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Ansprache zur Taufe von Luisa O.
1. Juni 2003 - Psalm 36,10 - Quelle des Lebens
Gollhofen, Pfr. Alexander Seidel
Liebe Familie O. , liebe Patin, liebe Großeltern, liebe Taufgemeinde,
" Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht" - das ist der Taufspruch für Luisa. Aus dem 36. Psalm habt ihr ihn euch ausgesucht.
DIE QUELLE
Die Quelle des Lebens ist das große Thema in diesen Vers.
- Was eine Wasser-Quelle ist, das wissen wir: Da sprudelt das Wasser hervor,
wunderbar frisch, im Idealfall das ganze Jahr über. Eben so wie unsere
Quelle beim Bischofsbrunnen.
- Was eine Geldquelle ist, darüber sind immerhin die meisten von uns
im Bilde. Ein guter Beruf kann eine erfreuliche Geldquelle sein. Oder mancher
Landwirt weiß, dass es nicht die Milchkühe im Stall, sondern die
Zuckerrüben sind; die man bei ihm als Geldquelle benennen kann.
Für manchen ist es das Arbeitslosengeld, vielleicht auch das Erziehungsgeld,
das alle Monate auf das Konto überwiesen wird. Vielleicht ist es auch
die Scheckkarte des Ehemanns.
- Das Versandhaus Quelle, ist auch eine Quelle: Aus ihr sprudelt so allerlei
sinnvolles und unsinniges an Konsumgütern per Post zu uns ins Haus.
Gerade hier auf dem Land, wenn man es weit zum Einkaufen hat, ist diese Waren-Quelle
ganz praktisch. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich von dieser Quelle nicht
zu viel trinke. - Da droht mir sonst nämlich nämlich der Konsum-Rausch.
- Und was sprudelt aus der Quelle des Lebens? Leben? Schwer zu verstehen?
Aber warum nicht?! Es gibt ja schließlich auch einen Lebens-Durst.
Diesen Lebensdurst verspüren manche Menschen ganz stark, und andere
fast gar nicht. Lebensdurst scheint da zu entstehen, wo Menschen sich innerlich
nicht genügend auf-gefüllt, oder aus-gefüllt fühlen.
"Mir fehlt irgendwas in meinem Leben, das kann doch noch nicht alles sein!" - So hört sich der Lebensdurst an.
Und dann ziehen sie los, die Lebensdurstigen Und suchen nach einer Quelle
fürs Leben ... sie suchen nach der Quelle des Lebens.
Was füllt mein Leben aus? Was macht mich als Menschen überhaupt
aus, wodurch bin ich unverwechselbar. Wo bin ich denn eigentlich wirklich
daheim? Wo gibt es das, was meinem Leben eine besondere Qualität gibt?
- Solche Fragen treiben die Lebensdurstigen umher.
Wo Menschen so suchend herumlaufen, da gibt es natürlich auch viele,
die ihnen etwas zu finden anbieten. Sinn-Angebote gibt es zuhauf. Manche
kommen hochtrabend philosophisch daher: Weltanschauungen, Religionen, esoterische
Kreise. Andere machen es viel einfacher: Der Mensch ist was er isst, oder
trinkt, oder anzieht oder fährt.
So passiert ist immer wieder: Ein Lebensdurstiger, der ausgezogen war, um
etwas zu finden, was sein Leben erfüllt, kehrt zurück mit dem Traumauto
oder mit dem Traumhaus. Weil ihm nämlich jemand gesagt hat: Mit dem
neuen siebener BMW hast du endlich etwas, das dir zeigt wer du bist: "Ich
bin ein ganz besonderer Mensch. Ich habe Erfolg und Prestige." Und sein Leben
und Arbeiten hat eine neue Perspektive bekommen: Die Raten sollen bezahlt
werden - Da weiß man wenigstens, wofür man so hart schuftet.
Ich glaube, die echte Quelle des Lebens muss anders aussehen. Das muss ein
Ort sein, in den ich nicht etwas hinein stecken muss, sondern wo ich etwas
bekomme. - Zum Beispiel die Gewissheit, dass mein Leben eine Herkunft, einen
Sinn und ein Ziel hat.
Gerade bei einem kleinen Kind können wir die Frage nach der Quelle des
Lebens relativ einfach beantworten. Weil bei einem kleinen Menschen wie der
Luisa die Frage noch nicht zugedeckt ist von irgendwelchen Schein-Antworten,
die Philosophie, Konsum oder Lebenswerk heißen.
Das Lied, das wir vorhin gesungen haben, hat es deutlich gezeigt:
"Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur. Ganz egal,
ob du ein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes,
ein genialer noch dazu. Du bist du."
Du Luisa, du Mama, Papa, du Gollhöfer,
du bist ganz einzigartig - keiner denkt, fühlt oder handelt genauso wie du.
Du bist unverwechselbar - dein Gesicht, deine Fingerabdrücke - einfach einmalig auf der Welt.
Und du bist reich, egal ob mit oder ohne Geld, dein Schatz ist das Leben, dass Gott dir geschenkt hat.
" Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir
das Licht" - dorthin kann ich kommen mit meinem Lebensdurst, mit meiner Frage
nach dem woher und wohin. Bei Gott kann ich Antwort bekommen, er sagt mir:
„Du bist auf dieser Welt, weil ich beschlossen habe, dass diese Welt jemanden
genau wie dich braucht."
Diese Quelle des Lebens ist dann auch eigentlich eine Oase. Bei diesem Gott
kann ich Zuflucht finden, heraustreten aus meinem Alltagstrott. Heraus aus
dem Zwang, mich täglich selbst zu beweisen, täglich mich dafür
zu rechtfertigen, weshalb ich überhaupt auf dieser Erde bin. Da sagt
einer zu mir: „Ich habe dich geschaffen, ich habe dich lieb." Mehr muss es
gar nicht sein.
DAS LICHT
Nicht nur von der Quelle ist Luisas Taufspruch die Rede, auch vom Licht wird da gesprochen.
Was macht mein Leben hell? Wer sorgt dafür, dass ich nicht im Dunkeln tappe.
Was kann ich dafür tun, dass dieser kleine Sonnenschein, der uns aus
den Windeln entgegen strahlt, nicht in ein paar Jahren nur noch von düsteren
Sorgen-Wolken umgeben ist?
Mit einer guten Unfallversicherung nebst Ausbildungsversicherung und Sparvertrag
hat man gut gegen manche Risiken vorgebaut - aber den echten Sonnenschein
können Sie auch nicht garantieren.
Die Taufe übrigens auch nicht! - weder die Taufe als solche, noch so
ein ermunternder Taufspruch kann uns ein Leben auf der so genannten Sonnenseite
garantieren. Lebensrisiken wirtschaftlicher und gesundheitlicher Art lassen
sich nicht abschalten.
Aber vielleicht müssen wir das Licht anders definieren. Ist das Licht
meines Lebens das Dasein auf der Sonnenseite von Wohlstand und Gesundheit?
Ich bin mir sicher, dass das nicht alles ist. Gerade dann, wenn ich sehe,
das es unter Kindern und Jugendlichen auch eine Wohlstandsverwahrlosung gibt.
Da haben Teenager dank ihrer wohlhabenden Eltern Alles im Überfluss,
können sich kaufen, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Aber trotzdem
siehts in ihrem Leben ganz düster aus: Weil ihnen Liebe, Zuwendung und
das Gefühl fehlt: ich bin angenommen.
Eine gesicherte Existenz, ein gewisser Wohlstand machen das Leben angenehm,
und auch manchmal deutlich heller. Ich möchte das gar nicht abstreiten.
Auch die Bibel sieht wirtschaftlichen Erfolg auch als Segen Gottes, als Gottes
Geschenk an.
Aber es scheint noch eine andere Art von Licht im Leben zu geben. Das Licht,
das mir von Gottes Liebe her scheint. Eine Helligkeit in meinem Leben, weil
ich weiß: Gott ist auf meiner Seite und der wird mir nicht verlassen.
Diese Gewissheit kann für ein Leben als inneres Licht eine große
Bedeutung haben. Weil dieses Licht nicht abhängig ist von den äußeren
Umständen, von meinem Wohlergehen oder meinem Elend.
Dann kann es passieren, dass es mir schlecht geht, ich krank oder auch deprimiert
bin. Aber dann habe ich immer noch dieses innere Licht als Reserve, als Grundbeleuchtung.
Und manchmal scheint diese stabile innere Beleuchtung wichtiger zu sein als
das Licht, das ich meinen guten Lebensumständen verdanke.
Ich denke da einen einem Besuch in Afrika, in einer christlichen Gemeinde
in Tansania. Das sind mir viele viele Leute begegnet, die sind für unsere
Verhältnisse bitterarm. Aber trotzdem strahlen sie eine große
Zufriedenheit und Fröhlichkeit aus. Die strahlen förmlichen von
innen heraus.
Das hat mich fasziniert, und zugleich beschämt, weil ich gemerkt habe,
wie sehr meine Zufriedenheit oft von unwichtigen Äußerlichkeiten
abhängt.
Das innere Licht ist offenbar wirklich unheimlich wichtig.
SCHLUSS
" Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht"
Liebe Eltern, liebe Patin,
auf diesen Taufspruch kann man fast ein ganzes Lebenskonzept gründen.
Als Eltern und Patin habt ihr vorhin versprochen, daß eure dazu zu
tun, das eure kleine Luisa im Glauben an Jesus Christus ihre Heimat findet.
Damit eröffnet ihr diesen kleinen Mädchen eine große Chance,
Sinn und Inhalt für ihr Leben bei der Quelle des Lebens zu finden, und
ein Lebenslicht zu erhalten, das unabhängig ist vom auf und ab in unseren
Tagen.
Und vergesst nicht, dass dieser Spruch nicht nur eurer Tochter gehört,
sondern auch ihr selbst und alle Christen für ihr Leben davon profitieren
dürfen.
Ich wünsche euch dazu Gottes Segen.
AMEN
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