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Predigt am 24. Dezember 2002: Christmette
Spielszene mit Ansprache "Sich mit dem Weihnachtsfest versöhnen"
Pfarrer Alexander Seidel und die Evangelische Landjugend - Gollhofen
Anspiel
Erzähler:
Stille Nacht Heilige Nacht.
Alles schläft, einer wacht - nämlich Klaus.
Weihnachten treibt ihn nämlich um.
Hin und hergerissen ist er
- zwischen diesem grässlichen Fest der Erwachsenen
- und dem unwiderstehlichen Glanz der Weihnacht.
Diese wiederstrebenden Gefühle scheinen ihn manchmal innerlich auseinanderzureißen:
Es ist so, als würden 2 Seelen in ihm sprechen ...
Es folgt ein Sprechstück für 2 Darsteller, die 2 Seiten einer
Person darstellen (gleiche Größe, gleiche Kleidung)
Sprecher 1
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Sprecher 2
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Jetzt ist Heiligabend, und „Stille Nacht" kann ich inzwischen auswendig vor und rückwärts!
Und ich kann schon keine Plätzchen mehr sehen! Und von Tannennadeln krieg
ich jetzt schon einen Ausschlag. Das ist doch irgendwie alles viel zu dick
aufgetragen
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Aber ohne das alles würde mir auch etwas fehlen. Die vielen Lichter im Weihnachtszimmer...
Der Weihnachtsbaum ... der Weihnachtsduft in jedem Raum ... das ist eine
wundervolle Atmosphäre. Die haben wir eigentlich nur zu Weihnachten. Das
macht diese Tage zu etwas ganz besonderem. Ein bisschen „Heile Welt"; denn
schließlich ist ja der Heiland gekommen.
Die stille Nacht, die Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit ....
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Ruhe, pah! Wer von uns gönnt sich denn schon noch viel Ruhe in der Adventszeit?
Was schenk ich dem, was schenk ich jenem? Und dann das Gerenne, von einem
Laden zum Anderen, natürlich alle mit so genannten „Sonderpreisen" gespickt.
Und die Erwartungen vor der Bescherung sind sowieso oft viel zu hoch. Vor
allem für Kinder ist Weihnachten das Fest der Geschenke! Ans Wesentliche
denkt doch niemand mehr.
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Niemand? Das glaube ich nicht. Ich bin überzeugt, dass im Herzen jedes Menschen
an Weihnachten immer noch die Geburt Jesu im Vordergrund steht. Es dauert
nur seine Zeit, bis dieses Bewusstsein im Kopf geweckt wird.
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Aber wenn sich die Menschen das Leben im Advent noch hektischer machen als
es normalerweise eh schon ist bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. Zeit in
sich zu gehen, um Oberflächlichkeiten wie Geschenke zu vergessen. Und dann
am Heiligen Abend spult man sein Programm wie jedes Jahr nach Schema F ab:
Kirche, Essen, Bescherung. Danach vielleicht Fernsehen oder so. Am nächsten
Morgen merkt man dann, dass man den eigentlichen Sinn verfehlt hat. Nämlich
den Retter der Welt zu feiern. Und zwar nicht eine James Bond - Plastikfigur,
die man verschenkt hat, sondern Jesus Christus!
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Aber es ist und bleibt das Fest der Liebe, wir feiern mit Menschen die wir
lieben. Jedes Jahr wird im Weihnachtsgottesdienst die Weihnachtsgeschichte
erzählt, wie Jesus geboren ist und eigentlich ist es doch in Ordnung sich
zu beschenken und sich daran zu erfreuen!
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Mit Menschen die wir lieben? Meistens muß man mit der gesamten Familie feiern
und nicht im kleinen Familienkreis, nein! Die ganze Familie trifft sich 3
Tage lang und macht einen auf tolle Familie und dann sieht man sich die nächsten
362 Tage nicht mehr bis zum nächsten Weihnachten und da geht das selbe falsche
Getue weiter.
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Aber man sieht nicht nur die weniger netten Familienmitglieder, nein auch
die Menschen, auf die man sich jedes Jahr freut, das man sie wiedersieht!
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Manche liebe Menschen vermisse ich aber gerade an Weihnachten besonders,
weil sie nicht mehr bei uns sein können! Das ist nicht fair!
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Was ist schon fair? Es zeigt doch, das es sich an Weihnachten doch um das
Fest der Liebe handelt, sonst würde man geliebte Menschen nicht gerade an
Weihnachten so sehr vermissen!
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Weihnachten ist einfach nicht mehr so wie zu der Zeit, als ich noch ein kleines
Kind war. Das war schön und ich war begeistert. Aber jetzt? Jetzt ist rund
um Weihnachten alles so kompliziert. Und gefährlich . Immer wieder geht etwas
schief: Das falsche Geschenk, ein falsches Wort, der falsche Witz, und schon
ist die Weihnachtstimmung kaputt. Alle schauen dann betreten drein und schweigen.
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Wie war das einfach - als kleines Kind - da wurde man einfach beschenkt.
Manchmal war es ein einziges Geschenk, das mich am Heiligen Abend glücklich
gemacht hat. Die vielen anderen Geschenke waren da gar nicht so wichtig.
Da war es nicht mal wichtig, dass ich von jedem Freund und jeder Tante etwas
bekommen habe. Ein einziger erfüllter Wunsch - das war dann ein echter Heiliger
Abend.
Zurück zum Weihnachten von damals, das wäre was!
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Zurück zum unschuldigen Weihnachten aus Kindertagen? Zurück zu den Wurzeln?
Ich glaube das geht nicht. Wir haben uns weiterentwickelt. Wir alle als Gesellschaft
und auch ich als Person. Ich denke, wir können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen.
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Aber ein bisschen mehr von der Sparsamkeit der Krippe von Bethlehem ..
Und ein bisschen weniger von den hochgeschraubten Erwartungen an des perfekte
Fest. Ich glaube, damit könnten wir uns so manche Enttäuschung ersparen.
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Ansprache
Liebe Gemeinde,
viele Dinge haben zwei Seiten - auch Weihnachten!
Das haben wir gerade deutlich gesehen. Vielleicht geht es einigen von ihnen
genauso: Da schwankt man bei diesen herausragenden Fest zwischen Idealisierung
und schroffer Ablehnung hin und her. Je nach eigener Gemütslage rühmen
wir Weihnachten oder klagen über seinen Niedergang.
Auf der einen Seite sehe ich das Schöne an diesem Fest, den angenehmen
Ausnahmezustand den das Weihnachtsfest fast rund um den Globus herstellt:
Überall wird Weihnachten gefeiert, werden Weihnachtslieder gesungen,
Plätzchen gebacken, ein Baum geschmückt, beschenken sich die Menschen.
Fast schon kollektiv versuchen wir an diesen Tagen Frieden zu halten - sogar
Israel zieht seine Panzer für einige Tage aus Bethlehem zurück.
Die andere Seite des Weihnachtsfestes kenne ich auch zur Genüge.
~ Es wird vermarktet, in klingende Münze umgewandelt; der Einzelhandel
jammert - so als hätte er fast schon ein Patent auf Weihnachten.
~ Und Weihnachten wird reduziert, zum Fest der Liebe oder des Friedens - das Kind in der Krippe wird zur Garnitur.
~ Als Familie sind manche mehr auf der Straße unterwegs, als daheim:
Die Großeltern sollen besucht werden, Patenkinder, Geschwister und
manch andere.
Wie gehen wir damit um?
Wir könnten versuchen die gute Seite von Weihnachten zu retten, und
die viel beklagten Schattenseiten einfach abzuschaffen. Wir schenken uns
nichts mehr, boykotttieren alle Läden, die schon am 1. Advent "Stille
Nacht" durch die Lautsprecher schicken, laden alle Gäste wieder aus,
damit wir uns allein auf das wichtigste, die Geburt des Jesuskindes konzentrieren
können.
Sie merken es - ich glaube, dass wir das nicht schaffen. Ja auch fast nicht
schaffen können, denn wo ist denn eigentlich die Grenze zwischen diesen
beiden Seiten? Ist ein großzügiges Geschenk ein ehrlicher Ausdruck
der Freude über die Geburt Jesu, oder ist damit Weihnachten schon verraten?
Liebe Gemeinde,
wenn es uns nicht innerlich zerreißen soll, so wie den dargestellten
Klaus, dann müssen wir versuchen beide Seiten von Weihnachten zusammen
zu bekommen. Es sind eben zwei Seiten einer Medaille, eines Weihnachtsfestes.
Und sie auseinander zu bekommen ist fast unmöglich.
Vielleicht ist es so, wie mit einem Ehepartner. Man liebt ihn, den ganzen
Menschen, mit seinen guten und seinen weniger guten Seiten. Wenn ich ewig
an meinem Partner herum nörgle, wird uns das beiden auf Dauer nicht
gut tun. Ich werde Frieden schließen müssen mit beiden Seiten
meines Gegenübers.
Als Christen, die den eigentlichen Grund und Inhalt des Weihnachtsfestes
kennen und lieben, dürfen wir auch versuchen, Frieden zu schließen
mit den Licht- und Schattenseiten dieses Festes.
Manche Last werden wir immer wieder auch schultern müssen. So manches
Geschenk wird gekauft, mancher Weg zurückgelegt, ohne dass man sich
dabei wirklich weihnachtlich fühlt.
Aber ich denke: Auch das ist ein Stück der Weihnachtsgeschichte. Auch
Maria und Joseph hatten sich die Geburt ihres Kindes ganz anders vorgestellt.
Aber auch die denkbar schlechten Rahmenbedingungen im Stall von Bethlehem
haben ihrer Weihnacht keinen Abbruch getan.
Man muss halt wissen, worauf es eigentlich ankommt.
Dazu möchte ich ihnen eine Geschichte von den Philippinen vorlesen:
Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, da wollte er einen
der beiden zu seinem Nachfolger bestellen. Er versammelte die Weisen seines
Landes und rief seine Söhne herbei. Er gab jedem der beiden fünf
Silberstücke und sagte:
»Füllt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend. Womit, das ist eure Sache.«
- Die Weisen sagten: »Das ist eine gute Aufgabe.«
Der älteste Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter
dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das
ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. - Er dachte sich: »Das ist
eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters
zu füllen.« -
Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten
Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt
war, ging er zu seinem Vater und sagte: »Ich habe deine Aufgabe erfüllt.
Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger.«
- Der Vater antwortete: »Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten.«
Bald darauf kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene
Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte
er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte
die Halle bis in die letzte Ecke hinein.
Der Vater sagte: »Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf
Silber- stücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen.
Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht
erfüllt. Du hast sie mit
dem gefüllt, was die Menschen brauchen.«
Amen.
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