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Mose, Sara und David im Seniorenkreis

Dieses Stück wurde geschrieben für das 25-Jährige Jubiläum des Feierabendkreises (=Seniorenkreis) in Herzogenaurach.

Die drei biblischen Senioren Sara, Mose und David begegnen sich. Sie lieben und necken sich, lassen erkennen, dass sie eigentlich einen Seniorenkreis bräuchten. In der Form einer Quizshow umkreisen sie dann die "zentralen Gehalte" eines Seniorenkreises.

Warnung: Ich weiß nicht, wann der Gag "Ökosteuer" in dem Stück sein Verfallsdatum überschritten hat.

 

Die Darsteller:

- Sprecher

- Sara

- Mose

- David

Der Prolog (Sprecherin)

Wenn sich heute „ältere Damen und Herren“ treffen, dann sind sie im Schnitt vielleicht so was um die 75 bis 80 Jahre alt. Es gab, Zeiten da war das Durchschnittsalter diverser Altherrenriegen beträchtlich höher: Ich erinnere nur an Methusalach, der erst mit 187 Jahren Vater wurde, und sich dann mit stolzen 969 Jahren zu seinen Vätern legte.
Völlig unverständlich, dass man es so lange aushalten kann, wenn alle 25 Jahre eine neue Generation Enkel nervt, mal wieder eine Eiszeit auf die andere folgt; man mittlerweile die siebte Silvesterparty zum Jahrhundertwechsel geplant hat und vor allem: Wenn es keinen Feierabendkreis gibt.
Das scheint überhaupt des Graue an der sogenannten „grauen Vorzeit“ zu sein: Das Fehlen des Herzogenauracher Feierabendkreises.
Vielleicht hätte Kain den Abel nicht erschlagen, wenn er zur Entspannung im Martin-Luther-Haus einen Tee getrunken hätte. Vielleicht hätte der babylonische König Nebukadnezar Jerusalem niemals dem Erdboden gleichgemacht, wenn er dort einen schönen Feierabendkreis mit netten Leuten vorgefunden hätte. Bestimmt hätte er sich dazugesetzt, in ein Stück Kuchen gebissen und seine Soldaten heimgeschickt zu Frau und Kind.
Nun gut - sie haben recht: Es hat ja von jeher Treffen von Senioren gegeben, aber so herausragend organisiert wie der Herzogenauracher Feierabendkreis ist, war noch nie einer. Vielmehr mussten sich die biblischen Ur-Väter und Ur-Mütter selbst ihr Programm stricken. Sehen wir uns das doch einmal an:

Ich darf ihnen vorstellen:
Sara, seit einer Woche 122 Jahre jung. Mit Abraham verheiratet, Landwirtin.
Mose, aktuell gerade 115 Jahre alt, von Beruf ursprünglich adoptierter Königssohn, jetzt eher berufsmäßiger Dissident, Pfadfinder, Gesetzesschreiber, Volksführer ... irgend sowas.
Und zuletzt David, mit 65 Jahren der Jungspund in diesem Kreis. König von Israel und Juda.

Mal sehn, was sich bei ihnen so tut....

Das Spiel beginnt

alle drei sind bereits heftig ins Gespräch vertieft, das langsam lauter und verständlicher wird.
David: ...die prekäre Lage wird sich ja auf lange Sicht nicht ändern. Darum muss ich etwas für meine Staatsfinanzen tun. Ich denke, ich komme nicht drum herum, ich muss mal wieder ein neues Land im Osten erobern. Vielleicht das Land der Amalekiter, Ich glaube, die haben ganz gute Goldminen im Land.
Mose: Lieber David, das ist nicht gut. Ich habe damals unter dem Schutz des Herrn das Land Kanaan in Besitz genommen. Das ist unser Land, damit solltest du dich zufrieden geben. Ich denke, so eine Osterweiterung bringt nichts. Nur Ärger und Folgekosten! Ich habe eine andere Idee: Ich denke da an so eine Art Ökosteuer für Kamelfutter. So etwa einen Silberling auf pro Strohballen. Damit könntest du ...
Sara: Ich glaube ihr spinnt! So einen Unsinn können doch nur Männer jenseits der 100 Jahre reden. Was ist mit mir als Landwirtin? Ich bin auf die Kamele angewiesen, die brauchen nun mal 1 Strohballen pro Tag! Immer wir - die kleinen Leute vom Land - sollen Geld abdrücken, wenn du, mein lieber König David dich finanziell übernommen hast. Schau doch deinen Beamtenapparat an - so was hat Mose damals nicht gebraucht. Und deine goldenen Wasserhähne in deinem Palast erst!! Dabei werden Wasserleitungen erst in 300 Jahren erfunden!
David: Ach was... Weib, ... du weißt doch gar nichts von der Welt..
Sara: Ha, du mit deinen läppischen 65 Jahren Lebenserfahrung! Werde erst mal 122, dann können wir uns nochmal sprechen.
Mose: Bitte beruhigt euch wieder. Es ist doch immer das selbe, wenn die Leute nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen, streiten sie über Lapalien. Kommt, lasst uns etwas spielen! Das entspannt die Nerven.
David: Au ja,
Sara: Fein, aber was?
David: Wie wäre es mit einer Quizshow? - Der Große Preis oder so?
Sara: Prima, ich bin die Moderatorin Sara de Mol-Pilawa-Meiser. Bitte, meine Kandidaten, nehmen sie ihre Plätze ein!
(Sara weist den beiden zwei nebeneinander stehende Stühle zu. Sie selbst stellt sich hinter ein Stehpult. Alles sehr würdevoll und künstlich)

Sara: Ich beginne mit Ihnen, Herr Mose. Wie viele Punkte wollen sie setzen?
Mose: 12, wie die Stämme Israels.
Sara: Ihre Frage lautet: Nennen sie die drei Söhne von Noah.
Mose: Sem, Ham und Japhet.
Sara: Das ist korrekt. 12 Punkte. Jetzt Sie, König David, wie viele Punkte setzen Sie?
David: Ich setze 20 Punkte.
Sara: Au, da brauche ich eine schwere Aufgabe! (grübelt) Nennen Sie das fünfte bis achte Gebot in richtiger Reihenfolge.
Mose: (triumphierend) Ich weiß es ich weiß es!
David: Sei leise! Ich muss mich konzentrieren..... du sollst nicht töten ....
Mose: (lästernd) ... ja Herr König, wie war das auf den vielen Feldzügen?
David: ...du sollst nicht ehebrechen ...
Mose: (lästernd) ... ja.. da fällt mir Bathseba ein ....gelle?
David: ...du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten ...
Mose /Sara: Falsch!
Sara: Tut mir leid: Du sollst nicht stehlen wäre gekommen. Das sind Null Punkte.
David: Arch, es ist ja auch fies, wenn der da immer reinquatscht.
Sara: So Herr Mose: Wieviel Punkte?
Mose: Mal was leichtes: 7 Punkte bitte, Frau Quizmeisterin.
Sara: Womit hat David den Goliat besiegt?
Mose: (souverän) Mit einer Steinschleuder.
Sara: Richtig
David: Falsch, falsch, falsch!
Mose /Sara: Was?
David: Es war nicht eine Steinschleuder. Es war ein Stein, den ich mittels einer Steinschleuder auf Goliat abgegeben habe. Aber nicht die Steinschleuder hat ihn zu Boden gebracht, sondern der Stein!
Mose: Ach komm du Besserwisser, du kannst nicht verlieren. Gegen dich spiele ich nicht mehr. So ein Humbug!
Sara: Mensch Männer, ihr führt euch auf wie kleine Kinder. Furchtbar. Dann spielen wir eben war anderes.
David: Ich habe eine Idee: „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Ich beschreibe euch etwas, und ihr müsst raten, was es ist. (David steht auf, geht zu Sara ans Pult, schickt sie zu Mose. Beide stelle ihre Stühle so, dass sie nebeneinender mit dem Rücken zum Publikum sitzen)
David: (schaut ins Publikum, die sollten langsam mitbekommen, dass sie beschrieben werden!!)Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ... bunt.
Sara: Josefs Gewand.
Mose: Deine Unterwäsche.
David: Falsch. Mose lass bitte solche ordinären Witze. Ich mache weiter: Ich sehe was, was du nicht siehst, und da kommen viele viele Leute in einem Haus zusammen.
Sara: Eine Tempel-Wallfahrt nach Jerusalem!
David: Leider nein. Ich mache weiter: Ich sehe was, was du nicht siehst, und das sind Menschen, die haben Gefäße in der Hand, da sind dunkle schwarze Flüssigkeiten darinnen. Und sie geben dort ein helles Pulver hinein und rühren darin herum....
Mose: Das sind die Alchemisten aus Ägypten. Die haben damals auch das Wasser im Nil färben können!
David: Leider nein. Ich fahre fort: Ich sehe was, was du nicht siehst, und da gibt es Menschen, die können schlecht Laufen, und die kommen trotzdem durch wundersame Hilfe hierher.
Sara: Ich habs! Die Heilung der Lahmen, Blinden und Aussätzigen!
David: So ein Unsinn! Wieder falsch, ihr müsst euch mehr konzentrieren. Ich sehe was, was du nicht siehst und da gibt es eine Frau, die koordiniert alles, die plant alles und behält den Überblick.
Sara: Das muss die erste Päpstin sein!
Mose: Ich meine: die Königin der Herzen!
David: Nein!
Sara: Die Mutter Kirche, die Mutter Kirche...
David: Neeeeiiinn. Was kann ich denn noch sagen? Ich sehe was, was du nicht siehst und da kommen Menschen, die sagen kluge und geistvolle Dinge, zeigen Bilder, und erklären vieles...
Mose: Die drei Weisen aus dem Morgenland.
David: Ihr steht ja nur noch auf der Leitung! Ich fasse noch einmal zusammen: Es kommen Menschen regelmäßig zusammen, halten Gefäße mit interessanten Flüssigkeiten in der Hand, auch die Fußkranken kommen herbei, eine Frau hat den Überblick, Leute kommen zu Besuch, um interessantes zu erzählen...
Mose /Sara: (zucken mit den Schultern, Schütteln den Kopf)
David: (lächelt in die Menge) ... die sind auch alle richtig fröhlich hier...
Mose /Sara: (im Chor) Ach so, ja dann ist es klar: Der Feierabendkreis in Herzogenaurach!!

(sie stehen auf, alle drei nach vorne, Verbeugung, Schluss)  

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