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Muss man alles haben?
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Andacht zum Thema: Muss man alles haben?

Begrüßung

Einführung in die Stille

- Ich nehme wahr, wie ich sitze, ich stelle die Füße bequem auf den Boden, ich richte meinen Rücken auf.

- Ich lasse die Schultern locker hängen und bewege den Kopf leicht hin und her.

- Ich nehme die Haltung meiner Hände wahr.

- Ich achte nun auf meinen Atem, ich atme ruhig ein und aus, ich lasse den Atem tief in mich hineinfließen und langsam wieder hinausströmen.

- Ich spüre den Rhythmus meines Atems nach und bin für kurze Zeit ganz bei mir.

 

 Einführung Umberto Eco, wie man ein Eis isst

Ich möchte ihnen einen Text von Umberto Eco vorlesen.

Er ist Manchem bekannt von Romanen, wie “Der name der Rose” oder “das Foucault́sche Pendel” - er Ist aber auch Professor für Semiotik in Italien. -

 

Als ich klein war, kaufte man den Kindern zwei Arten von Eis, die es bei jenen weißen Wägelchen mit silberglänzenden Deckeln gab: entweder die Tüte zu zwanzig oder die Waffel zu vierzig Centesimi. Die Tüte zu zwanzig war sehr klein und paßte genau in eine Kinderhand, sie wurde erzeugt, indem man das Eis mit der halbkugelförmigen Eiszange aus dem Behälter holte und auf den eßbaren Waffelkegel stülpte. Die Großmutter riet, nur den oberen Teil dieses Kegels zu essen und die Spitze wegzuwerfen, da sie vom Eisverkäufer angefaßt worden war (aber der untere Teil war der beste und knusprigste, weshalb man ihn heimlich aß, nachdem man ihn nur zum Schein weggeworfen hatte).

Die Waffel zu vierzig wurde mit einer ebenfalls silberglänzenden Spezialmaschine hergestellt, die zwei runde Waffelscheiben gegen einen flachen Eiszylinder preßte. Man fuhr mit der Zunge so lange zwischen die Scheiben, bis sie den in der Mitte verbliebenen Rest nicht mehr erreichte, dann aß man das Ganze mitsamt den Scheiben auf, die inzwischen weich und von Nektar durchtränkt waren. Hier hatte die Großmutter keine Ratschläge zu geben: Theoretisch waren die Waffeln nur von der Maschine berührt worden, praktisch hatte der Eisverkäufer sie zwar angefaßt, um sie zu überreichen, aber es war unmöglich, die infizierte Zone zu bestimmen.

Ich war jedoch fasziniert von einigen Altersgenossen, die sich von ihren Eltern nicht ein Eis zu vierzig, sondern zwei zu zwanzig kaufen ließen. Die solcherart Privilegierten kamen dann stolz mit einem Eis in der Rechten und einem in der Linken daherspaziert und leckten, behende den Kopf drehend, mal von dem einen und mal von dem ändern.

Diese Liturgie erschien mir so beneidenswert luxuriös, daß ich viele Male darum bat, sie ebenfalls zelebrieren zu dürfen. Vergeblich.

Meine Eltern waren unerbittlich: ein Eis zu vierzig ja, aber zwei zu zwanzig auf keinen Fall. Wie jeder sieht, konnten weder die Mathematik noch die Ökonomie, noch auch die Ernährungslehre diese Verweigerung rechtfertigen. Und nicht einmal die Hygiene, wenn man voraussetzte, daß anschließend beide Kegelspitzen weggeworfen wurden. Eine klägliche Rechtfertigung argumentierte wahrheitswidrig, daß ein kleiner Junge, der damit beschäftigt sei, den Blick abwechselnd von einem Eis zum anderen zu wenden, leichter über Steine, Stufen oder Unebenheiten im Pflaster stolpern könne. Dunkel schwante mir, daß es einen anderen Grund geben mußte, einen brutal pädagogischen, den ich aber nicht zu finden vermochte.

Heute, als Angehöriger und Opfer einer Zivilisation des Konsums und der  Verschwendung (was die der dreißiger Jahre nicht war), begreife ich, daß meine Eltern recht hatten. Zwei Eis zu zwanzig statt einem zu vierzig waren ökonomisch gesehen keine Verschwendung, aber sie waren es im symbolischen Sinne. Eben darum begehrte ich sie: weil zwei Eiskugeln einen hemmungslosen Überfluss darstellten. Und eben darum wurden sie mir verweigert: weil sie unanständig wirkten, wie Hohn auf das Elend, Prunken mit falschen Privilegien, prahlerisch ausgestellter Wohlstand. Nur verzogene Kinder aßen zwei Eiskugeln, jene, die in den Märchen zu Recht bestraft werden, wie Pinocchio, als er die Birnenschale und den Griebs verschmäht. Und Eltern, die solche Unarten kleiner Parvenüs auch noch förderten, erzogen ihre Kinder zu dem dummen Theater des »Ich würde ja gern, aber ich kann nicht« oder, wie wir heute sagen würden, bereiteten sie darauf vor, beim Check- in in der Touristenklasse mit einem falschen Gucci-Koffer zu erscheinen, den sie bei einem ambulanten Händler am Strand von Rimini gekauft haben.

Die Fabel droht keine Moral zu haben in einer Welt, in der die Zivilisation des Konsums inzwischen auch die Erwachsenen verschwenderisch haben will und ihnen immer noch etwas mehr verspricht, von der kleinen Uhr an der Waschpulvertonne bis zum Anhänger als Geschenk für den Käufer der Illustrierten.

Wie die Eltern jener beidhändigen Genießer, die ich so sehr beneidete, scheint die Zivilisation des Konsums uns mehr zu geben, aber faktisch gibt sie uns für vier Zehner (im besten Falle) das, was vier Zehner wert ist. Wir werfen das alte Radio weg, um das neue zu kaufen, das einen Kassettenteil mit Autoreverse hat, aber einige unerklärliche Schwächen in seinem Innern sorgen dafür, daß dieses neue Radio nur ein Jahr hält. Der neue Kombiwagen hat Ledersitze, zwei von innen einstellbare Seitenspiegel und ein Armaturenbrett aus Holz, aber er ist viel empfindlicher als der gute alte Cinquecento, der sich, auch wenn er liegenblieb, mit einem Fußtritt wieder in Gang bringen ließ.

Doch die Moral von damals wollte uns eben alle spartanisch haben, und die von heute will uns alle als verschwenderische Genussmenschen.

- Eigene Gedanken

~ Ist es wirklich so, dass mehr auch mehr ist?

~ dass der Überfluss besser ist als Mangel?

~ Oder ist Weniger doch manchmal mehr?!

~ In den deutsche Bestsellerlisten findet sich das Buch “ von der Kunst stilvoll zu verarmen”

=> Er behauptet, dass wahrer Genuss oft im Verzicht auf angeblichen Luxus besteht

~ und die Reihe “Simplify your life” lehrt inzwischen vielen menschen den Gedanken, dass es sinnvoll sein, sein Leben von überflüssigen Dingen zu entrümpeln und dadurch “einfacher” glücklich zu werden

- Die Askese - die Entsagung - die schon im frühen Christentum als eine Tugend angesehen wurde, kehr heute in veränderten Gewand wieder.

~ Auch wenn die Askese für machen heute nicht in der Entsagung jeglicher Genüsse, sondern im verzicht auf einen Zweitwagen besteht

Musik: Thomas D - Frisör

Musikalisch habe ich ihnen einen Wunsch von Thomas Dürr mitgebracht:

Er ist Mitglieder der Deutschen Hip-Hop-Formation Fanta 4 und als Solo-Künstler unterwegs. Verdient gut und ist auch im gewissen Rahmen berühmt.

Aber manchmal sehnt er sich dorthin zurück, wo er einfach und ohne große öffentliche Bewunderung sein ursprüngliches Handwerk ausübte:

Ich wär so gerne wieder Friseur

- Musik: Thomas D . Ich wär so gerne wieder Friseur

 

  Der reiche Kornbauer

ich möchte ihnen eine ganz bekannte biblische Geschichte vorlesen

vielelicht achten sie einmal darauf, was Jesus außer der Geschchte vom reichen Kornbauern in Rahmen über das Besitzen von Dingen sagt:

Lk 12,                            

Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt? Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat.

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte  und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!

Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

 

Ruhe zum Nachdenken

- Anstoß: Gibt es Grund, darüber froh zu sein, dass man nicht alles hat

 - dazu Musik Brennan - Show me

 

Gebet

Ich bete mit den Worten eines Gedichtes: von Annemarie Schnitt

Weniger ist mehr

 

Herr, hilf mir

mich sammeln

um einzusammeln

 

in mich gehen

um außen zu bestehern

träumen

um wach zu werden

Bilderbuchbuntes

auf den Punkt bringen

und zu lernen

immer ist weniger mehr

 

- Vaterunser

- Segen

- Musik zum Abschied:

 

Ablauf

- Menschen bringen ihre Kerzen mit zum Andachtsraum hinauf

- Musik   

- Begrüßung / Abstellen der Kerzen

- Entspannungsübung

- Einführung:: Umberto Eco - Wie man ein Eis isst

- Kurze Stille

- Eigene Gedanken

- Musik: Thomas D - Friseur

- Der reiche Kornbauer

- Anstoß: Gibt es Grund, darüber froh zu sein, dass man nicht alles hat

  - Musik MaireBrennan - Show me

 - Kerzen entzünden

- Gebet

- Vaterunser

- Segen

- Musik zum Abschied: 4 Strings - take me away

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