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Predigt zum Fußballvereins-Jubiläum des FC Gollhofen
Von Ausputzern uns Stürmern (Anspiel und Predigt)
Anpiel von: Klaus
Wagner und Bernd Koclir
Predigt von: Alexander
Seidel
Datum: 17. Juni
2001
Anspiel
Nacheinander betreten A,B und C die Bühne, sie sind deutlich
sichtbar als Fußballer gekleidet. D ist Vereinsvorstand im Anzug.
A: Kommt rein, guckt sich um, setzt sich breitbeinig auf den ersten
Stuhl
B: Kommt nach einer kurzen Pause herein, sieht A, erkennt ihn, setzt
sich an dritten Platz hin
A: Dich kenn ich doch; du bist doch der Dings aus Ding...
B: zornig: Genau, dich kenn ich auch! Du hast mich vor zwei Jahren
mal von hinten umgehauen. Ich bin die gesamte Rückrunde ausgefallen,
weil dir das Wadenbein durchgetreten hast. Drecksack!
A: Na und, du kannst doch noch laufen und spielen kannst auch noch.
Außerdem hättest du damals ein Tor gemacht, wenn ich nicht dazwischen
gegangen wäre. Was willst du überhaupt da?
B: Der Vorstand vom diesem Verein sucht einen guten Fussballer als
Verstärkung. Und dazu hat er einen Vorstellungstermin angesetzt, nämlich
(blickt auf die Uhr) in genau drei Minuten.
Ich habe allerdings nicht gewußt, dass er auch noch einen Müllsortierer
einstellt.
A: Hört nicht hin
C: kommt herein, ein wenig unsicher, hat wohl eine Verletzung:
B: Da kommt schon der Nächste!
A: Ja, C, wie geht´s dir. Gell, dein Holzbein will nicht so wie
sonst?
C: Nein, ein Holzbein hab ich nicht, nur gestern Training gehabt. Bis
Sonntag ist alles wieder in Ordnung. Witzbold, mit einem Holzbein Fussball
spielen!
B: Ich kenn welche, die spielen mit einem Holzkopf und treffen alles,
was sich bewegt!
A: Was soll das heißen?
B: Wer so einsteigt wie du, ohne Rücksicht auf Verluste, der muß
einen an der Schale haben!
A: Das sagt auch nur so ein Weichei wie du, das bei jedem Foul zum
Schiri rennt. Schau dir den C an, der humpelt um kommt trotzdem zum Gespräch.
C: Das Gespräch mit Vorstand ist doch jetzt gleich. Der
braucht einen guten Fußballer wie mich. Ich kämpfe immer bis
zum letzten und ich kann gute Pässe spielen.
B: Und dann hast du das Inserat gelesen und gedacht, du könntest
hier antanzen und ein bisschen was extra bekommen. Zu A: hier gibt´s
doch was extra, oder?
C: Mit´m Lesen hab ich´s nicht so, die Frau hat mich geschickt!
A: Ich denk doch, das was extra gibt. Immerhin war das Inserat in der
Zeitung gestanden! (faltet Inserat auf) „Fussball-Spieler für
Verein gesucht. Lohnt sich bestimmt!"
B: Aber Leute, seht´s realistisch, am besten, ihr laßt
mich gleich vor. Ich hab in der letzten Saison 23 Tore geschossen, da kommt
keiner von euch hin!
A: Ich hab mindestens 23 Tore verhindert, und du hast in den letzten
Jahren gegen mich kein einziges Tore gemacht!
B: Ich renn jedem davon, bloß bei so einen unfairen wie dich,
der einem das Bein schnell noch durchhaut! So was hab ich noch nie gesehen.
Beim nächsten Mal, das versprech ich dir, mach ich eines mit der linken
Arschbacke. Wirst sehen!
A: Du magst schnell sein und deine Tore machen, aber als Stürmer
bist du allein gar nix.... Merk dir das einmal! Die Tore werden vorne gemacht,
die Spiele hinten gewonnen! Wir Verteidiger sind die wichtigsten Leute
in einer Mannschaft! Hast ja vor zwei Jahren gesehen! (macht knackendes
Geräusch und dazugehörende Bewegung)
C: Nein, Kumpel, du wickelst da schief! Der Mittelfeldmann ist der
wichtigstes Spieler, weil ich die Bälle nach vorn bringe und nach
hinten auch grätsche. Außerdem stehen auch schon 7 Tore auf
meinem Konto! Wenn´s euch nix ausmacht, ich gehe mal kurz rein, weil
meine Frau wartet im Auto draußen und wir müssen noch die Oma
besuchen...
A:B: Uns machst´s aber was aus!
A: Du wartest wie alle anderen. Außerdem war ich zuerst da!
D: kommt von der anderen Seite, Im Anzug: So, mir wären jetzt
soweit. Wer ist denn jetzt unser Superfussballer?
A,B,C (heben die Hand) „Ich!"
Predigt
Liebe Gemeinde,
wie wird er sich entscheiden, der Vorstand des Vereines, der hier seinen
Superfußballer sucht.
Die drei Helden des Rasens sind sich einig: „ICH" - schreit jeder.
Jeder der drei glaubt, er wäre exakt der richtige Mann, der einzige
gute Spieler auf dem Grün. Und: die anderen sind eigentlich
zu gar nichts wirklich zu gebrauchen. So hauen sie sich da im Vorzimmer
des Präsidenten gegenseitig in die Pfanne - keiner lässt am andern
ein gutes Haar.
Wann man den dreien so zuhört, könnte man glatt vergessen,
dass sie alle den gleichen Mannschaftssport ausüben, bei dem man eben
nicht nur stürmende Ballartisten braucht. Er braucht ja vorne und
hinten fähige Leute und ein solides Mittelfeld.
Klar: Der Präsident wird alle drei einstellen müssen, wenn
er ein Team möchte, das auch Chancen auf Erfolg hat.
Ich möchte mit ihnen mal überlegen, ob es solche Typen wie
die drei nicht auch außerhalb des Platzes gibt, im alltäglichen
Leben ... und in der Kirchengemeinde.
Der Bremser
Als erstes kam einer auf die Bühne, der steht ziemlich oft hinten
drin im Spielfeld. Verteidigt das Tor, bremst die gegnerischen Spieler,
sichert den Strafraum ab. Je nachdem, wie es sich ergibt, spitzelt er den
Ball ins Aus oder geht mal härter rein um ein Gegentor zu verhindern.
Ein ziemlich konservativer Typ, denn er verhindert Veränderungen -
vor allem was die Zahl der kassierten Tore angeht. Auch wenn er mal reingrätscht,
macht er das eigentlich nicht aus bösem Willen, sondern aus Vorsicht,
es soll hinten ja nichts anbrennen, bloß dass nichts schiefgeht.
In einer Kirchengemeinde gibts auch viele solcher Verteidiger. Sie sind
vorsichtig, sie schauen skeptisch, wenn sich im Leben, im Spiel der Gemeinde,
etwas schnell verändert. Da warnen sie: Passt auf! Das könnte
schiefgehen, der Schuss kann nach hinten losgehen. Wenn der Pfarrer, oder
die Jugend etwas Neues ausprobiert, passt ihnen das nicht immer. So ein
Verteidiger hat seine Bedenken, wenn man im Gottesdienst englische Lieder
singt, wenn eine Jugendband zu laut Musik macht, oder wenn manches nicht
mehr so ist, wie er es schon immer gekannt hat.
Wenn die Vorstopper der Gemeinde in Aktion treten, tuts manchem Stürmer
schon mal weh. Da wird möglicherweise jemand im vollen Lauf ausgebremst.
Die Ausputzer haben nicht immer den besten Ruf. Auch in der Kirchegemeinde
sind nicht alle froh darüber wenn jemand da hinten bremst, wenn jemand
fragt, ob die Kirche von heute wirklich so modern sein muss; ob sie jeder
Moder hinterherrennen soll.
ABER: Die Verteidiger wissen: Ein Spiel muss man von hinten heraus
langsam aufbauen. Nur vorpreschen nützt nichts, zu schnell fängt
man sich sonst ein Gegentor ein. Auch wenn es manchen nicht immer passt:
Wir brauchen die Bremser, die Verteidiger in der Kirche.
Der Stürmer
Nun zum nächsten Kameraden: Der Superstürmer mit seinen 23
Toren in der letzten Saison. Respekt, der Kerl will was erreichen, er hängt
sich rein, lässt sich auch kaum bremsen in seinem Tatendrang. Er fühlt
sich dafür zuständig, dass sich was tut auf dem Feld und der
Ball im gegnerischen Netz zappelt. Dann kassiert er den Ruhm und den Respekt:
Schließlich ist er der Torschütze, kann den Sieg oder sogar
den Aufstieg für sich verbuchen.
Diese Stürmer kenne ich auch in der Kirchengemeinde. Das sind
Leute, die hängen sich wirklich rein. Sie sind immer und überall
dabei. Die kennt man, weil sie immer präsent sind und was tun. Sie
krempeln die Ärmel hinter, wollen etwas für die Gemeinde tun.
Mit einem 1 zu 1 sind sie nicht immer zufrieden: Es soll vorwärts
gehen. Sie überlegen sich, wie die Kirche von heute attraktiv bleiben
kann, oder attraktiver werden kann. Unter ihnen sind auch christliche Ballartisten.
Sie haben kreative Ideen: Sie schlagen vor, wie der Kindergarten noch schöner
werden kann, entwickeln Einfälle für die Jugend und die Senioren.
Und sie sorgen dafür, dass der Pfarrer sich nicht allzu gemütlich
auf den Lorbeeren ausruhen kann.
Die Stürmer - und ich muss sagen: bei uns sind das sehr oft Stürmerinnen
- sind wichtig für eine Gemeinde, wie für eine Fußballmannschaft:
Ohne ihr Engagement wären wir vielleicht schon abgestiegen.
ABER: Das Verhältnis von Bremsern und Stürmern ist nicht so
ganz unproblematisch. Wer vorne die Punkte und Erfolge einheimst, könnte
denken, dass er der einzige ist, der etwas für die Gemeinde tut. Das
haben wir ja vorhin deutlich gesehen.
Das Mittelfeld
Und dann war da noch Spieler Numero drei: Im Mittelfeld spielt der.
Er ist engagiert bei der Sache, aber Fußball ist für ihn nicht
die einzige Beschäftigung. Sogar zum Bewerbungsgespräch beim
Vorstand kommt er eher nebenbei: Die Frau wartet unten im Auto, die Oma
will noch besucht werden. Aber ein halbseidener Fußballer ist er
trotzdem nicht: Er weiß: Ohne mich geht nix.
Er ist zuständig für die Pässe nach vorne; wenn er nichts
bringt, verhungert der Sturm. Und wenn er nicht ernsthaft in die Zweikämpfe
geht, steht der Gegner in Nullkommanix vorm eigenen Strafraum.
Ich habe mir überlegt, ob wir auch solche Mittelfeldspieler in
der Gemeinde haben. Hm, was macht denn so nen Mittelfeldspieler aus?
Ein Allroundtalent, das zur Stelle sind, wenn es gebraucht wird.
Jemand der will, dass es vorwärts geht, aber weiß, dass
andere besser als er selber Tore schießen kann.
Ja, die Mittelfeldspieler gibt es schon, auch in Gollhofen. Sie wissen,
dass sie zur Kirchengemeinde gehören, sind da, am Sonntag, wenn Arbeit
ansteht, dann langen sie ohne großes Aufsehen mit hin. Sie haben
nicht die Zeit oder Energie immer ganz vorne mitzuspielen, aber sie wissen,
dass sie mit dazugehören. Denen ist die Kirche nicht Wurst, auch wenn
sie in manchen Spielen nur wenig Ballkontakt haben.
Alle gehören zur gleichen Mannschaft
Liebe Gemeinde,
wir haben vorhin in der Lesung gehört, wie der Apostel Paulus
die christliche Gemeinschaft versteht. Er spricht vom Körper, der
ganz verschiedene Teile hat; jedes mit seiner eigenen Aufgabe. Aber alle
gehören zusammen - ja noch mehr: Erst wenn alle wirklich zusammenwirken,
dann funktioniert der Körper.
Und eben genauso kann ich Gemeinde auch als Mannschaft verstehen: Jeder
einzelne ist wichtig, hat seine Aufgabe. Jeder soll mal an den Ball kommen.
JA, der Ball! Um den dreht sich ja so ein Spiel. Das Spiel der Kirche
dreht sich um den Glaubensball. Der Glaube - das Vertrauen auf Gott - das
soll hier gelebt werden. Soll bewegt sein, soll weitergegeben werden.
Der Ballkontakt ist wichtig: Dass ich merke, wie mein Leben durch den
Glauben verändert wird, ich einen Mehrwert habe.
Hauptsache mitspielen, das ist das Motto in unserer Kirche. Dann ist
es zweitrangig auf welcher Position ich spiele.
Denn wir spielen als Mannschaft, zusammen getragen von dem einen Glauben.
Amen
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