisteht, wo es schwierig wird.
Denn er ist einer, der nicht erst im Computer suchen muss, ob es uns gibt. Er kennt uns von klein auf als seine Kinder und liebt uns, weil er uns geschaffen hat, und wie er uns geschaffen hat.
Amen
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