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Haben Sie Glühbirnen für Taschenlampen?
„Tschuldigung. Haben Sie Ersatzglühbirnen für Taschenlampen?“ Mit dieser Frage bin ich im Herbst durch meine Heimatstadt getingelt. Die Birne meiner Taschenlampe hatte den Geist aufgegeben,
ich brauchte eine neue.
Und in allen möglichen Läden bekam ich ein „Nein“. Mal ein freundliches „Tut mir Leid“, mal hörte ich eher ein derbes „nö, bloß komplette Taschenlampen“. Woanders gabs dann nur Spezialbirnen
für eine teure Nobeltaschenlampe. Die hing da direkt heben den Handies.
Irgendwann hatte ich fast alle diese schicken und modernen Läden in der Hauptstraße durch. Dann fiel mir die Frau Reichelsdörfer ein und ihr winziger Elektroladen in einem kleinen
Nebengässchen. - Gab es den Laden eigentlich noch?
„Guten Abend, haben Sie Glühbirnen für Taschenlampen?“ - Sie lächelt mich an, verschwindet nach hinten. Dann kommt sie wieder. Eine hölzerne Schublade trägt sie; mit vielen vielen Fächern. Und
da drin funkelten Sie: Glühbirnchen. Alle ganz verschieden. - „Na, was für eine brauchen Sie denn?“
Schon bemerkenswert. Das, was ich eigentlich brauchte, habe ich nicht in der bunten, modernen, pulsierenden Hauptstraße gefunden. Die Dinge, die das Leben wirklich hell machen, denen begegnet
man eher in den ruhigen Ecken. Dort überdauern sie die Zeiten, warten darauf, von mir entdeckt zu werden, wie die lustig funkelnden Glühbirnen.
Fröhliches Entdecken wünscht ihnen Alexander Seidel.
Mit Papa in der Badewanne
Johanna ist furchtbar wasserscheu. Mit eineinhalb Jahren ist unsere Tochter eigentlich ein Mädchen, dem vor fast nichts graut, außer vor der Badewanne.
Manchmal geht gar nichts mehr: Mit Händen, Füßen und großem Geschrei wehrt sie sich gegen das Bad in der Wanne. Da können noch so viele Quietscheentchen ihr entgegenschaukeln.
Da hilft nur eines: Der Papa muss in die Badewanne steigen. Wenn ich dort drin sitze, sieht für die kleine Johanna die Wannenwelt ganz anders aus: Dann traut sie sich
hinein ins schaumige Nass. Zuerst noch etwas skeptisch, nach ein paar Minuten fühlt sie sich in der so gefürchteten Wanne pudelwohl: Der Papa ist ja mit dabei.
Ich glaube, das hat sie von mir geerbt: Wenn ich vor irgendetwas Bammel habe, dann bin ich auch froh, wenn jemand mitgeht; wenn ich nicht alleine ohne Schützenhilfe in problematische
Situationen hinein muss.
Oft genug kann aber niemand mit; muss ich alleine irgendwo durch.
Da bin ich froh über einen Satz, den Jesus beim Abschied zu seinen Jüngern gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage“!
Auch da, wo ich scheinbar alleine vor Herausforderungen stehe, kann ich hoffen: Gott ist dabei und hilft mir.
Da gehts mir wie meiner Tochter mit der Wanne: Ein bisschen Unsicherheit ist immer noch da. Aber ich trau mich, weil ich weiß: Da ist einer, der auf mich aufpasst.
Eine behütete Nacht wünscht Ihnen Alexander Seidel.
Der geschenkte Parkschein
Grade wollte ich das Markstück in den Parkscheinautomaten werfen, da ruft eine Stimme hinter mir: „Warten sie, reicht ihnen eine dreiviertel Stunde?“ -
Ich drehe mich um: Eine Frau hält mir ihren Parkschein entgegen: „Den können Sie nehmen, ich bin mit dem Einkaufen eher fertig geworden als geplant.“
Ich habe wohl ein ziemlich überraschtes Gesicht gemacht. Eine wildfremde Frau spendiert mir ihren Parkschein. Damit hätte ich irgendwie nicht gerechnet.
Naja, warum auch nicht? Sie braucht ihn nicht mehr. Ob sie ihn hinter der Windschutzscheibe liegen lässt oder mir gibt, kommt eigentlich aufs Gleiche raus. Sie schenkt mir etwas, was ihr
nichts kostet und mir einen Vorteil bringt.
Komisch: Irgendwo in meinem Kopf sagt so ein schwarzer Kerl: „Lass den anderen seinen Parkschein doch selber zahlen. Du musstest ja auch dafür blechen. - Ja dem andern nichts gönnen. Am Ende
könntest du ja der Blöde sein.“
Und dann gibt es die helle Stimme, die dagegen redet: Komm schon, dir bricht doch kein Zacken aus der Krone, wenn du den Anderen ein Lächeln oder etwas mehr schenkst. Du erfreust einen anderen
Menschen, und du selber wirst dich danach bestimmt viel besser fühlen.
Wahrscheinlich haben sie es auch schon erlebt, dass diese zweite Stimme Recht hat.
Dem andern eine Freundlichkeit erweisen, die Tür aufhalten oder etwas Nettes zu sagen, macht zwei Menschen für die nächsten Minuten fröhlicher.
Vielleicht klapptśs morgen mal wieder. Das wünscht ihnen Alexander Seidel.
Suchet und ihr werdet finden
„Suchet und ihr werdet finden“ - diesen Satz muss ich mir manchmal anhören, wenn ich irgendetwas in meinem Arbeitszimmer verlegt habe und es einfach nicht finde. „Suchet, und ihr werdet
finden“, so schallt es dann aus der Küche. Schon ein bisschen mitleidig hört sich das an. Meine Frau wollte wahrscheinlich sagen: „Armer Kerl, du findest das sowieso nie mehr“
Eigentlich hat dieser Satz ja einen ganz anderen Sinn: „Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, und ihr werdet finden“ - Das hat Jesus gesagt, und er wollte da niemanden bemitleiden. Er wollte
Mut machen. Mut zum Suchen und zum Bitten.
Ziemlich vollmundig, was Jesus da versprochen hat:
Du wirst bekommen, was du brauchst - du musst nur darum bitten.
Genauso wirst du finden, was dir fehlt, wenn du nur wirklich suchst.
Ich würde mich nicht trauen, so etwas zu sagen. Ich kann ja nicht garantieren, dass das dann auch klappt. Nachher kommen vielleicht die Beschwerden.
Jesu hat es trotzdem gesagt. Und das fordert mich immer wieder heraus. Es auszuprobieren; mich auf dieses Wort zu verlassen. Ich weiß dann auch nicht, ob alles so kommt, wie gewünscht und wie
gesucht.
Ich denke: Wenn Jesus nie gesagt hätte „Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, und ihr werdet finden“ - Dann hätte ich auch nie die Erfahrung gemacht, wie spannend es ist: Darauf zu hoffen,
dass Gott mir hilft - weil er es eben versprochen hat.
Einen schönen Abend wünscht ihnen Alexander Seidel
Eiszeit
Können Sie sich noch an die letzte Eiszeit erinnern? - Ich meine: die letzte Eiszeit zwischen Menschen? Wenn Beziehungen abkühlen und einfrieren - meist weil irgend etwas vorgefallen ist. Da
geht man sich dann aus dem Weg , weil jedes Zusammentreffen wieder ein unangenehmes kaltes Gefühl über den Rücken jagt.
Wenn sich Menschen begegnen, zwischen denen so eine Eiszeit herrscht, dann sieht man das manchmal von außen. Die bewegen sich dann anders, steifer, eben eingefrorener. Ein Lächeln ist nahezu
unmöglich, die Augen starren auch gerne immer am Anderen vorbei. - Eiszeit. Man hat sich eigentlich nichts mehr zu sagen. Auf den Anderen wieder zugehen? - Unmöglich!
Die Dinosaurier sind in der Eiszeit ausgestorben. Menschliche Eiszeiten gehen auch uns an die Substanz. Wohl fühlt sich dabei nämlich niemand.
Ich finde es wunderbar, wenn solche Eiszeiten auch wieder aufhören. Wenn Menschen wieder auftauen, wieder ein echtes Gespräch miteinander versuchen. Oft ist manches dabei noch etwas ungelenk
und steif. Und so manche Frostbeule tut noch lange immer wieder weh.
Ich glaube: Wenn ich bereit bin, dem anderen seine Fehler zu vergeben, dann ist das der erste und wohl auch wichtigste Schritt aus einer
Eiszeit. Wenn ich verzichte, alles noch einmal nachzukarten, dann habe ich für meine Seite den Thermostat schon mal hochgedreht. Dann können alte Freunde wieder miteinander warm werden.
Eine gute Nacht, wünscht Ihnen Alexander Seidel.
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