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... und Eva grillte. - Von Alexander Deeg
Es ist ziemlich lange her. Adam hatte gerade gelernt, wie man Bäume fällt und zerlegt. Und Eva schaffte es zum ersten Mal, mit diesen zerlegten Bäumen und mit zwei Steinen Feuer zu machen und an einem Stab
Zucchinischeiben zu grillen. Adam war so begeistert von seiner Idee, daß er durch die Wälder des Paradieses zog und fällte und fällte. Und Eva grillte und suchte neue Zucchini, und weil es bald keine mehr gab,
grillte sie auch Auberginen und Paprikaschoten. Und Adam fällte, und Eva grillte.
Und Gott oben im Himmel runzelte die Stirn. Hatte er sich anfangs noch mit den beiden gefreut über ihre neuen Entdeckungen, so wurde er jetzt immer ernster. Der Wald wurde kahler, das Gemüse ging zur Neige. Aber Adam
fällte, und Eva grillte.
Und Gott ärgerte sich. Hatte er die beiden dazu gemacht, daß sie jetzt wie die Wilden fällen und grillen? Wollte er nicht, daß sie miteinander reden und spielen und zärtlich sind? Daß sie sich hinsetzen auf das Moos
und den Vögeln zuhören? Daß sie baden im See und mit den Katzen spielen? Aber Adam fällte, und Eva grillte.
Und da sagte Gott zu Eva, die gerade entdeckt hatte, daß sich auch Tomaten grillen lassen, und zu Adam, der schweißüberströmt neben einer gefällten Buche stand: „Wißt ihr eigentlich, was ich tat, nachdem ich Euch und
die ganze Welt geschaffen habe? Ich habe die Beine ausgestreckt und mich ausgeruht. Macht das doch auch! Wenigstens einen Tag in der Woche! Das tut Euch gut - und der Welt sowieso. Ich habe Euch doch nicht nur zum
Fällen und zum Grillen geschaffen, sondern zum Spielen und Lieben und Zeit haben!"
Der Autor Pfarrer Alexander Deeg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl
für Praktische Theologie in Erlangen und per E-Mail erreichbar.
Zeit schenken - Von Maria Stettner
Es gibt Tage, die sind anders aIs andere Tage.
Als Kind ist mir das besonders bewusst geworden an meinem Geburtstag. An diesem Tag galten andere RegeIn aIs sonst. Die kleinen Aufgaben im Haushalt wurden von den Geschwistern übernommen und ich hatte Zeit, diesen
Tag wirklich zu genießen. Jede Minute auszukosten. Der Geburtstag gehörte mir.
Als ich schon älter war, habe ich einmal ein besonderes Geschenk zum Geburtstag bekommen. Jemand hat mir "Zeit" geschenkt. Zeit, nur für uns beide. Zeit, die nicht von der Alttagshektik verscheucht werden
konnte, denn sie war ja geschenkt. Und diese geschenkte Zeit zu zweit habe ich sehr genossen.
Denn viel häufiger erlebe ich in meinem Alltag, daß nicht ich "Zeit habe", sondern daß die Zeit mich hat. Sie jagt mich, sitzt mir mit der Stoppuhr im Nacken. Schnell noch dies erledigen und das besorgen.
"Ich habe keine Zeit", höre ich mich viel zu oft sagen. "Hätte Gott nicht die Tage ein bißchen länger machen können?" schießt es mir durch den Kopf. "Ich bräuchte dringend mal ein Pause
zwischendrin. - Wenn Gott mir mal ein Geschenk machen würde, dann sollte er mir "Zeit" schenken." Zeit, die mich nicht hetzt, sondern in der ich zur Ruhe kornmen kann. Ab und zu einen Tag, der anders
ist als die anderen Tage.
Ab und zu einen Sormtag, damit nicht alle Tage Werktage sind.
Die Autorin Dr. Maria Stettner ist Pfarrerin in Bamberg, Ihre Homepage: Treklang
Heute mach ich blau - Von Christine Stark
"Heute mach ich blau!", sprach der liebe Gott und legte sich in die himmlische Hängematte. "Gute Idee!" riefen die Menschen, ließen den Hammer fallen und lebten in den Tag hinein. Und weil es
derselbe Tag war, konnte man etwas Gemeinsames unternehmen: ausgiebig Frühstücken, lange Spaziergänge, ein fröhliches Fest... - oder einfach Gott ein paar Lieder singen und danken, dass er selbst soviel Zeit damit
verbrachte, anderen Zeit zu schenken. Nur komisch, dass manche das heute nicht mehr so sehen. Hektisch und rastlos sind wir geworden; unruhig zwischen Arbeits-, Shopping- und Freizeitstress hin- und herjoggend.
Nicht, dass ich etwas gegen Bewegung hätte - aber etwas Ruhe ist auch nicht schlecht: Zeit zum Kaffeeklatsch, Zeit, mit einer lieben alten Freundin zu telefonieren, Zeit einfach so. Schade nur, wenn dann die anderen
nicht könnten, weil sie in einer Woche mit sieben möglichen Werktagen lebten und ihren freien Tag an einen anderen Zeitpunkt verlegt hätten.... Wie gut, dass es den Sonntag gibt, an dem der Hammer liegen bleibt und
Zeit für anderes als Arbeit ist: für meine Freundin, für meine Familie und auch für mich allein in einer Hängematte. Wie gut, dass es den Sonntag gibt - Gott sei Dank!
Autorin: Pfarrerin Christine Stark
Atempause - Von Nikolaus Hueck
In den letzten Jahren habe ich in einer Dresdener Altbauwohnung gewohnt: Hohe, helle Räume, aber auch - wie es eben in Altbauten so ist - lange Treppen mit vielen Stufen. Meine Nachbarin dort war eine freundliche,
bereits sehr alte Dame. Ihr machten die vielen Treppenstufen hörbar Mühe. Oft konnte ich sie schon von ganz unten an hören, wie sie schwer und angestrengt atmen mußte, um alle drei Stockwerke zu ihrer Wohnung zu
bewältigen.
Dazwischen aber nahm ich in regelmäßigen Abständen eine Stille wahr. Die Frau hatte sich auf jeden der großzügigen Treppenabsätze einen kleinen Hocker gestellt, um dort ausruhen, durchatmen zu können. Sie ließ sich
viel Zeit, bevor sie den nächsten Treppenabsatz in Angriff nahm. So bewältigte sie Stufe um Stufe, Absatz für Absatz.
Solche Rastplätze hat nicht nur sie nötig. Auch ich brauche Pausen, in denen ich mich aufrichten, in denen ich aufatmen kann. Und zwar regelmäßig, so daß ich mich darauf verlassen kann.
Gott gönnt uns Menschen eine solche Atempause. Dazu ist bei uns der Sonntag da. Ich wünsche mir, daß wir auf diesen Feiertag genauso viel Sorgfalt verwenden, wie meine Nachbarin auf ihre Pausen beim Treppensteigen.
Den Autor Dr. Nikolaus Hueck wohnt in Augsburg und betreibt eine Homepage mit eigener Software für Palm
Die schönsten Pausen sind lila... - Von Susanne Haeßler
Die schönsten Pausen sind lila... und mit dem richtigen Pausensnack in der Hand, so verheißt mir die Werbung, wird sich das richtige, echte Pausengefühl ganz unwillkürlich einstellen. Ich schließe die Augen und bin
bei der lila Kuh auf der Weide. Kurzurlaub mitten im Alltag.
Kurzurlaub mitten im Alltag, das brauche ich immer wieder. Eine Verschnaufpause, Zeit zum Atemholen. Die Bibel erzählt, dass Gott selbst sich eine Pause gegönnt hat. In der uralten Erzählung von der Erschaffung der
Welt heißt es: „Am 7. Tag ruhte Gott von allen seinen Werken.“ Gott gönnt sich eine Pause und er gönnt den Menschen eine Pause. Er schenkt ihnen einen Pausentag, den Sonntag. Weil er weiß wie nötig wir diese Pause
immer wieder brauchen, um Menschen zu bleiben und nicht zu Arbeitstieren zu werden.
Schade, wenn wir uns diesen Pausentag nehmen lassen und ihn zu einem „Werk-tag“ machen. Zum verkaufsoffenen Sonntag, an dem in Kaufhäusern und Boutiquen gestresste Verkäuferinnen arbeiten müssen, damit wir uns mit
unzähligen anderen Familien durch die Läden schieben können.
Schade, wenn wir uns selbst und unserer ganze Gesellschaft die Chance nehmen, einmal die Woche wirklich Pause zu machen und zur Ruhe zu kommen.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir den Sonntag als Pausentag neu entdecken, als einen Tag, an dem wir nichts machen, nichts erledigen, nichts leisten müssen. Vielleicht kann ja der nächste Sonntag so ein Pausentag
werden?
Die Autorin Susanne Haeßler ist Pfarrern in Frauenaurach.
Am Sonntag will mein Süßer - Von Werner Anetsberger
Zum Thema Sonntag fällt mir, immer dieses Lied ein: "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn!" Das ist erstaunlich: Ich kann nicht segeln, und der Gedanke bei Windstille irgendwo auf den Weltmeeren
festzusitzen, macht mir Angst. Ich will also gar nicht segeln gehen, und trotzdem immer wieder dieses Lied: "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn!"
Dieses Lied hat was, einen Zauber. Da ist viel Vorfreude! Freitagabendstimmung. Die Arbeit ist geschafft und das Wochenende liegt wie eine süße und geheimnisvolle Frucht vor mir.
"Mein Süßer", "meine Süße" natürlich angefügt, will mit mir ... vielleicht nicht segeln gehn, aber irgendwas Schönes machen. Das ist verheißungsvoll.
Und mein Süßer oder meine Süße hat auch Zeit für mich, hat den Sonntag auch frei. Und wir müssen nicht segeln gehn. Wir wollen. Oder auch nicht. Sonntagsstimmung also. Ansteckend. Ansteckend deswegen, weil man sie
oft auch nicht will, diese Sonntagsstimmung, und dann bekommt man sie doch, wie eine Grippe.
Niemand sagt einem, was zu tun ist, was am Abend geschafft sein soll. Eben kein Werktag, aber dennoch oft ganz schon anstrengend. Oder auch nicht. Ein Tag für das Süße und die Süßen. Oder fürs Sofa. Oder von mir aus
fürs Segeln.
Ohne Öffnungszeiten und ohne Im-Stau-Stehen. Kann man zwar, muss aber nicht. Kennen Sie die trommelnden Hasen aus der Duracell-Werbung, die, ist die Batterie erst mal eingelegt trommelnd losmarschieren, und trommeln,
und trommeln, und marschieren und trommeln Tak - Tak - Tak.
Das Süße am Sonntag ist für mich, dass wir zum Trommeln aufhören dürfen. Oder auch nicht! Oder doch zum Segeln?
Autor: Pfarrer Dr. Werner Anetsberger, München.
Der Klang des Sonntags - Von Alexander Seidel
Jeder Tag hat seine eigenen Geräusche. Das klingt vielleicht recht seltsam, aber ich bin davon überzeugt: Wenn ich nämlich abends, wenn es still wird, den Tag nochmal revue passieren lasse, dann höre sich sie alle
noch einmal.
Am Montag höre ich den heulenden Schleudergang der Waschmaschine, das Klingeln der Straßen bahn, das Rattern der Maschinen auf der Arbeit. Der Dienstag hat seine eigenen Klänge zurückgelassen, wie die anderen Tage
der Woche.
Auch der Samstag: Der ist mir noch in Erinnerung: Die klappernden Rolltreppen im Kaufhaus, die Verkäuferin mit der hektischen Stimme, das Hupen der Autos im Parkhaus und das heulende Kind, das endlich heim wollte.
Welche Töne hinterlässt der Sonntag? - Das Rascheln der Bettdecke am morgen, Schritte einzelner Kirchgänger auf der leeren Straße, das Klimpern des Bestecks im Picknickkorb.
Gottseidank gibt es diesen Tag, der so anders ist.
Den himmlischen Klang des Sonntags, den möchte ich mir nicht nehmen lassen.
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