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Predigt zur Taufe von Robin L. am Pfingstfest
Der Turbo für meinen Weg als Christ (Mt. 5,9)
8. Juni 2003 - Gollhofen
Pfr. Alexander Seidel
Liebe Familie L., liebe Paten und Familienangehörige, liebe Gemeinde,
"Selig sind die Friedfertigen, wenn sie werden Gottes Kinder heißen."
(Mt 5,9)- das verspricht Jesus in den Seligpresungen; und das ist auch Robins
Taufspruch.
DIE FRIEDFERTIGEN
Die Friedfertigen, die Friedens-Stifter, die hat man ganz gerne:
Denn die Friedfertigen sind es, die in einem Streit versuchen Ausgleich und
Gerechtigkeit zu schaffen. Sie wollen nicht, dass eine Seite über die
andere triumphiert. Sie möchten, dass beide Sichtweisen ernst genommen
werden, sie wollen nicht, dass der Stärkere den Schwächeren übervorteilt.
Sie haben keinen Spaß am Streit, an Verletzungen und Vorwürfen.
Der Friedfertige ist sogar bereit, sich selbst ein wenig zurückzunehmen,
und um des Friedens willen auch Nachteile in Kauf zu nehmen. Nicht der Sieg,
sondern das friedliche Miteinander ist sein Ziel.
Wenn das gelingt, dann freut sich der Friedensstifter. Dann entstehen Freundschaften
und Beziehungen, in denen die Menschen sich furchtlos und offen in die Augen
sehen können. Dann ist es gelungen, dass ein Streit beigelegt worden
ist, ohne dass einer der beiden das Gefühl hat, verloren zu haben.
Dann merkt man: Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt.
Wo Frieden ist, sind auch die unterschwelligen Spannungen abgebaut, da wird
auch unterm Tisch nicht mehr nachgetreten.
Aber immer wieder geht das auch schief: Dann siegen nicht die Tauben, sondern
die Falken. Dann haben die Stärkeren die Macht an sich gerissen. Dann
werden die Friedfertigen und die Schwachen überrumpelt, dann werden
mit Gewalt Fakten geschaffen. Der Friedfertige ist dann der Dumme.
Das kennen wir auch.
Das Verrückte an dieser Situation: Diejenigen, die mit Gewalt und ohne
Rücksicht auf Verluste sich selber durchgesetzt haben, Ihre Gegner zum
Schweigen gebracht haben, die finden eigentlich auch, dass jetzt doch Frieden
ist. Aber vielleicht verwechseln sie die Ruhe des Friedens mit der Ruhe vor
dem Sturm.
Ganz interessant erscheint mir da, dass in der englischen Übersetzung
dieses Taufspruchs "Selig sind die Friedfertigen" steht: "Blessed are the
peacemakers". Wer gerne Wildwest-Filme schaut, kommt jetzt vielleicht ins
grübeln: "Peacemaker", so heißt doch die legendäre Pistole,
mit der zwei Drittel aller Cowboys herumlaufen. Von 1873 bis 1940 konnte
man diesen "Friedensstifter" mit Kaliber 45 in Amerika kaufen. - Natürlich,
wer seinen Gegner mit gezielten Schüssen zur Strecke bringt, der hat
seinen Frieden... ich glaube: er hat vielleicht Ruhe vor den Anderen ...
aber bestimmt keinen Frieden.
BILANZ DER FRIEDENSSTIFTER
Ein echter Friedensstifter sein, ist also sicher keine einfache Aufgabe.
Der Weg zum Frieden ist oft schwierig und schmerzvoll. Manchmal hat man wirklich
das Gefühl, man ist der Angeschmierte. Da überlege ich es mir vielleicht
lieber dreimal, bevor ich es selbst versuche - ein Friedensstifter zu sein.
Kann man dann einem kleinen Baby wie dem Robin guten Gewissens diesen Taufspruch
als Ratschlag mit auf den Weg geben? Wenn man sowieso schon weiß, dass
es oft schief gehen wird?
Wäre es nicht viel klüger, ihm von Anfang an zu sagen: " Kleiner,
setze dich selbstbewusst durch, wehre dich. Schau zu, dass du deine
Interessen durchsetzt, bevor sich andere bedienen! - Denn wer zuerst kommt,
mahlt zuerst" .
Der Beruf des Friedensstifters als Auslaufmodell ohne Zukunft?
NEUE PERSPEKTIVE: PFINGSTEN
Ich glaube: Es ist nicht aussichtslos
Unser Taufspruch zeigt nämlich eine Perspektive für die Friedfertigen.
"Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen"
- was will ich mehr? Dieser Vers verspricht mir, dass mein Leben eine ganz
besondere Qualität bekommt, wenn ich mich darauf einlasse. Selig, als
Gotteskind!
Wir feiern heute das Pfingstfest: Denken an das Außergewöhnliche,
was da mit den Jüngern passiert ist. Und das wirft auch ein besonderes
Licht auf diesen Taufspruch.
Da waren einige die Jünger, die waren noch ganz deprimiert von der Kreuzigung,
verwirrt und zugleich ein wenig hoffnungsvoll von der Botschaft der Auferstehung.
Und bei der Himmelfahrt haben sie den Auftrag bekommen, in alle Welt hinauszugehen.
Aber zunächst passierte erstmal gar nichts.
Und dann am Pfingstfest erhalten sie plötzlich und ganz unerwartet eine
Kraft, die ihr Leben verändert. Das kleine scheinbar saft- und kraftlose
Häufchen Jünger verändert sich von einem Moment zum anderen.
Der Geist Gottes treibt sie plötzlich zu Taten an, zu denen sie vorher
nie den Mut gehabt hätten: Vor allen Menschen, auf vor ihren Gegnern,
sprechen sie frei und offen, in mehreren Sprachen. Nicht mehr scheu und zögernd,
sondern selbstbewusst und direkt. Und sie nehmen kein Blatt vor den Mund.
Der Geist als der Turbo für die Jünger, die von diesem Tag an durchstarten
und in alle Welt hinausgehen um von Jesus weiterzusagen.
Jesus hat seine Jünger nicht alleine zurückgelassen, sondern sie
haben den Geist, die Gegenwart Gottes, geschenkt bekommen.
KRAFT AUS DER TAUFE
Vorhin bei der Taufe habe ich Ihrem kleinen Robin gesagt: " Gott stärke
dich durch seinen Heiligen Geist". Die Kraft, die den Jüngern an Pfingsten
verliehen worden ist, haben wir auch ihrem Sohn zugesagt. Auch du hast die
Kraft Gottes, die Gutes in dir schaffen soll, die dich antreiben, dir den
Mut machen soll, das Rechte zu tun, auch ein Friedensstifter zu sein.
Manche Omas laufen kurz nach einer Geburt zur Bank und eröffnen ein
Konto mit Sparvertrag für ihre Enkel. Ein netter Zug, um den Nachwuchs
den Start ins Leben zumindest finanziell ein bisschen zu erleichtern.
In der Taufe an unseren Kindern, und auch an uns selbst, steckt auch so ein
Startkapital: Die Zusage, dass Gott Gutes mit mir vorhat. Und dass er auch
Gutes durch mich bewirken will. Dass er mir durch seinen Geist Kraft gibt,
nicht nur für mich selbst, sondern auch für meinen Auftrag als
Christ in dieser Welt. Zum Beispiel um ein Friedensstifter zu sein.
AMEN
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