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Radioandachten im Mai 2007 auf Radio 8

 

Spuren Gottes

Fernsehkommissar Leo Kress - Der Alte - geht in den Ruhestand - das ZDF hat es bekanntgegeben. Ich weiß gar nicht, ob der einen Nachfolger braucht. Denn oft genug sind es die Leute von der Spurensicherung und der Gerichtsmediziner, die mit Mikroskop und DNA-Analyse herausbekommen, wer der Täter ist.
Denn Spuren hinterlässt jeder!
Hm... wenn wirklich jede Tat Spuren hinterlä sst? So eindeutige, dass sie zweifelfrei den Verursacher überführen?
Dann haben vielleicht doch die Menschen recht, die unsere Natur als Hinweis auf Gott als den Schöpfer der Erde verstehen. Die in der Ordnung unserer Ökosysteme einen Hinweis auf einen Gott sehen, der seine Tat planvoll vorbereitet und durchgeführt hat.

Wie blöd, wenn wir manchmal tapsig wie der Bulle von Tölz durch Gottes Tatort walzen, und übersehen, dass unter jedem unserer Schritte so ein Indiz für die Täterschaft Gottes verborgen liegt.
Naja, da muss ich an einen Verteidiger denken, der dann angesichts der aufgehäuften Hinweise auf die Täterschaft seines Mandanten standhaft sagt: „Ja, das sind ja nur Indizien! Der zwingende Beweis fehlt”

Das ist auch wieder wahr ....
Ich merke: eine Glaubensfrage bleibt es wohl trotzdem.

 

Wer hat meinen Müll kaputt gemacht?

Ich bin sauer! Jemand hat meinen Müll kaputt gemacht! Ja, meinen Sperrmüll!
 

OK, ich fang von vorne an: Ich hab einen Staubsauger für den Sperrmüll rausgelegt. Das alte Teil  ging eigentlich noch, aber das Saugrohr war gerissen. Ich hab gedacht: Den holt sich bestimmt so ein Müllgogerer und macht noch was draus ... irgendwo wird er dann in Polen noch viele Kilo Staub aufsaugen.
Und ein paar Stunden später sehe ich, dass jemand das Stromkabel durchgezwickt hat. Und auch ein paar weitere Gegenstände hat der Unbekannte genauso ganz zielgerichtet unbrauchbar gemacht.
Offenbar hat es einem nicht gepasst, dass ein anderer mit diesen Dingen noch etwas anfangen, etwas von dem, was wir wegwerfen, für sich nutzen kann.

Ist das eine neue Form von Neid und Missgunst?
Ich kenne ja selbst die Frage, ob das in Ordnung ist, dass manche Manager über ne Million pro Jahr verdienen.
Aber dass ich dem armen Kerl, der auf dem Sperrmüll nach Brauchbarem sucht, diesen alten klapprigen Staubsauger missgönne ...

nein, das verstehe ich nicht ...
... und hoffe, dass ich für so viel Missgunst niemals ein Verständnis haben werde.

 

Mit Behinderten auf Augenhöhe

Straßenlauf über 5  Kilometer - ein jährlicher Höhepunkt bei uns im Dorfleben. Seit letztem Jahr laufen da auch Behinderte mit. Menschen mit geistigen und kö rperlichen Handicaps.  Toll finde ich das und spare nicht mit Lob für diese Idee.
Und dann kommt dieser Moment, wo ein geistig behinderter 35-jähriger mich beim Lauf nach 4 Kilometern ü berholt. Ich versuche mitzugehen ... ... Mann gegen Mann ... aber kann ihm nichts entgegensetzen ... Er zieht davon ... er besiegt mich ... ich bin der Verlierer.

Und ich spüre: Bis jetzt kam mein ganzes Befürworten, Schulterklopfen und Behinderte-Anerkennen doch irgendwie immer von oben herab. Das hatte so etwas gönnerhaftes. 
Wir, die nicht-behinderten als die Starken, die alles können. Und auf der anderen Seite die Hilfsbedürftigen ...  Ich war nicht wirklich auf Augenhöhe, fühlte mich jederzeit überlegen ... obwohl ich es natü rlich nie zugegeben hätte.

Der junge Mann, der da mit schlenkernden Armen davonzieht, hat ohne ein Wort zu sagen, mir die Lektion erteilt, die ich brauchte, um wirklich Behinderte anzuerkennen ... als Menschen die sogar mal stä rker sind als ich.

 

 Wo gehobelt wird, fallen Späne

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Ein alter Spruch zu einer noch älteren Praxis - Wenn zum Beispiel in der Schule ohne großes Federlesen der nächstbeste Verdächtige dafü r bestraft wurde, weil zum Beispiel nach der Pause eine Lehrerkarikatur an die Tafel gemalt war.
Müller, vorkommen, gibts du es zu? Nein? Egal, ich bin mir sicher, du warst es, und Patsch, knallt der Zeigestock auf die Finger des Delinquenten. Wo gehobelt wird, fallen Späne, da erwischt́s halt auch mal einen Unschuldigen.

Es gibt Leute, die besuche ich als Pfarrer zum 75. oder 80. Geburtstag ... und irgendwann erzählen sie mir so eine Geschichte. Wo es sie unschuldig erwischt hat ... und auch nach ü ber einem halben Jahrhundert spürt man noch, wie sie das damals verletzt hat. Sie wissen nicht mehr viel über die Schulzeit, aber das hat sich tief in die Erinnerung eingebrannt.

Wo gehobelt wird, fallen Späne - ob der Lehrer damals geglaubt hätte, dass diese Schläge das einzige sein werden, an das sich dieser Schüler noch nach Jahrzehnten erinnern wird?
Ich glaube: Wenn ich nicht ausschließen kann, dass ich einen Unschuldigen erwische, sollte ich das Hobeln lieber bleiben lassen.

 

Konstantin (Dienstag, 22. Mai)

Heute vor 1670 Jahren ist Kaiser Konstantin der Große gestorben.
Das ist derjenige, unter dessen Herrschaft sich die Situation der Christen im Alten Rom um 180 Grad drehte.
Bis dahin waren sie eine unterdrückte und blutig verfolgte Minderheit.

Nach seinem Regierungsantritt war damit Schluss. Plötzlich wurden Christen von Rom unterstützt; konnten sogar politisch Karriere machen.
Auch das gesamte Christentum hat von da an Karriere gemacht: Von der verachteten Sekte, die einen Gekreuzigten verehrte hin zu einer weltumspannenden Religion.

Auch mit allen problematischen Folgen, weil der Kaiser die von ihm unterstützten Kirchenleute in die Pflicht nahm. Wo diese als Christen sich auf einem Konzil in Nizä a um die Wahrheit stritten, wurden sie vom Kaiser Konstatin ausgebremst: „ich will keinen Streit, ihr müsst euch einigen, weil das geeinte Römische Reich eine einheitliche Kirche braucht. Basta!”.

Eigentlich haben wir bis heute noch das gleiche Spiel:
Dass unsere Kirche eine gesellschaftliche Rolle hat, und sie drauf schaut, was dieser oder jener von ihr will. Und sie muss aufpassen, dass sie dabei nicht vergisst, was ihr eigentlicher Auftrag ist, den sie von Jesus her hat.

 

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