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Radioandachten im März 2003 auf Radio 8

Volle Kirche mit 7 Leuten

Sowas gehört zu den Albträumen eines Pfarrers: ich war in ein kleines Dorf zu einem Bibelabend in die Kirche eingeladen. Als ich da ankam, war noch niemand da. Erst kurz vor Beginn kamen sechs Leute - saßen  verloren in den langen Kirchenbänken.

Aber eine Pleite war es dann doch nicht: Ich ließ die Kanzel Kanzel sein, und setzte mich mit zu den Leuten in die Kirchenbank. Wir rutschten zusammen, so langsam wurden wir in der dunklen Kirche zu einer kleinen fast verschworenen Gemeinschaft. Einen Vortrag gab es keinen, aber wir redeten miteinander über das Thema des Abends. Es war unglaublich spannend, und auch spannungsgeladen - denn wir haben gemerkt, wie unterschiedlich wir unsere Bibel verstanden.

Auf der Heimfahrt von diesem Abend war ich glücklich. Ich habe erleben dürfen, wie Christen miteinander ganz intensiv über ihren Glauben reden. Da hab ich wieder gemerkt: Nicht die großen Zahlen sind wichtig, sondern der Glaube, der in den Menschen lebendig ist.

 

Ich brauche Klarheit

Verzweifelt schaut die Verkäuferin in zehn ungeduldige Gesichter "Ähm, wer von ihnen ist jetzt eigentlich dran" Das haben wir davon: Jeder stellt sich irgendwohin, keiner weiß, wo das Ende der Schlange ist, wo sich anstellen könnte. Dann ist es eben völlig unklar, wer als Nächstes dran ist. Die ideale Einladung für notorische Nach-Vorne-Dränger, und bringt immer Ärger.

Wir Menschen brauchen einfach geklärte Verhältnisse, im Laden und im Privatleben. So mancher aber scheut sich davor, wichtiges im Leben zu klären. Denn es ist oft leichter, sich um eine Entscheidung herum zu drücken, als Klarheit zu schaffen.

So wird ein Münchner Fußballer nicht der Letzte sein, der zeitgleich von seiner Ehefrau ein Kind geschenkt bekommt und sich eine Geliebte hält. Solche ungeklärten Situationen können Menschen auf Dauer krank machen.

Sinngemäß hat Jesus einmal gesagt: " hört auf, immer um den heißen Brei herum zu reden: sagt entweder eindeutig JA, oder eindeutig NEIN. Alles andere bringt nichts. Ich denke wirklich, wir brauchen Eindeutigkeit, Klarheit: in der Liebe, an der Ladentheke, im Beruf und im Glauben.

 

Wann kommt er?

Immer trifft́s mich: Wenn ich bei McDonald's etwas bestelle, ist irgend etwas gerade nicht fertig. Mal sind die Pommes aus, oder ein Hamburger.  Die freundliche Bedienung kassiert dann ab und verspricht mir: ich bringe es ihnen nachher auf den Platz. Und dann sitze ich da, schlürfe an der Cola und warte auf den Hamburger. Und warte. Irgend wann kommt dann das Gefühl: der hat dich vergessen, ganz bestimmt. Solange kann das doch nicht dauern. Das wird nichts mehr. Und ich schwanke zwischen Hoffnung und Resignation.

Genau das gleiche Gefühl beschleicht mich manchmal, wenn ich im Vaterunser höre: " dein Reich komme". Auf dieses Reich Gottes warten Christen nämlich auch schon ziemlich lange. Wann kommt sie denn, die Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit? Diese Warterei seit 2000 Jahren kann schon mürbe machen: hat Gott uns vielleicht auch vergessen?

Bei McDonald's hat mich die Bedienung bisher nie vergessen, und auch wenns lange gedauert hat: Es ist wunderbar, wenn dann doch das Versprochene kam.Ja, Und wenn man mich bei McDonald's schon nicht vergisst,  dürfte das bei Gott doch auch kein Problem sein.

 

Endlich Frühling

Heute vor einer Woche war es soweit: Der Frühling hat sich angekündigt: Ein warmer Sonnenschein hat uns ins Freie gelockt, Krokusse sind aus dem Boden gekrochen und ... da war diese unbeschreibliche Frühlingsluft. Ich weiß nicht, wie das eigentlich entsteht, dieses „Frühlingsgefühl“, das da scheinbar wie auf Abruf fast die ganze Bevölkerung in Bewegung versetzt.

Frühling - eigentlich ist er ja nichts besonderes, er kommt jedes Jahr wieder, da brauchen wir uns gar keine Sorgen machen. Aber wenn er da ist, kommt das große Aufatmen. „Endlich Frühling“.

Vielleicht ist es ja diese Dynamik, dass hier Altes zu einem neuen, frischen Leben erwacht; neue Farben zum Vorschein kommen.  Vielleicht braucht unsere Seele ja immer wieder auch so einen Neuanfang. Dass wir das Alte hinter uns lassen und neue Ideen, neue Freundschaften und neue Ziele mit Leben füllen.

 

Gott unter die Arme greifen.

Unsere Tochter ist eine tolle Frühstückstischdeckerin. Mit ihren knapp vier jahren hilft sie dem Papa gerne: Manchmal kann ich gar nicht so schnell die Sachen aus dem Schrank holen, wie sie das Zeug ins Esszimmer schleppt: Teller, Tassen, Besteck, Marmelade.  Das macht ihr Spaß und sie ist stolz, dass sie ihren Eltern hilft. Aber bevor wir mit dem Frühstücken beginnen,  müssen wir halt noch Fehler korrigieren: Ich habe zwei Löffel, dafür hat meine Frau 2 Messer, oder ähliche kleine Probleme. So ist das halt, wenn die kleine Tochter einem bei der Arbeit hilft.

Ich glaube, manchmal geht es Gott mit uns Menschen genauso:  Wir engagieren uns und wollen die Welt verbessern; sind vielleicht noch stolz auf alles, was wir schon können. Und er schaut es sich an und sagt: Ihr habts schon gut gemeint, aber ihr habt so vieles übersehen, und so manches in meiner Schöpfung durcheinandergebracht.

Bleibt zu hoffen, dass er - wie wir beim Frühstückstisch - einiges dann wieder ins Lot bringt.

 

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