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Radioandachten im September auf Radio 8

 

Aquarium Erde in Gefahr

So ein Aquarium ist eine wunderschöne kleine Welt. Ein abgeschlossenes Ökosystem mit vielen verschiedenen Tieren und Pflanzen. Ich schau esmir gerne an.
Aber wenn man bei der Pflege nicht aufpasst, geraten die Fische in Gefahr. Zuviel Futter oder ein Fremdkörper, schon färbt sich das Wasser grün und das Sysem droht zu kippen. So manchmal schrammen die Guppies knapp an einer Nitritvergiftung vorbei.

Aber ich bin mir nicht sicher, welche Welt in größerer Gefahr ist: Die im oder die außerhalb des Aquariums. Denn auch wir haben so ein empfindliches System Erde, und merken, dass sich da was verändert. Und wenn ich mir die große Politik und mein persönliches Verhalten ansehe, da weiß ich nicht, ob wir wirklich etwas in Sachen Weltklima zum Guten verändern.

Beim Aquarium bin ja ich noch da; kann Wasser wechseln und faulende Pflanzenstücke entfernen nd die Situation retten. Aber unsere Welt?
Für viele Menschen ist Gott als Schöpfer erledigt.
Aber ich erlaube mir diesen kindlichen Glauben, dass der, der unser Aquarium “Erde” geschaffen hat, uns nicht unserem selbsteingebrockten Schicksal überlässt.
Es ist nur eine Hoffnung ... was anderes sehe ich momentan nicht.

 

Perlen des Lebens

Ich hätte ihn schon längst wegschmeißen sollen, den vertrockneten Blumentopf auf meinem Fensterbrett. Irgend so ne Palmenpflanze aus dem Baumarkt war das mal.
Ich trage sie zum Komposteimer und merke: Da steckt noch das Plastikkärtchen mit der Pflegeanleitung drauf: „Pearls of living” steht da - Perlen des Lebens. Komische Perlen, wenn sie schon nach 3 Monaten im Müll beerdigt werden müssen.
Da erwarte ich mir mehr - so wie in dem biblischen Gleichnis, wo einer eine einzigartige Perle entdeckt und alles dafür hergibt, um nur diese eine Perle zu besitzen. Und dann hat er diesen besonderen Schatz!

Naja ... er hat ja auch sehr viel dafür eingesetzt, um sie zu besitzen. Nicht bloß 3 Euro 50, wie ich für meine Pearl of living aus dem Baumarkt.

Perlen gibt es nicht umsonst. Für die wirklichen Schätze im Leben - und da zähle ich auch den Glauben dazu - muss man bereit sein sich einzusetzen. Manchmal muss man auch etwas aufgeben, um das wirklich wichtige zu besitzen - auch wenns nicht leicht fällt.

Perlen brauchen wir - Billigkram haben wir eh genug.

 

Marias Unglücks-Strategie

Maria will immer das, was sie nicht hat! So ein unvernünftiges Kleinkind!
Stellt man ihr beim Frühstück einen Teller hin, will sie ein Müsli.
Bringe ich das Müsli, motzt sie, weil ich die Milch schon eingeschenkt habe.
Im Kinderzimmer gibt es Zoff, weil sie immer genau die Barbie, will, mit der ihre Schwester spielt. Und jeder weiß, was passieren wird, wenn die große Schwester ihr diese Barbie gibt und anfängt, mit der Playmobilprinzessin zu spielen.

Klar, auch wenn es entwicklungspsychologisch dazugehört, mit dieser Strategie macht sie sich systematisch unglücklich. - So ein dämliches Kind.

Ich bin natürlich viel gescheiter.

~ Nie käme ich auf die Idee, stundenlang in Prospekten von Autos zu blättern, die ich mir nie leisten kann.
~ Meine Augen saugen sich nicht an makellosen halbnackten Schönheiten am Bildschirm fest - sondern ausschließlich an der meiner holden Gattin.
~ Noch nie habe ich mir darüber den Kopf zermartert, wie Familie Meyer dieses Traumhaus finanziert.
~ Und ich habe mich noch nie darüber geärgert, dass der Kollege im Nachbarort am Sonntag mehr Leute im Gottesdienst sitzen hat als ich.
 

Darum bin ich auch richtig zufrieden!!!!!

(Stille, seufzen)

- Ich sehe schon, ich bin auch nicht besser als meine Tochter!

 

Tag des Butterbrotes (Freitag, 28. September 2007)

Heute ist der Tag des Butterbrotes. Ich hoffe, sie wissen noch, was das ist.Denn mittlerweile wird es von Sandwich, Hamburger, Canapés, Baguette und ähnlichem verdrängt. Eigentlich schade, weil man mit dem Butterbrot so viel ausdrücken kann.

Ein Brot mit Butter, Bierschinken und dünn geschnittener Gurke, vielleicht noch ein Hauch von Tomate drauf. Wer das in der Pause auspackt, der sieht die Liebe, mit der es daheim hergerichtet worden ist.
„Ich denk an dich und hab dich gerne...ich freu mich, wenn du wieder heim kommst”.

Ich weiß nicht, was die Kindermilchschnitte spricht, wenn ich sie aus der Knisterfolie herauspule. Und das zwei-Euro-Stück für das Käsebaguette beim Pausenverkauf? Hat das schon mal etwas gesagt?

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Vielleicht holen Sie mal wieder so ein Vesperbrett aus Holz raus, ein scharfes Messer, Gurken, Tomate, Butter, eine Wurst am Stück, einen Käse und ein Brot, wo sie die Scheiben mit dem Messer runterschneiden, wo jede ein bisschen anders aussieht.

Die Liebe geht durch den Magen - wer sagt denn, dass nur mit exotischen Köstlichkeiten geht?

 

Vor meiner Tür

Da steht sie vor meiner Haustür, eine Frau um die 30 .. naja, sie könnte auch 40 gewesen sein - ich kann es schlecht einschätzen, weil ihr Gesicht ein bisschen anders aussieht als bei den „normalen” Menschen.
Um den Hals eine Sporttasche mit Putzlumpen, Neutralreiniger und Wäscheklammern.

Für Behindertenwerkstätten verkauft sie das, sagt sie, strahlt mich an, ist sich sicher, beim Pfarrhaus ganz bestimmt etwas verkaufen zu können von den sündhaft teuren Zeug.
Ich sehe es eigentlich nicht ein, Putzlumpen für 15 Euro zu kaufen, die ich bei der Edeka für 5,80 bekommen kann. Es ist völlig unsinnig das Zeug zu kaufen.
Ich hätte gute Lust, ihr klar zu machen, dass ich den Kram nicht brauche, und außerdem selber grade mal noch 25 Euro im Geldbeutel habe.

Und ich erinnere mich an den letzten heftigen Streit mit einem unfreundlichen, hartnäckigen Hausierer - da gings und beiden danach nicht besonders gut.
Aber diese Frau mit dem etwas naiven Gesichtsausdruck; die erklärt mir immer noch freudestrahlend, welche schönen Dinge sie hier zu verkaufen hat ...

Am Schluss war ich um 15 Euro ärmer - und um eine Packung Putzlumpen reicher -

nicht nur:

Ich habe noch mehr bekommen: Ein Lächeln, das Gefühl einem Menschen - der es nicht leicht im Leben hat - ein kleines Erfolgserlebnis geschenkt zu haben.

 

 

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