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Liebe Gemeinde.
Wir haben Palmsonntag. Die Evangelienlesung hat davon berichtet: Jesus
geht nach Jerusalem hinein die Leute bejubelten ihn, aber er selbst hat
sich nicht von der Begeisterung mitreißen lassen. Denn er wusste:
eine Woche noch - dann kommt das Kreuz. Und die, die gerade noch mit Palmwedeln
winkten, werden am Freitag " kreuzigt ihn" brüllen.
Jesus auf dem Weg zum Kreuz. Der Predigttext für den heutigen
Sonntag gehört hier hinein. Es ist ein Gebet Jesu, das er kurz vor
seiner Gefangennahme gesprochen hat. Die Jünger waren offensichtlich
dabei, Jesus hat sie mithören lassen - das Gebet war für ihn
etwas sehr persönliches, aber nichts geheimes.
Er hat sich nicht geniert, wenn er mit seinen himmlischen Vater gesprochen
hat. Wir sind da heute deutlich vorsichtiger, wagen es vielleicht nicht
einmal offen zuzugeben, dass wir überhaupt beten.
Wir hören den Predigttext aus dem 17. Kapitel des Johannesevangeliums:
So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach:
Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich
verherrliche;
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus
der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und
sie haben dein Wort bewahrt.
7 Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, von
dir kommt.
8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben,
und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, daß ich von
dir ausgegangen bin, und sie glauben, daß du mich gesandt hast.
Liebe Gollhöfer,
in diesem nicht ganz leicht verständlichen Ausschnitt aus dem
Gebet Jesu sagt er in einem sehr kurzen Sätzchen, was er in der Welt
gemacht hat: ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.
Gott hat also einen Namen - das klingt vielleicht auf den ersten Blick
ganz banal, ist es aber nicht: Wer einen Namen hat, den kann ich ansprechen,
der ist mir ein Gegenüber.
Mit anderen Worten: Jesus hat den Menschen Gott einmal richtig gezeigt.
Hat ihnen vom Willen des himmlischen Vaters erzählt; hat von seiner
unglaublichen Liebe zu den Menschen erzählt ; hat als Zeichen dieser
Liebe Gottes Menschen geheilt und sie von ihren Sünden losgesprochen.
Gott hat ja viele Namen.
Dem Mose beim Dornbusch hat er sich bekanntgemacht als " ich
bin der ich bin", als der Gott der mitgeht.
Für viele Israeliten ist er der Gott der Väter.
Der König David hat diesen Gott anscheinend vor allem als
Guten Hirten erfahren.
Jesus hat den Menschen den Namen Gottes noch einmal ganz neu mitgeteilt
und gezeigt: Eben der Gott der vergibt, der heilt, der versöhnt.
Und als Christ glaube ich, dass diese Namen, die Christus uns kundgetan
hat, die "eigentlichen" Namen Gottes sind.
- Gott mit einem Gesicht -
Durch Jesus Christus hat Gott für uns Menschen einen Namen bekommen,
ein Gesicht, ein Profil. Bei ihm weiß ich, woran ich bin, weiß
von seinen Verheißungen und auch von seinen Geboten.
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Ganz anders sieht es aus, wenn ich mir so manche fernöstliche Religion
angehe. Da gibt's keinen Gott mit einem Namen oder einem Gesicht, auf den
ich mich verlassen könnte. Die endlose Tretmühle der Wiedergeburt
im Hinduismus, wo ich immer genau das ausbaden muss, was sich im vorherigen
Leben verzapft habe, das ist kein Gott, das ist ein gesichtsloser Albtraum.
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Oder wenn ich mir den Umgang der Nazis mit dem, was sie die Vorsehung nannten,
anschaue: das war wohl eher ein beliebig aufblasbarer Taschenspielergott,
den man je nach Bedarf für die eigenen Zwecke hervorziehen konnte.
Dieser Gott hatte keinen Namen, in dieser Zeit gab es andere Namen, die
zählten.
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Und heute? Da wird ganz gerne Gott und Schicksal in einen Topf geworfen:
"Das Schicksal hat so gewollt". Was soll das bloß heißen? Da
kann ich doch gleich Zufall sagen. Denn das sogenannte Schicksal hat mir
noch keiner gezeigt oder erklärt geschweige denn, dass mir jemand
sagen konnte ob das Schicksal überhaupt irgendeinen Plan mit mir hat.
Von daher erscheint mir das Schicksal sowohl gesichts- und namenlos als
letztlich überhaupt kopflos.
Jesus sagt: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart -
allein durch Jesus kennen wir Gott als liebevollen Vater, der sich um uns
sorgt und auch unsere Sünde vergibt.
- Weitergeben -
Dieses Gebet, um das im Predigttext geht, spricht Jesus kurz vor seinem
Tod. Kurz bevor seine Jünger allein ohne ihn zurückbleiben. Und
in diesem Gebet Jesu wird auch deutlich welche Aufgabe seine Jünger
haben werden:
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben und
sie haben sie angenommen. Sie sollen die Botschaft weitertragen.
Sie haben ab jetzt die Aufgabe, den Namen Gottes bekannt zu machen: Von
diesem liebevollen Gott zu erzählen - das Evangelium zu verkünden.
Eigentlich ein unmöglicher, unerfüllbarer Auftrag, den sie
letztlich auch nur durch den Beistand des Heiligen Geistes schaffen können.
Von ihnen ist in dieser Auftrag auf uns alle Christen übergegangen
- nicht nur auf die Pfarrer. Wir sollen das Erhaltene weitergeben an die
Generationen nach uns und auch an die Menschen um uns herum..
- Beispiel der Ersten
Christen -
Ganz eindrücklich finde ich, was die Christen in den ersten Jahrhunderten
gemacht haben. Da gab es bei der Taufe von Erwachsenen die so genannte
"Traditio". (Sie merken, dann kommt das Wort Tradition drin vor).
Wenn sich jemand entschieden hatte, Christ zu werden, dann wurde ihm
einige Zeit vor seiner Taufe feierlich das Glaubensbekenntnis vorgesprochen.
In der folgenden Zeit, und oft war das ein ganzes Jahr, machte er sich
mit dem Glauben und dem Gottesdienst vertraut. Liebe Konfirmanden und Präparaten
- so etwas müsste euch eigentlich bekannt vorkommen...
Nach dieser Zeit kam in der Osternacht dann der große festliche
Gottesdienst: er sprach zusammen mit den anderen Täuflingen das Glaubensbekenntnis,
dass er ein Jahr zuvor gehört hatte. (So etwas Ähnliches kennen
manche Konfirmanden noch als Konfirmanden-Prüfung). Danach wurde er
getauft.
Der Glaube, das Vertrauen auf diesen Gott der einen Namen hat, dass
kann man nicht vererben. Das muss man weitergeben, das will erlernt, ausprobiert
und eingeübt werden.
- Die Problematik -
Das ist aber gar nicht so einfach. Die Muttersprache erlernt man ziemlich
zügig und zuverlässig, der Bauernsohn rumpelt schon mit
zwei Jahren auf seinem Plastik-Bulldog über den Hof - aber dem Glauben
lernen? Im Konfirmanden-Unterricht damit anzufangen wäre zu spät.
Aber gerade im städtischen Bereich merkt man, dass christliche
Traditionen abbrechen, das die Kinder aus dem Elternhaus manchmal gar nichts
mehr mitbringen. Manchmal selbst dann nicht, wenn die Eltern sich eigentlich
ernsthaft als Christen verstehen.
Vielleicht liegt es daran, dass der Glaube so sehr als Privatsache
gesehen wird, dass er ganz in der Innerlichkeit verschwindet - dass man
von außen zu gut wie nichts davon mitbekommt. Wenn der Papa nur alleine
im stillen Eckchen betet, damit es keiner mitbekommt, wie soll die Tochter
dann das lernen? Da helfen dann auch pädagogische Erklärungen
über den lieben Gott nicht besonders viel.
Sie kennen vielleicht die ultimative Erzieher-Weisheit: "Erziehung ist
sinnlos, Kinder machen sowieso alles nach".
Ich glaube, und sage mir das auch immer wieder selber: Wenn ich meine
Beziehung zu Gott auch mal nach außen erkennen lasse, in meinen Worten
und in meinem Handeln, dann bin ich auf dem besten Weg den Auftrag der
Jünger Jesu zu erfüllen.
- Der Mehrwert -
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben und
sie haben sie angenommen. Es lohnt sich, das Evangelium weiterzusagen.
Nicht unbedingt wegen der Moral im Land - das würden Philosophen
und Ethiker auch irgendwie hinkriegen.
Nicht unbedingt weil die Kirche aufrechterhalten werden muss
- wenn die verschwindet, haben Archäologen der kommenden Zeiten wenigstens
etwas zu tun.
Sondern weil der Glaube ein Schatz ist für denjenigen,
der ihn hat. Zuversicht, Kraft und Hoffnung, ziehe ich aus meinem Glauben
an diesen Gott, den Christus uns bekanntgemacht hat.
Und wenn ich meinen Kindern, Enkeln oder Bekannten davon weitergebe,
mache ich Ihnen eigentlich ein großes Geschenk.
Man hat was davon! Gestern habe ich im Seniorenkreis die Aufzeichnungen
von Pfarrer Stahl über die Schreckenstage Anfang April 1945 gehört.
Und an einer Stelle kam mir dieser Predigttext wieder in den Kopf.
Die Eintragungen vom 7. April, dem Tag nach den schlimmsten Angriffen enden
mit folgenden zwei Zeilen:" Unsere einzige Zuflucht ist und bleibt unser
treuer Gott. Gott sei Dank, dass man das aus dem Mund so vieler unserer
Heimgesuchten hört."
Und der Friede Gottes welche höher ist das alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
AMEN
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