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Predigt zum 10. Februar 2002
Ein Prophet will kündigen
Gehalten von: Alexander
Seidel
Datum: 3.Februar
2002
Liebe Gemeinde,
versetzen wir uns im Gedanken nach Samaria, in die Königsstadt
im Norden Israels; 100 Jahre nach dem Tod König Davids. Auf dem Thron
sitzt Ahab, zusammen mit seiner Frau Isebel. Die beiden sind ein sehr fortschrittliches
Königspaar. Sie kennen zwar die Überlieferung, das der Gott Israels
das Volk aus Ägypten geführt hat. Sie kennen das erste Gebot:
„du sollst keine anderen Götter neben mir haben" , aber sie sagen
sich: Das sind olle Kamellen, damit kann man keine Politik mehr machen.
Wir müssen uns den anderen Religionen öffnen: Ab sofort werden
wir auch den Gott Baal anbeten. Dieser Fruchtbarkeitsgott hat ja im Land
Kanaan Tradition, da gehen wir auf Nummer sicher. Doppelt gemoppelt hält
besser.
Da kommt der Prophet Elia ins Spiel: Elia wird von Gott beauftragt,
dem König ins Gewissen zu reden: „Es gibt nur einen Gott für
Israel" - das ist seine Botschaft. Wie so oft: Der König hört
nicht auf den Propheten. Immer wieder versucht es der Prophet, aber er
blitzt immer wieder ab.
Eine Dürre und Hungersnot sucht kurz darauf das Land heim. Die
Bibel erzählt von Wundern, die dem Propheten damals das Leben gerettet
haben. Auch erzählt sie die Begebenheit, die sich auf dem Berg Karmel
zugetragen hat.
Eine Art Wettbewerb: Auf spektakuläre Weise wollen die Priester
des Baal den Götzen um Regen bitten. Königin Isebel verspricht
sich daraus den Sieg der Baals-Religion über den rückständigen
Glauben Israels.
Der Schuss geht nach hinten los: Die Baals-Priester und die Königin
blamieren sich bis auf die Knochen. Elia zeigt eindrucksvoll, dass allein
der Gott-Israels Wunder tun kann.
Was dann passiert ist für uns nicht so leicht zu verstehen: Elia
vollzieht ein Gericht an den Baalspriestern - sie werden alle hingerichtet.
Isebel und Ahab sinnen auf Rache: Elia soll umgebracht werden.
Er flüchtet in die Wüste.
Was sich dort abspielt, setht in unserem Predigttext
1. Kön 19, 1-8
Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er
alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.
2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen:
Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese
Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!
3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein
Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.
4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und
kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben
und sprach: Es ist genug, [a] so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht
besser als meine Väter.
5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und
siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iß!
6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein
geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken
hatte, legte er sich wieder schlafen.
7 Und der Engel des HERRN kam zum zweitenmal wieder und rührte
ihn an und sprach: Steh auf und iß! Denn du hast einen weiten Weg
vor dir.
8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die
Kraft der Speise [a] vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg
Gottes, dem Horeb.
Elia ist in die Wüste geflüchtet, da beginnt für ihn
die Krise. „Immer wieder habe ich den König ermahnt, immer wieder
ihn aufgerufen, nur einen Gott anzubeten. Aber nichts hat geholfen. So
ein stures, verbohrtes Königshaus. Alles war umsonst."
Vergessen hat Elia die Wunder, in denen Gott ihn bewahrt hat. Vergessen,
seine eigenen flammenden Worte für den Herrn. In diesem Moment ist
Elia einfach am Ende. „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr".
Die Wüste, in die er geflüchtet ist, tut ihr Übriges:
Elia wird depressiv, will nicht mehr leben. Er legt sich unter einen Wachholderbusch
und wartet einfach darauf, dass er stirbt.
„Gott, du hast mir einen Auftrag gegeben, aber ich habe es nicht geschafft.
Ich bin gescheitert." - Und vielleicht hat in diesem Moment der große
Elia auch an Gottes Güte gezweifelt. - Wir wissen es nicht.
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Nun liegt er da, der Prophet, hat quasi bei Gott seinen Arbeitsauftrag
gekündigt. Adé du furchtbare Welt.
Aber es kommt anders: Elia bekommt Besuch. Ein Engel, ein Bote Gottes
weckt den schlafenden Elia, reicht ihm zu Essen. Eine Stärkung für
den saft- und kraftlosen Elia. Was ihm da gereicht wird, ist mehr als Brot
und Wasser. In diesem Moment der Verzweiflung sagt ihm Gott: „Elia, auch
wenn du dich aufgegeben hast. Ich denke immer noch an Dich. Du bist mir
nicht egal. Ich gehe Dir auch in die Wüste nach."
Vielleicht kennen Sie das aus eigener Erfahrung: Es kann gut tun, wenn
sich jemand um mich kümmert, wenn es mir schlecht geht. Manchmal tut
es gut, dass einfach einer da ist, der braucht dann auch gar nicht viel
tun. Da ist jemand, der hat mich nicht aufgegeben. Ich bin diesem Menschen
wertvoll.
Es kann sein, dass sie auch die andere Seite kennen: Wenn Sie der „Engel"
für Andere sein wollen; wenn Sie Kranke, Verzweifelte besuchen.
Da kommt man da eher selten mit Brot und Wasser, eher mit Blumen und Pralinen,
oder einem guten Buch. Was man da erlebt, wenn man einem Verzweifelten
nahe sein will, ist nicht immer so wie in den Abendserien im Fernsehen.
Da werden Kranke besucht und nach wenigen freundlichen Worten sind die
glücklich und werden rechtzeitig von der nächsten Werbepause
geheilt entlassen.
Das kann auch ganz anders laufen: Wer bis in sein Innerstes verzweifelt
ist, wer sich von Gott und Menschen verlassen fühlt, der freut sich
wohl schon über einen Freund, der ihm zur Seite stehen will. Aber
die Welt ist damit noch lange nicht wieder in Ordnung. Und so mancher Besucher,
der es gut gemeint hat, wird von dem, dem es schlecht geht, auch noch angeknurrt:
„Du weißt ja gar nicht, wie schlecht es mir geht. Was willst du hier
überhaupt. Ich kann, ich will jetzt nicht aufgemuntert werden. Ich
muss mich in meiner verzweifelten Situation auch erst einmal zurechtfinden,
bevor ich weiß, wie ich da wieder herauskomme."
Elia läßt den Engel wieder abziehen. Er kann sich noch nicht
aufraffen. „Noch einmal die Auseinandersetzung mit König Ahab und
Isebel aufnehmen? - Nein. Dann würde es wieder neu losgehen: Meine
erfolglosen Versuche, dem König von seinen falschen Weg abzubringen.
Die Verfolgungen durch seine Frau Isebel. Nein, dass packe ich nicht mehr.
So deute ich es, das Elia sich wieder hinlegt. Zu tief war seine Verzweiflung,
zu aussichtslos schätzte er seine Lage ein.
Das ist schon ein starkes Stück: Elia streikt. Gott will ihm durch
diesen Engel Mut machen, will ihn stärken, wieder aufbauen. Aber der
Prophet außer Dienst sagt „nein". Er sagt das ja nicht zu einem menschlichen
Auftraggeber, er sagt es zu Gott.
Darf man das? Gott gegenüber sagen: „Es geht nicht mehr, ich bin
am Ende. Gott, du hättest doch schon eher helfen können, damit
es mir gar nicht erst so miserabel gehen würde wie jetzt. Gott, ich
bin fix und fertig. , ich kann nicht mehr, lass mich in Ruh!" - Muss man
sich vor Gott nicht eher zusammenreißen und sagen: „Klar Gott, es
geht schon irgendwie..."
Sie wissen es: Wir dürfen vor Gott klagen und jammern, wir sollten
es sogar. Denn Gott ist nicht da, um mich für meinen Heldenmut zu
loben, sondern um mir gerade in den schwachen Stunden zu helfen. Er ist
ein gnädiger Gott, der die Abgründe meines Herzens kennt, einer
dem ich nichts vormachen muss.
Dieser liebevolle Gott geht dem Elia nach. Er gibt ihn nicht auf. Er
setzt Elia nicht auf die Liste der verlorenen Schäfchen sondern versucht
es erneut: Wieder kommt ein Engel mit Brot und Wasser, weckt den Propheten
und sagt ihm: „Steh auf und iss, du hast einen weiten Weg vor dir."
Der zweite Anlauf gelingt: Elia isst und trinkt und steht auf. Vielleicht
war es der Gott, der ihm nachgeht, der dem Elia neuen Mut gemacht hat.
Liebe Gemeinde,
Elia macht sich auf den Weg. 40 Tage marschiert er durch bis zum Berg
Horeb, dort will er mit Gott reden, hören, was er als nächstes
tun soll.
Elia hat sich aufgerafft, er hat sich von Gottes Geduld mit ihm anstecken
lassen; noch einmal loszuziehen und dem König Ahab Gottes Willen mitzuteilen.
Er nimmt sie wieder auf, seine Karriere als Prophet. Er geht gestärkt
aus dieser Erfahrung hervor: Sein Marsch zum Berg Horeb spricht Bände
über seine Motivation.
Erfahrungen des Scheiterns, der Verzweiflung können ein Menschenleben
zerbrechen lassen. So, dass gebrochene Menschen zurückbleiben, die
nicht mehr ins Leben zurückfinden.
Elia hat in der Tiefe seines Lebens nicht einmal mehr Gott gesucht.
Gott hat ihn gesucht, und Elia hat sich dann auch finden lassen. Das hat
ihn wieder aufgerichtet.
Was er erlebt hat, das hat ein späterer Kollege von ihm, der Prophet
Jesaja in sehr plastische Worte gefasst: (Jes 40, 29+31)
Er gibt den Müden Kraft
und Stärke genug den Unvermögenden.
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.
Amen
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