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Radioandachten im Sommer 2008 auf Radio 8 und Radio Bamberg

 

Auf der Autobahnbrücke

Ich hatte gar kein gutes Gefü hl, als meine Tochter mit ihrer Kindergeburtstagsgruppe unbedingt auf die Brücke wollte: Auf die Autobahn wollten sie runterzugucken. Eine wild winkende, jubelnde und kreischende Grundschülerinnen -Horde.Ich habe nur gehofft: Hoffentlich passiert da nichts. Nicht dass einer der Fahrer auf der Autobahn eine Vollbremsung hinlegt, weil er denkt, das da oben wären steineschmeißende Attentäter.

Genau das Gegenteil passierte: Fast alle Autofahrer reagierten - sie winkten zurück oder hupten fröhliche Rhythmen. Bei einem Reisebus mit Senioren bekamen die ersten sechs Ritzreihen einen Wink-anfall. - Ein ausgelassenes Spektakel -
Die Mädchen freuten sich ü ber die Reaktionen der Autofahrer - und die Leute auf der Autobahn waren anscheinend erfreut über diese Abwechslung während der langweiligen Reise zwischen Würzburg und Ulm.

Und ich stand daneben und wunderte mich nur noch: Ich hätte nie mit so etwas gerechnet. Mit so viel Vertrauen, dass keiner von denen da oben etwas Böses will.
Und sie haben recht: Diese ewige Skepsis - der notorische Verdacht, dass der Andere was Böses will - verbaut einen oft genug die Chance zu solchen fröhlichen und unbeschwerten Momenten wie an dieser Autobahnbrücke.

 

Vogel in der Kirche

Hat sich doch glatt ein Vogel in unsere Dorfkirche verirrt. Eine Woche lang flatterte er zwischen Orgel und Empore verzweifelt hin und her. Er fand einfach den Ausgang nicht mehr.
Am darauffolgenden Sonntagnachmittag hat er es dann doch geschafft und ist durch die Westtüre rausgesegelt. Der hat jetzt sicher kirchenmäßig einen lebenslangen Schaden und wird sich hier nie mehr blicken lassen.
So etwas passiert uns in der Kirche öfter - nicht nur mit Vögeln.

Es gibt auch Menschen, die eine negative Erfahrung mit Kirche machen und dann ein Leben lang alles christliche meiden. Schade eigentlich. Denn oft lernen wir Pfarrer, lernt unsere Kirche, gerade durch solche „Unfä lle” dazu, verändern uns und unseren Umgang mit den Menschen, für die wir eigentlich da sein wollen. Dem Vogel kann ich so etwas nicht erklären - aber bei den Menschen wünsche ich mir schon eine zweite Chance, es richtig zu machen.

 

Keine Gebrauchsanweisung

Jetzt hat unsere neue Mikrowelle tatsächlich so einen Warnhinweis, dass ich keine Haustiere drin trocknen darf, das könnte zu Beschädigungen am Gerät führen und das Tier verletzen. Verrückte Anweisungen gibts...

    Jesus hat gesagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ganz ohne Beipackzettel.

In der Mikrowelle soll ich auch keine Kirschkernsäckchen erwärmen, die könnten Feuer fangen.

    Jesus hat gesagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Dass das so eine schwierige Angelegenheit ist, bei der man sich die Finger und den Mund verbrennen kann .... da hat er nichts gesagt.

Meine Mikrowelle ist so konstruiert: Wenn ich die Türe nicht richtig zu mache, geht die gar nicht erst an ... wegen der Strahlen..

    Jesus hat gesagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und der Nächste ist vielleicht der, der morgen verdreckt vor meiner Türe steht - und die soll ich dann eben nicht wieder zuschlagen.

Die Bedienungsanleitung zur Mikrowelle habe ich in 30 Minuten gelesen, verstanden und seitdem funktioniert alles wie geschmiert.

    Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Eineinhalb Sekunden ist der Satz lang, aber ich brauche ein Menschenleben lang um das hinzubekommen.

 

Killer-emails

Manchen Leuten würde ich dauerhaft wünschen, dass ihr Email-Programm nicht funktioniert. Nämlich bei denen, die bei jeder Kleinigkeit und jedem Missverständnis gleich auf der Palme sind und unüberlegte wü tende Mails an die vermeintlichen Schuldigen schreiben.

Wie oft hat sich das als Bummerang erwiesen: Weil sich 5 Minuten später die Sachlage völlig anders dargestellt hat und nun der Wüterich der Dumme war ... denn die versandte Email lässt sich eben nicht zurückholen.

Im Jakobusbrief meiner Bibel finde ich da einen einfachen Ratschlag:

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören,
langsam zum Reden,
langsam zum Zorn. (Jak 1,19)

2000 Jahre später würde Jakobus wohl schreiben:

Lies deine Emails ruhig sofort,
wenn du jemanden anrufst, überlege dir gut, was du sagst.
Und wenn du wütend bist, schreib einen Brief, lass ihn über Nacht liegen und trage ihn in aller Ruhe zum Postkasten.
Es könnte ja sein, das bis dahin dein Zorn verflogen ist, und der Brief seinen Empfänger gar nicht mehr erreichen muss.

 

 

 

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