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Tag der Deutschen Einheit
Jetzt haben wir ihn ja wieder gut hinter uns gebracht - den Tag der Deutschen Einheit.
Komisch, das der Tag der Einheit so viel Zwietracht in unserer Republik offenbart: Man streitet um die Kosten der Einheit, den Umgang mit den Stasi-Akten, und um die Abschaffung als Feiertag.
Für mich bleibt das ein Feiertag! 20 Jahre lang habe ich einen Steinwurf entfernt von der DDR-Grenze im Frankenwald gelebt. Habe nie verstanden, weshalb man eine Tag und Nacht beleuchtete Grenze mit Minenfeld,
Selbstschussanlagen und Wachtürmen braucht.
Und ich werde nie vergessen, wie es ist, wenn die Explosion einer Mine im Todesstreifen die Stille der Nacht zerreißt. Und wir in unseren Betten wach liegen und uns fragen: Was ein Reh der Auslöser, oder wurde gerade
ein Mensch an dieser Grenze in Stücke gerissen? Ein Mensch, der nichts anderes wollte, als jene Republik verlassen.
Heute kann ich im ehemaligen Todesstreifen spazieren gehen. Und da wo früher Wachtürme standen, ragen Bäume in die Höhe, die schon seit 15 Jahren dort wachsen.
Mein Gott, was bin ich froh, dass das alles vorbei ist.
Bruce Allmächtig
Im Kinofilm „Bruce Allmächtig“ beschwert sich der kleine erfolglose Fernsehmoderator Bruce Nolan beim lieben Gott darüber, dass so vieles in dieser Welt schief läuft. Aber Gott lässt das nicht auf sich sitzen und
überträgt seine Allmacht auf Bruce; und er gibt ihm den Auftrag es bitteschön besser zu machen.
Eine tolle Filmidee; aber was macht dieser Bruce, dieser Kasper?! Er gebraucht seine überirdischen Fähigkeiten um das zu schaffen, was er bisher nicht erreicht hat:
- Aufstieg in der Arbeit
- Besserer Sex mit der Freundin
- Bewundertwerden in der Öffentlichkeit.
So ein egoistischer Idiot, denkt nur an sich selber - wen wundert es, dass er damit letztlich auf die Nase fällt.
Wenn ich so eine Chance hätte, dann würde ich es ja ganz anders machen ....
Naja, aber wenn ich ehrlich bin: Irgendwie bin ich doch wie dieser Bruce - oft genug dreht sich das, was ich mir von Gott wünsche auch um mich selber, meinen Beruf und meine Familie.
Die Nöte der anderen kommen in meinen Gebeten eher selten vor.
- Wie gut dass ich nicht wie Bruce diese Almacht habe - wer weiß, was ich alles falsch machen würde, bis ich merke, dass die Macht des Gebets auch für die Anderen da ist.
Glockentöne
Es war am frühen Abend, als ich eine Zeitlang auf dem Dachboden unserer Kirche beschäftigt war. Damit es nicht so langweilig
wird, hatte ich einen Radiorecorder dabei, dei mir eine meiner Lieblings-CDs spielte. Und weil es sicher keinen störte, hatte ich schön laut aufgedreht.
Womit ich nicht gerechnet hatte, war das Abendläuten der Kirchenglocken, das dann um sieben Uhr einsetzte: Die große unsrer drei Glocken über mir im Turm nahm mit drei oder vier langsamen Pendelbewegungen Anlauf, dann war der ganze Dachboden von ihrem Klang erfüllt.
Die Musik von der CD war nicht mehr zu hören.
Mein anfänglicher Ärger über diese Störung verschwand schnell: Denn der mächtige, anmutige Klang zog mich in seinen Bann: Ein Sound, der keine Melodie, keinen fetzigen Rhythmus brauchte – Die Fülle an
Klang flutete durch den Dachboden und durch mich wie ein Wasserstrom – ein phantastisches Gefühl.
Nach 5 Minuten war das Läuten zu Ende. Langsam verebbte der Klang der Glocke ... und meine Musik von der CD war wieder zu hören.
Aber nach Erlebnis mit der Glocke kam mir der Sound meiner Lieblings-CD unglaublich mickrig vor. Dem live-Erlebnis dieser Glocke konnte er nichts entgegensetzen.
Ich habe sie dann einfach ausgeschaltet – und eine Zeitlang dem wuchtigen Klang der Kirchenglocke in mir nachgespürt.
Meditatives Holzaufschichten
Einen ganzen Traktoranhänger mit Brennholzscheiten hat mir ein Bauer rechtzeitig zum Herbstbeginn vor der Garage abgeladen. Genügend für die kalte Jahreszeit.
An einem Nachmittag habe ich es dann aufgeschichtet - immer zwei oder drei Stücke vom Holzhaufen genommen, drei Meter zur Wand getragen, und dort eins nach dem andern aufgeschichtet - möglichst exakt, damit der
Stapel nicht zu wackelig wird. Dann zurück zum angelieferten Holz, ein paar Stücke nehmen ... und so weiter.
Das klingt jetzt zwar langweilig und monoton - aber mir hat das genau wegen dieser Eintönigkeit gefallen - es war so eine Art “meditatives Holzaufschichten”.
Ich habe einfach nur das gemacht, was gerade dran war, Schritt für Schritt ohne langfristiges Planen und Grübeln. Und in dieser Einfachheit war ich bei der Sache und sonst nirgends. - Und das war wundervoll
entspannend.
Das zu tun, was gerade dran ist, und sich nicht schon wieder in dem zu verlieren, was demnächst kommt - diesen Ratschlag hat schon Jesus den Menschen mitgegeben. Er sagte:
“ sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.”
Erntedank-Uhr
Rechtzeitig zum Erntedankfest am letzten Sonntag habe ich vom Quelle-Versandhaus eine “Erntedank-uhr” geschenkt bekommen.
Sie sieht aus, wie so ein Setzkasten mit Glasfront: Und in den neun unterschiedlich großen Fächern sind verschiedene Gewürze und Lebensmittel eingefüllt:
Maiskörner, Erbsen, Bohnen, Weizen, Chilischoten ... naja und in einem der Fächer ist das eigentliche Uhrwerk untergebracht.
Wirklich wunderschön anzusehen - sie hängt jetzt bei uns in der Küche...
... und zwar das ganze Jahr über.
Erntedank fürs ganze Jahr?
Warum nicht - schließlich genieße ich jeden Tag die Gaben der Schöpfung, freue mich über das, was mir an Gutem geschenkt wird. Für mich ist Gott derjenige, dem ich das verdanke.
Vielleicht ist das wie beim Muttertag - wer nur an diesem Tag “Danke” sagt, der hat irgendetwas nicht wirklich begriffen.
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