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Predigt zur Dekanatssynode am 9. März 2002
Psalm 133 - Einträchtig beieinander wohnen
Gehalten von: Alexander
Seidel
Datum: 9. März 2002
Die Losung von heute steht im 133 Psalm: Ich möchte ihnen nicht nur
den einen Vers, sondern den gesamten Psalm - 4 Verse ist er lang - vorlesen:
Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander
wohnen!
Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, das herabfließt
in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides,
wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions!
Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit.
Liebe Gemeinde,
Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander
wohnen!
Vermutlich wird der König David, dem dieser Psalm zugeschrieben wird,
mir nicht böse sein, wenn ich auch dabei an die Schwestern denke. Denn
nicht nur die Brüder, sondern auch die Schwestern können einträchtig
beieinander wohnen.
Langenburg - Mein Traum-Bild
Mir ist ziemlich bald die Kirchenvorsteher-Rüstzeit in Langenburg eingefallen.
Es hätte natürlich auch eine ganz andere Familienfreizeit oder
auch eine Freizeit für Jugendliche sein können.
Da wohnen sie ja auch zusammen: Fast wie in einem Dorf; auf dem Gelände
in Langenburg, neben einander, einträchtig.
Auch wenn es nur ein paar Tage in Langenburg oder auf einer Familienfreizeit
sind: Es ist einfach etwas besonderes: als Glaubensgeschwister sind wir dort,
und das verbindet uns auch. Berufsschüler, Hausfrau, Firmenchef - die
Position erscheint als Nebensache ... gemeinsam ist allen, dass sie in ihren
Gemeinden Verantwortung übernehmen, als Kirchenvorsteherinnen, Kirchenvorsteher
oder als Pfarrer.
Vielleicht haben es manche unter ihnen auch gemerkt: Auf so einer Freizeit
kann in kurzer Zeit eine Vertrautheit entstehen, wie man sie sonst selten
hat. Ist das der besondere Zauber von Langenburg?
Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Kirchenvorsteher einträchtig
in Langenburg tagen. - Ich merke, dass ich mich schon wieder aufs nächste
Mal freue.
Mehr als nur Gemeinschaftsgefühl
Vermutlich sitzen jetzt unter ihnen einige Menschen mit sozialpädagogischer
Vorbildung. Und ich vermute mal sie sind gerade mitten im Stirn-Runzeln.
"Au wei! Der Pfarrer Seidel hat den Langenburg-Lager-Koller. Wenn der sich
nur nicht hoffnungslos in diese Lageratmosphäre verliebt. Den könnten
wir wahrscheinlich auch zu einem Fortbildungscamp der Vorwerk-Staubsaugervertreter
Bayerns schicken, und er würde auch von der schönen Atmosphäre
und der beeindruckenden Gemeinschaft schwärmen. Es ist nun mal so, wenn
man zu so einer Veranstaltung geht, wo Gleichgesinnte zusammen sind, abgelöst
von den alltäglichen Problemen daheim, da ist es eben nun mal traumhaft
schön".
Ich glaube aber doch, dass die Gemeinschaft von uns Christen - in Langenburg
oder sonst wo - noch einmal etwas anderes ist.
Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, das herabfließt
in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides, wie der Tau,
der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions!
Das Salböl... Mose hat Aaron, seinen Bruder, den ersten Priester an
der Stiftshütte in der Wüste, mit Salböl übergossen als
Zeichen des überfließenden Segens Gottes. Als spürbares Symbol
der Nähe Gottes.
Manchmal ist es hilfreich, ein wirklich spürbares Zeichen der Nähe
Gottes zu erfahren: eine zum Segen aufgelegte Hand, Brot und Wein, oder Salböl
an der Stirn und auf den Händen. Ich spüre es und bekomme dadurch
die Gewissheit: Gott ist bei mir, sein Geist ist unter uns.
Wie der Tau, der vom hohen Berg Hermon herabfällt auf uns, so kann der
Geist Gottes eine Atmosphäre unter Menschen schaffen - uns zu Schwestern
und Brüdern machen.
Das ist ein Geschenk Gottes an seine Kinder. Das ist das, was eine christliche
Freizeit von dem unterscheiden kann, was Motivationstrainer auf der Staubsaugervertreter-Schulung
zu Stande bringen.
Sind sie im Gedanken schon weit weg? Haben Sie Lust bekommen? Packen sie
schon im Gedanken die Reisetasche?
Gratulation - dann sind sie in diesen Psalm richtig angekommen! Denn der
Psalm 133 ist ein Wallfahrtspsalm! Mit dem hat man sich auf dem Weg nach
Jerusalem gemacht. Vielleicht zu einem Fest, wo Juden miteinander am Tempel
zusammen waren, Gemeinschaft hatten ... über Tage hinweg ... mit Gott
in ihrer Mitte... und sicher auch mit einem Gemeinschaftsgefühl wie
wir es auf Freizeiten gelegentlich genießen können.
Rochade von Langenburg nach Langensteinach
Wallfahrten, Kirchenvorsteherfreizeiten das sind Hoch-Zeiten! Die genießt
man, wenn man klug ist, in vollen Zügen, saugt sie sich auf, weil man
weiß, dass es daheim wieder anders sein wird. Das besondere Flair gibt's
eben nur dort.
Aber gerade daheim merke ich, dass dieser Psalm mit seiner Hoffnung an mir
nagt: siehe, wie fein und lieblich ist's wenn Brüder und Schwestern
einträchtig beieinander wohnen.
Ei, wie schön wäre es, wenn wir etwas von dieser Gemeinschaft dort
und dieser segensreichen Geschwisterlichkeit in unser Dekanat herüber
retten könnten.
Es geht dabei ja auch um mehr als nur um heimelige Gefühle: Der
Psalm stellt die Gemeinschaft der Geschwister unter den Segen Gottes: denn
dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit.
Liebe Geschwister
- anders möchte ich Sie jetzt auch gar nicht anreden -
wenn Brüder und Schwestern einträchtig beieinander wohnen können,
warum sollten das nicht auch die Gemeinden (also die Summen der Brüder
und Schwestern) ebenso geschwisterlich mit einander umgehen?
Ich möchte Ihnen zwei Beispiele - Phantasien - nennen, wie ich mir vorstellen
könnte, dass Gemeinden geschwisterlich miteinander umgehen können.
Vielleicht ist es ihnen eine Anregung, vielleicht praktizieren sie das ja
schon, und können sich dann darüber freuen, dass es bei Ihnen schon
so gut läuft und vielleicht entdecken sie einen Punkt, den sie in ihrer
Gemeinde für ausbaufähig halten.
Beieinander wohnen
Mein erster Gedanke:
Die räumliche Nähe unserer Gemeinden zueinander. Im Psalm wohnen
die Brüder beieinander. Dietrich Bonhoeffer hat 1939 über das Zusammensein
der Christen ein Buch geschrieben. "Gemeinsames Leben" heißt es und
in ihm kommt deutlich zum Ausdruck, wie er die räumliche Nähe der
Christen zueinander Wert schätzt. Mit dem Psalm 133 beginnt er dieses
Buch, in dem er ganz offen die Nähe von Christen zueinander, die Möglichkeit
sich zu treffen und miteinander zu reden und zu beten als geschenkten Schatz
bezeichnet.
Als Dekanat können wir natürlich nicht alle zusammenrücken,
wie in einem Kloster. Aber wir könnten öfter zusammenrücken
bei gemeinsamen Gottesdiensten und bei verschiedenen Festen. Die ja schon
bestehende Gastfreundschaft zwischen den Gemeinden sollten wir nicht aufgeben,
sondern pflegen und weiterentwickeln.
Wenn ich auf das Parament von Bischof Laiser schaue, merke ich, dass geschwisterliche
Verbundenheit auch über Tausende von Kilometern möglich ist. Aber
es kostet viel Aufwand, viel Mühe und Kraft. Da entdeckte ich, das ist
ein Geschenk sein kann, dass wir von Dorf zu Dorf eigentlich zu Fuß
laufen könnten, dass es kurze Wege sind, die aus Verbundenheit Vertrautheit
wachsen lassen können.
Die Bedingung des Geschwister-Seins
Mein zweiter Gedanke: wenn wir schon von Glaubens-Geschwistern reden, sollten
wir nicht aus den Augen verlieren, was Menschen zu Geschwistern macht: Sie
haben den gleichen - himmlischen - Vater. Weil's eine Selbstverständlichkeit
ist, könnte man es manchmal glatt vergessen.
Das glauben Sie nicht? Ich denke da an die Diakonie. Sie ist ja ein ganz
grundlegender Ausdruck unseres Glaubens: Schwachen zu helfen, Arme zu unterstützen,
Alte zu trösten. Aber im Räderwerk der Pflegesätze und gesetzlichen
Vorgaben droht die Diakonie zum ganz gewöhnlichen Sozialdienstleister
zu werden, der problemlos auch ohne Gott auskommen könnte. Wie gut,
dass man sich dort dieser Gefahr bewusst ist und gegenlenkt. Und ich freue
mich über diese Unterschriftenaktion, mit der man versucht es möglich
zu machen, dass die Diakonie-Schwester neben dem Verband auch einmal die
Hand auflegt und die Bibel aufschlägt.
Wenn wir in unserem Gemeinden Nähe suchten, Kooperationen anstreben
und Strukturen bilden, dürfen wir nicht aus den Blick verlieren, was
uns antreibt.
Dass es darum geht Glauben zu leben, Glauben wachsen zu lassen und Glauben
weiter zu tragen.
Schluss
Liebe Synoden-Gemeinde
wir sind dabei nicht auf uns selbst gestellt. Mit Gottes Hilfe können
wir uns als Dekanat weiter auf die Wallfahrt zu einem gesegneten Miteinander
begeben, dass der Hoffnung des Psalm 133 entspricht:
Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander
wohnen!
Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit.
Amen
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