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Predigt zum Erntedankfest: Matthäus 6, 19-21
Kleine Reise zu den Schätzen im Himmel
Gehalten von: Alexander
Seidel
Datum: 30.
September 2001
Quellenhinweis: Die Geschichte zum
Einstieg
habe ich gefunden bei Manfred Günther.
Es war einmal eein junger Mann, der hatte einem Scherenschleifer sieben
Jahre lang gedient. Als er sich nun verändern wollte, hoffte er, vom
Meister das nötige Startkapital für ein eigenes Geschäft
zu erhalten, denn er hatte in der Vergangenheit immer seine Pflicht getan.
Der Meister aber, der seinen Gesellen gern hatte, sprach zu ihm: "Ich will
dir kein Geld geben, denn mit Geld wirst du dein Glück nicht machen.
Auch ich habe ganz klein angefangen, und was du heute siehst, ist meiner
Hände Arbeit gewesen. Alles, was ich dir geben will, ist hier dieser
Schleifstein. Nimm ihn, er soll dir Glück bringen und Grundstein für
deine Zukunft werden."
Keiner malt sich die Enttäuschung des Gesellen aus. Als er sein
Bündel schnürt, um den Meister zu verlassen, legt er den Schleifstein
ganz zuoberst. Wenn er erst außer Sichtweite wäre, dann will
er ihn von sich in den Fluss werfen.
Doch er ist kaum hundert Meter gegangen, da trifft er einen Burschen,
der unterm Arm eine Gans trägt, die er eben zum Schlachten bringen
will. Hans gelingt es, dem Burschen den Schleifstein gegen die Gans aufzuschwatzen.
Eine Strecke wegs weiter, begegnet ihm ein Bauer, der ein Schwein vor sich
her treibt. Kurz und gut, Hans tauscht vorteilhaft seine Gans gegen das
Schwein. Wenig später kreuzt ein Metzger mit einer Kuh seinen Weg.
Schnell sind die beiden handelseinig: Der Metzger nimmt das Schwein, Hans
die Kuh. Und schließlich, ein paar Meilen später, gesellt sich
ein Reiter zu Hans, den Hans bald davon überzeugt, wie gut es wäre,
wenn er die Kuh für das Pferd nähme. Hoch zu Ross trabt der Hans
nun auf sein Heimatdorf zu und dort bezahlt ihm ein Händler sein Pferd
mit einem Klumpen von Gold, so groß wie Hansens Kopf.
Und davon kauft Hans sein Schleifergeschäft. Er stellt Leute ein.
Er kommt zu Reichtum und Ansehen. Aber auch mit ihm selbst geht eine Veränderung
vor: War er früher sorglos und unbekümmert, so reibt ihn nun
die Angst auf. Hatte er früher nichts zu verlieren, so steht für
ihn jetzt die ganze Existenz auf dem Spiel. War er früher mit dem
Wenigen zufrieden, was er verdiente, so will er jetzt mehr und immer mehr,
um das was er hat besser abzusichern. Sein Kontostand wird beachtlich,
er gehört zu den wohlhabendsten Leuten im Dorf, aber letztlich fühlt
er in sich eine große Leere.
Er ist nicht mehr glücklich wie ehedem bei seinem Meister, er
ist vielmehr furchtbar unglücklich.
Liebe Gemeinde,
mit dieser Geschichte von Hans im Unglück im Hinterkopf möchte
ich ihnen den Predigttext vorlesen: Bei Matthäus, im 6. Kapitel sagt
Jesus:
19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie
die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten
noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Ja, Wohlstand, Reichtum, Schätze ... das hat schon was. Das ist
gar nicht zu bestreiten! Mit ihnen kann ich das Leben angenehm gestalten;
kann mir Sachen leisten, hinter denen ich sonst ewig vergeblich her wäre.
Vieles wird einfacher, wenn man nicht jeden Pfennig umdrehen muss.
Und noch etwas: Es ist auch ein gutes Gefühl, wenn man für
seine Arbeit belohnt wird; Wenn man für die Mühen eines
Jahres durch eine erfolgreiche Ernte entschädigt wird. Denn vergebliche
Mühen sind furchtbar frustrierend.
Aber es gibt eben auch die Schattenseite: Die Schätze, die ich
habe, bergen immer auch ein Risiko. Und das wird immer größer,
je größer meine Reichtümer sind.
- Da gibt es den Kleinanleger, der seine paar Ersparnisse in Aktien
angelegt hat und seitdem täglich mit Angst die Börsenkurse erwartet.
Immer mit der Furcht Geld zu verlieren oder eine große Chance zu
verpassen.
- Da kenne ich die Unternehmerswitwe, die in Geld schwimmt. Aber sie
hat sich in ihrer Villa verbarrikadiert. Meterhohe Mauern schützen
das Anwesen, zwei Dutzend Scheinwerfer beleuchten das Anwesen in der Nacht.
Es könnte ja jemand einbrechen...
- Oder auch der Bauer, der seinen Hof modernisiert hat, viel Geld investiert
hat um langfristig auf dem Markt bestehen zu können. Und dann sagt
ihm der einzige Sohn, dass er sich entschieden hat, Auslandskorrespondent
zu werden.
Unsere Schätze, die irdischen Güter haben eben auch ihre problematische
Seite. Sie sind immer gefährdet. Motten Rost und Diebe nennt Jesus.
Sicherheit gegen den Verlust gibt es nie.
Darum sein Aufruf: Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie
weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
Tja, was wird Jesus da gemeint haben, mit den Schätzen im Himmel?
Es gibt ja die alte Deutung, dass es dabei um die guten Taten im Himmel
geht, mit denen wir uns Verdienste bei Gott erwerben. Ich habe damit so
meine Schwierigkeiten. Und nicht bloß ich, sondern viele andere,
die ihre Bibel etwas genauer ansehen: Wenn es bei Paulus heißt, dass
wir allein durch den Glauben ohne Werke vor Gott gerecht gesprochen sind,
dann weiß ich nicht, wie ich die Guten Taten da verrechnen kann.
Ich bringe diesen Gott, der aus Erbarmen seinen Sohn zu unserer Rettung
schickt nicht zusammen mit einem himmlischen Buchhalter, der Kontostände
über gute Taten führt.
Da scheint Jesus etwas anderes zu meinen und hat ja auch den hilfreichen
Satz hinzugefügt: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Ich muss mich also fragen lassen:
~ Alexander Seidel, ist dein Herz im Himmel oder auf der Erde daheim?
~ Welche Bedeutung hat deine Beziehung zu Gott für dich?
~ Hast du bei Gott schon deinen Anker geworfen?
~ Hast du deinen Schatz im Himmel, so dass dein Draht zu Gott letztlich
wichtiger ist als die Bindungen an irdisches?
Liebe Gollhöfer,
das klingt gerade wohl ganz nett, aber doch noch ein bisschen abstrakt.
Vielleicht hilft ihnen dabei das Gedankenspiel der Inventur.
Da werden sie jetzt ein bisschen in sich gehen müssen, damit in
ihnen Bilder entstehen, aber der Versuch ist es hoffentlich wert.
Stellen sie sich ihr Leben, vor, so wie es jetzt ist. Und dann räumen
sie einmal zur Inventur aus. Und zwar komplett alles, was irgendwie irdisch
ist. Motten, Rost und Diebe können ihnen dabei ein wenig bei raustragen
helfen...
Und da geht alles raus: Der Bulldogg (Für Nicht-Franken: Der Traktor),
der Stall, die Viecher und Äcker.
Das Sofa, die Küche, das Auto, der Arbeitsplatz, Telefon, Computer,
alles.... am Schluss das Haus. Vielleicht merken sie, wie es schon allein
im Gedanken weh tut sich von dem allen zu trennen.
Wenn sie es schaffen [nur im Gedanken]: Lassen sie ihre Familie ausziehen,
dass nur noch sie übrig bleiben. Und lassen sie auch noch ihre eigenen
Knochen einrosten, die Gesundheit ist eben auch ein irdisches Gut.
So. Und jetzt? Was sehen sie vor ihrem inneren Auge? Eine Katastrophe,
ein Trümmerfeld. Und suchen Sie mal drin, ob sie noch was finden,
woran sie sich festhalten können. Gibts da was?
- Vielleicht Hoffnung auf Gott; dass der ihnen hilft.
- Ein Stoßgebet? Ein Psalm.
- Oder das Gefühl, dass wenn sie jetzt auch noch gehen müssten,
dann wären sie bei Gott daheim?
Haben sie was gefunden? - DAS sind diese himmlischen Schätze,
die bleiben, selbst wenn alles geht. Die brauchen sie nicht festhalten.
An denen können sie sich festhalten. - Freuen sie sich, dass sie sie
haben.
Wenn sie gar nichts gefunden haben, sollten sie um ihretwillen danach
suchen, bei unserm Gott Halt und Hoffnung zu finden.
So, nun räumen sie bitte am Ende dieser gedanklichen Inventur wieder
ein. Stellen sie die Dinge des irdischen Lebens wieder an ihren Platz.
Alles was sie soeben noch mit Unbehagen losgelassen haben, soll wieder
zurückkommen. Ein nach dem andern baut sich ihr Leben vor ihrem inneren
Auge wieder auf.
Schließlich hat Gott ihnen diese Güter geschenkt, darum
brauchen wir sie auch nicht verachten.
Fertig? Ja?
Vielleicht haben sie gerade das Gefühl gewonnen, dass manche Dinge
gar nicht mehr so wichtig sind. Dass man auf manches verzichten kann, dass
man manches auch mit anderen teilen könnte.
Allein schon diese Erkenntnis ist viel wert: Verzichten und Teilen
- das sind Übungen, mit denen man sich seine Freiheit von den irdischen
Schätzen erhält.
Das ist eigentlich auch mein Wunsch für sie:
Freuen sie sich über das, was ihnen an guten Gaben geschenkt wird.
Genießen sie sie in aller Freiheit.
Lassen sie sich nicht von diesen Schätzen gefangennehmen, sondern
halten sie sich woanders - bei Gott - fest.
Amen
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