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Radioandachten im Mai 2006 auf Radio 8

Falsches Unkraut

Er sah zum Erbarmen aus. Wie ein geprügelter Hund stand mein Kollege in der Gartenabteilung vom Baumarkt.  Dann hat er mir das ganze Drama erzählt:

Heute morgen hatte er in einem Anfall von Arbeitseifer im Garten Unkraut herausgerissen. Nur war das Unkraut eine exotische Tomatensorte gewesen, die seine Frau erst zwei Tage vorher gepflanzt hatte. Und nun suchte er händeringend nach Ersatz, um den Haussegen wieder gerade zu rücken.

Ich hab mich köstlich drüber amüsiert - musste aber auch an ein Gleichnis von Jesus denken. Darin hat er davor gewarnt hat, kleine Pflänzchen auszureißen, bevor man weiß, wie sie sich entwickeln. Dabei hat Jesus an uns Menschen gedacht. Manchmal bin ich ja auch schnell dabei, einen jungen Kerl als “Unkraut” du definieren, weil er offenbar nur Flausen im Kopf hat. - Jesus hat wohl recht wenn er sagt: warte ab, du weißt nicht, was sich noch Gutes daraus entwickeln kann.

Tja- es ist schon schwierig eine exklusive Tomatensorte aus Timbuktu aufzutreiben. Aber wenn man einen jungen Menschen zum hoffnungslosen Fall erklärt, - was man ihm damit antut ... das wieder gut zu machen ... das ist wohl dann ein viel schwierigerer Fall.

 

Tempomat

Das Beste an unserem neuen Auto ist der Tempomat. Mit einem Knopfdruck ist die aktuelle Geschwindigkeit gespeichert und dann gleitet das Auto im gleichmäßigen Tempo über die hoffentlich freie Bundesstraße.

Ich hab gemerkt: Mit dem Tempomat fahre ich ganz anders - viel ruhiger und entspannter.  Mensch, hab ich mich vorher immer angestellt: Mal langsam, mal flott - oh, da kommt einer schnell von hinten - drück ich ein bisschen aufs Gas, damit er nicht auf die Idee kommt zu überholen. Im Vergleich merke ich: Das reibt mich total auf! Da kommst du zu einer Sitzung und würdest am liebsten erstmal loswettern, was für Idioten auf der Straße sind.

Jetzt ist das ganz anders: Durch das kleine technische Spielzeug fahre ich viel gelassener und komme auch nicht später an.

Am liebsten würde ich das auch im täglichen Leben probieren: Nicht mehr sinnlos hin und her zu hektiken - nicht ohne Grund jede Tempoverschärfung mitmachen - sondern mit mehr Gelassenheit leben - und doch am Ende das Gleiche erreichen.

 

Bauchnabel

 Wissen Sie, woher die Menschen den Bauchnabel haben?

Es ist ganz einfach: Bevor die Menschen auf die Erde geschickt werden, um geboren zu werden, werden sie im Himmel geschaffen. Weil es so viele sind, stehen sie auf einem Fließband.  Am Ende des Fließbandes steht Gott und schaut sich jeden seiner Menschen noch einmal ganz genau an.   Und wenn er ein Exemplar entdeckt, auf das er - der Schöpfer - ganz besonders stolz ist, passiert Folgendes: Mit seinen Zeigefingers stuppst er den neuen Menschen am Bauch an und sagt: Mensch - dich habe ich ganz besonders lieb! Und weil die Menschen noch ganz frisch und weich sind, bleibt der Abdruck des Zeigefingers Gottes am Bauch dieser Menschen sichtbar.

Schauen sie heute Abend beim ins-Bett-gehen doch mal nach! Vielleicht entdecken sie auch diesen Fingerabdruck Gottes bei sich. - Und dann wissen sie, dass sie in den Augen Gottes ein ganz besonderes Exemplar sind!

 

Sage, was du willst!

Auf dem Dachboden unserer Kirche mache ich manchmal eine kleine Abendandacht. - Einmal haben auch die Konfirmanden mitgeholfen. Denen habe ich gesagt: “Stellt im Treppenhaus bitte ein paar Kerzen auf”, und habe ihnen meine Kerzentüte in die Hand gedrückt. - Und sie sind losmarschiert ... Erst nach der Andacht kam ich wieder ins Treppenhaus: Oh nein!! Da waren nicht vier, fünf Kerzen in den Ecken - alle 100 Kerzen aus meiner Vorratstüte waren da aufgereiht - Ein unglaubliches Lichtermeer.

Ich bin ja selber Schuld! Hätte ich deutlich gesagt “Stellt bitte fünf Kerzen an die Treppe” - wäre alles klar gewesen.”Zündet ein paar Kerzen an” ist ja wirklich keine klare Anweisung.

Ob ich mich Gott gegenüber manchmal auch so undeutlich ausdrücke? “Lieber Gott, es könnte schon einiges besser werden, an meiner Gesamtsituation...” - ob Gott dann weiß, was ich will?

Vielleicht sollte ich mir die Mühe machen, Gott genau zu sagen, wo bei mir der Schuh drückt. Dann weiß er genau was mir wichtig ist. Und vielleicht brauch ich das selber auch: Damit mir klar ist, was ich mir von meinem Gott eigentlich erwarte.

 

Pollen überall ...

Die Pollen sind überall. Sie kitzeln uns nicht nur in der Nase, sie sind auch in aller Munde. Ich habe momentan den Eindruck, jeder hat zum Thema Pollen und Heuschnupfen was zu sagen. Der eine aus leidvoller Erfahrung, der andere weiß ein Hausmittelchen und der Nächste erklärt, warum es in diesem Jahr so besonders viele Leute betrifft.

Es ist schon erstaunlich, wie unser Land angesichts der herumwirbelnden Pollen zu einer großen Selbsthilfegruppe wird. Bereitwillig erklärt mir jemand in der Kassenschlange beim Aldi seine gesamten medizinischen Befunde - ganz offen Scheu. - Man tauscht sich aus, auch wenn man keine Lösung des Heuschnupfen-Problems parat hat.

Ich stelle mir vor, wir könnten auch in Glaubensfragen so offen reden.

Da füttert einen den Leergut-Automaten und erzählt davon, dass er seinen Gott nicht verstehen kann - warum lässt der es zu, dass der Nachbar mit 45 Jahren an einem Herzinfarkt stirbt? Das Gespräch dauert keine 10 Minuten. Und wie beim Heuschnupfen kennt auch da keiner der beiden eine Lösung. Aber als der eine mit seinem Einkaufswagen über den Parkplatz schiebt, spürt er: Es hat ihm gut getan, mal nicht nur übers Wetter zu reden.

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