Wenn da einer anfängt rumzudrucksen, dann ist schon klar: Der hat seinen Standpunkt noch nicht gefunden ... das ist problematisch, weil man nie weiß, woran man bei ihm ist.
Menschen brauchen Standpunkte. - Damit sie selber wissen, wo sie hingehören und andere wissen, woran sie bei ihnen sind.
Konfirmation fragt nach dem Standpunkt
Konfirmation hat auch etwas mit einer Standortbestimmung zu tun.
Nachher werdet ihr nämlich auch nach eurem Standpunkt gefragt; nach dem “Wo stehst du?”
“Wollt ihr euer Leben als Christen führen und zu dieser Gemeinde gehören?”, das ist die Frage, um die es heute geht.
Da ist euer Standpunkt gefragt. Und soweit ihr diese Frage mit ehrlichem Herzen mit “ja” beantwortet legt ihr euch da fest.
“Ich bin Christ” - das ist eine Positionsbestimmung. Und darum geht es heute.
Wo willst du hin?
Ich möchte noch einmal zurück zum Kompass.
Der Kompass hat ja nicht nur die Aufgabe festzulegen wo man gerade ist. Vor allem soll er mir ja helfen, den richtigen Weg zu meinem Ziel zu finden.
Und deshalb stellt er mir eine zweite Frage: “Wo willst du hin?” (Hier, auf der anderen Seite des Kompasses habe ich sie draufgedruckt.)
Im “normalen” Leben mit Kompass oder Navigationssystem ist diese Frage ziemlich einfach. Schließlich nehme ich das Gerät ja zur Hand, weil ich irgendwo hin will. Zum
Beispiel nach Heilsbronn in die Klostergasse, weil dort in einer Woche eine Fortbildung beginnt. Ich weiß, wohin
ich will - das ist ja klar.
Ganz anders sieht das aus, wenn ich diese Frage an meinen Lebensweg stelle: “Wo willst du hin?” Da merke ich, dass die Antwort gar nicht so einfach ist. Und das gilt nicht nur fü
r Konfirmanden; auch Erwachsene tun sich schwer zu sagen, was das Ziel in ihrem Leben ist.
Ja, man kann auch ohne Ziel unterwegs sein. Überhaupt kein Problem! Wir haben jede Menge Menschen auf diesem Planeten, die führen ihr Leben und haben ü
berhaupt keine Peilung, wohin die Reise gehen soll. Man lebt halt einfach so, und ist oft damit auch gar nicht so schlecht bedient. Ja, es fällt oft gar nicht auf.
- Ganz im Gegensatz zum Straßenverkehr. Wenn da einer ohne Ziel unterwegs ist, fällt das irgendwann auf: Spätestens wenn innerhalb von einer Stunde einer fü
nfmal an meinem Haus vorbei brettert frage ich mich “Hat der Kerl denn keinen Plan, wo er hin will? Hat der denn nichts Besseres zu tun als immer im Kreis zu fahren?”
Ein Ziel finden
Haben wir nichts Besseres zu tun, als unser Leben planlos in den Tag hinein zu leben?
Momentan läuft im Kino ein Film über Sophie Scholl. Eine junge Frau ... die hatte einen Standpunkt ... und die hatte ein Ziel. Sie wollte sich gegen
Endsieg-Wahnsinn der Nazis wehren und andere Menschen aufrütteln. Und davon hat sie keiner abbringen können. Für ihre Überzeugungen und Ziele
ist sie sogar mit ihrem Leben eingestanden. Und die Spuren, die ihr kurzes Leben hinterlassen hat, sind bis heute spürbar.
Ich weiß: So etwas kann man nicht nachmachen wollen.
Und ich weiß nicht, ob ich den gleichen Mut gehabt hätte, wie diese Sophie Scholl und ihre Mitstreiter. Aber ich spüre, wie mich so etwas beeindruckt:
Wenn jemand sein Ziel so fest im Auge hat und weiß, wofür und wo er steht.
Heute ist die Welt anders. Es gibt ganz andere Herausforderungen. Und die Ziele, die man sich als Mensch für sein Leben wählen kann sind endlos vielfältig.
- - Der eine will einmal richtig viel Geld haben.
- - Der Andere sehnt sich nach ein bisschen Berühmtheit, und wenn es nur 10 Minuten bei einer Talkshow sind.
- - Ein Leben in Gesundheit sucht ein Dritter.
- - Es soll auch Menschen geben, die haben den Himmel als Ziel ihres Daseins.
- - Einen verlässlichen Partner fürs Leben finden findet auch mancher wichtig.
- - Oder wieder Einer möchte am Ende seines Lebens einfach etwas zum Guten bewegt haben.
Ihr seht, es gibt viele verschiedene Ziele, und manche Menschen suchen sich sogar ein ganzes Bündel von Zielen aus. Ein großes und ein paar kleine dazu. Kurzfristige für die nä
chten 3 Jahre und langfristige fürs ganze Leben.
Das macht jeder anders - und manchmal verändern sich die Ziele auch im Laufe eines Lebens.
Was ich aber wichtig finde ist es, dass ihr für euch selbst Ziele bestimmt. Es ist schade, wenn man sein Leben ziel- und planlos dahinplätschern lässt.
Ein Ziel verfolgen
So, jetzt haben wir einen Standpunkt und ein Ziel. Bleibt die Frage, wie komme ich zuverlässig von A nach B? Der Kompass kann mir da helfen. Denn seine Nadel zeigt immer zuverlä
ssig nach Norden - auf diese Weise kann ich mich gut orientieren und komme mit Hilfe meiner Landkarte gut ans Ziel.
Das, was den Kompass ausmacht ist die magnetische Kompassnadel. Die lässt sich nicht beirren. Sie richtet sich immer nach Norden aus, egal was ich
mache, egal wo ich stehe und wie ich mich drehe. Der Kompassnadel kann ich viel erzählen, sagen, dass ich das aber anders sehe, und der Meinung bin, dass “da drüben” Norden ist. Nein, die Kompassnadel steht da dr
über - die lässt sich nicht beirren. Sie zeigt nach Norden, und dann muss ich gegebenenfalls einsehen dass ich auf dem falschen Weg bin. - Und den falschen Weg verlassen, weil ich sonst nicht ans Ziel komme.
Fast alles ist relativ
Ich habe den Eindruck, in unserer Welt ist vieles relativ geworden. Der eine sagt “so” ist es richtig, der andere meint genau das Gegenteil. So etwas
macht die Orientierung im Leben unheimlich schwierig. Und viele Menschen leiden auch darunter, dass sie nicht mehr wissen wo oben und unten, was richtig und falsch ist.
Gott ist nicht relativ
Was bin ich froh, dass es fürs Leben einen Kompass samt Landkarte geben kann. Für mich ist das Gott mit dem was von ihm in der Bibel steht.
Mir hat das oft geholfen - zu wissen welche Richtung im Leben die richtige ist, und welcher Weg falsch sein kann.
So einiges habt ihr in bei euren Eltern in Reli oder im Konfikurs gelernt.
Zum Beispiel haben wir uns im letzten Jahr durch die 10 Gebote geackert. Jedes einzelne der Gebote ist ja schon eine Kompassnadel für sich.
- ~ “Du sollst nicht falsch Zeugnis reden” sagt, dass die Lüge der falsche Weg ist
- ~ “Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus” weist darauf hin, dass man mit Neid und Missgunst nicht wirklich weiter
kommt
- ~ “Du sollst den Feiertag heiligen” signalisiert, dass es richtig ist, sich am Sonntag eine Auszeit zu nehmen und den Parkplatz anzusteuern
An so etwas kann ich mich orientieren - egal was andere sagen, oder was gerade mal wieder angesagt ist. Gottes Wort als Kompass, an dem ich ablesen kann, welcher Weg der richtige ist.
Umwege und Rückwege
Auf der Konfifreizeit haben wir die Geschichte vom verlorenen Sohn angeschaut. Das war einer, der hatte für ein paar Jahre den Kompass völlig
ignoriert .... und hat sich so richtig ins Schlamassel manövriert.
Erst dort hat er dann mal wieder den Kompass des Glaubens ausgepackt und den Weg zurück zu seinem Vater eingeschlagen. Die Geschichte ist ja gut ausgegangen, weil die Liebe des Vaters so enorm groß
war.
Ich denke, dass es jedem von euch einmal ähnlich gehen könnte. Dass man mal einen falschen Weg einschlägt, und man ohne Peilung und ohne Ziel irgendwo in der Wüste landet.
Wie gut, dass wir einen Gott haben, der kein Besserwisser und Oberlehrer ist, sondern der uns vor allem mit seiner großen Liebe anschaut. Darum freut
er sich wieder, wenn wir den Kompass des Glaubens hernehmen und wieder nach ihm fragen, und nachsehen, wie es weitergehen soll.
In einem alten Psalm heißt es am Ende: (Ps 139, 23-24)
“Erforsche mich, Gott und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle.
Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt.”
Ich finde, das ist ein tolles Motto für ein ganzes Menschenleben. Ich wünsche euch, dass ihr damit etwas anfangen könnt.
Amen.