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Radioandachten im Januar 2007 auf Radio 8
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Ich bin dann mal weg
“Ich bin dann mal weg”- das Buch von Hape Kerkling hat sich schon länger am ersten Platz der Bestsellerlisten
festgesetzt. Über 300 Seiten lang erzä
hlt er von seiner 6wöchigen Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Spannend, was ihmda so alles passiert. Manches breitet er ellenlang aus, anderes beschreibt er nur kurz. Und vom Wichtigsten verrä
t er gar nichts: Von einem Erlebnis, das er als seine persönliche Begegnung mit Gott empfand. Nur kurz notiert er auf Seite 240:
“Das, was ich gestern erleben durfte, kann ich weder erzählen noch aufschreiben. Es bleibt unsagbar”.
Ein bisschen war ich enttäuscht. Lässt mich der Kerkeling mit meiner Neugierde hängen.
Aber er hat recht, es gibt Erfahrungen mit Gott, die kann man nicht weitererzählen.
Vielleicht weil sie ihren Zauber, ihre Einmaligkeit, verlieren, wenn wir mit unseren alltäglichen Worten drüber reden. Der eine deutet es als Zufall, der andere von psychologisch erklärbaren Phä
nomenen. Und schon beginnt das Einmalige fragwürdig zu werden und zu zerbröseln.
Ja, im Glauben gibt es Dinge - die dürfen ein Leben lang ein Geheimnis bleiben
Hier gehts zum Buch:
Ich bin dann mal weg
Festplatten-Leben
Seit einiger Zeit haben wir so einen Fernsehempfänger mit Festplatte. Der speichert das Fernsehprogramm, das man schaut fü
r ein bis zwei Stunden. Tolles Ding! Wenn abends beim Krimi jemand anruft und uns unterbricht - kein Problem: Per Knopfdruck springen wir danach im Film zurück - so wie man bei einer Videocassette zurückspulen kann.
Wir haben und richtig dran gewöhnt. Wenn man etwas nicht verstanden hat oder eine eingeblendete Telefonnummer verpasst hat - einfach zurückkurbeln.
Jetzt habe ich mich kürzlich bei einem Gespräch mit jemanden ertappt - was hatte der vorhin gesagt? ... kann ich das schnell nochmal zurückspulen?
- Nein, im echten Leben gibts das nicht. Das ist und bleibt immer live, in Echtzeit, ohne Chance zum nochmal erleben oder zum Rückgängigmachen.
Und gerade im Vergleich mit der beliebig hin- und herspulbaren Fernsehgeschehen wird es mir wieder richtig deutlich,
Jede einzelne Minute ist ein Original, unwiederbringlich und darum auch wertvoll.
Jede Begegnung mit einem Menschen, jedes Wort das ich sage, braucht meine ganze Aufmerksamkeit .
Denn wenn ich etwas verpasse oder vermassle - dann das ist so, und das bleibt dann auch so.
Hochzeitstag
Peinlich peinlich, da rufen früh um neun gute Freunde an, die uns zu unserem Hochzeitstag gratulieren. Eigentlich toll.
Nur haben wir beide das an diesem Tag noch gar nicht daran gedacht. Sowas kann schon mal passieren. Unsere Hochzeit ist ja auch schon ein bisschen her.
Dass einen Freunde daran erinnern, dass man verheiratet ist. Das würde ich mir öfters wünschen. Und zwar nicht nur am Hochzeitstag! Dass die Kumpels in der Kneipe es ohne dumme Sprü
che akzeptieren, wenn ich schon um 10 Uhr heimgehe, weil die Frau zuhause allein auf mich wartet. Oder dass ein Freund mir beisteht, wenn ich daheim Probleme habe ... er mir Mut macht, mich mit meiner Frau zu vers
öhnen ... statt scheinbar solidarisch über die blöden Weiber herzuziehen.
Schnell mal gratulieren, das sind freundliche Worte, kosten am Telefon ein paar Cent. Als Freund ein Ehepaar als Paar zu unterstü
tzen, dass ist manchmal schwieriger, kann Zeit und Nerven kosten - aber ist unendlich wertvoller.
Ecofootprint
Durch Zufall bin ich gestern auf eine ganz außergewöhnliche Internetseite gestoßen. Eco-Footprint hei
ßt sie. Und dort habe ich über ein Dutzend Fragen zu meinem Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten beantwortet. Im Gegenzug hat die Seite mir berechnet, wie viel Flä
che unserer Erde ich brauche, um meinen Energie-, Wasser- und Nahrungsbedarf zu decken.
Naja, ich habe natürlich kein besonders tolles Ergebnis erwartet. Ich weiß ja, dass wir viel Energie vergeuden und zuviel Rohstoffe und Land verbrauchen.
Aber das Resultat hat mich dann doch geschockt: Mein persönlicher Verbrauch an Welt ist so groß, dass wir eigentlich fast drei mal unsere Erde bräuchten - wenn alle so leben würden, wie ich.
Na super, dabei hab ich doch gemeint, ich gehöre zu den besseren, schließlich trenne ich meinen Müll und drehe abends die Heizung runter.
Dreimal mehr als mir eigentlich zusteht, verbrauche ich.
Ich schaue mich in meinem Zimmer um, das gemütliche Sofa, Fernseher, Telefon, Laptop. Dinge, die ich schätze und irgendwie liebe .
Dreimal so viel, wie diese Erde eigentlich pro Kopf bereitstellen kann.
Und ich habe das Gefühl, dass es nicht reichen wird, wenn ich heute beschließe, ab morgen zu Fuß zum Bäcker zu gehen.
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