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Radioandachten im Februar 2005 auf Radio 8

Oberinspektor Stephan Derrick

Oberinspektor Stephan Derrick ist seit über 6 Jahren im Ruhestand, aber immer wieder schaue ich mir gerne eine alte Folge des Fernsehkommissars an.  Derrick ist nicht immer spannend. Das besondere sind seine langen Gespräche mit den Tatverdächtigen. Manchmal mühsam zu verstehen, mitunter philosophisch angehaucht. Oft hat er dem Verdächtigen, der auch tatsächlich der Täter war, gesagt: “Ich möchte sie ein wenig kennen lernen”.

So hat er manche Menschen nicht anhand der Fakten überführt. Sondern im Gespräch mit ihnen hat er nach Beweggründen geforscht und versucht, zu verstehen, was da warum passiert ist. Und so mancher hat sich verstanden gefühlt, und wurde im Verlauf des Krimis bereit, seine Tat zu gestehen.

Diese Perspektive Derricks beeindruckt mich bis heute. Der Wille, einen fremden, vielleicht sogar unsympathischen, Menschen nicht gleich anhand von sichtbaren Fakten zu beurteilen.   Sondern sich auf den mühsamen Weg zu machen, ihn ein bisschen zu verstehen.

 

Der Bulle von Tölz

Der Bulle von Tölz mit Ottfried Fischer ist beliebt wie eh und je. Es ist wahrscheinlich der Charme des 3 Zentner-Mannes, dem die Zuschauer erliegen. Eigentlich ist er ja nicht der strahlende, erfolgreiche Kriminaler, der die Welt wieder hundertprozentig ins Lot bringt. Zusammen mit seiner Kollegin Sabrina macht er den Mörder zwar dingsfest, aber vieles bleibt kriminell: Der Baulöwe Rambold und der korrupte Staatssekretär Berthold von Gluck treiben weiterhin ihre dubiosen Geschäfte.

Das Verbrechen ist geklärt, der oberbayerische Filz lebt weiter.

Aber das ficht den Bullen von Tölz nicht an. Er kann offenbar damit leben, dass er nicht alles erreichen kann, was er gerne geschafft hätte. Vielleicht hat ihm ja einmal der Herr Tölzer Prälat Hinter dieses alte Gebet beigebracht:

Gott,  schenke mir die Gelassenheit, das anzunehmen, was ich nicht ändern kann.  Schenke mir die Kraft, das anzugehen, was ich verändern kann.  Und schenke mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen.

 

Adrian Monk

Adrian Monk - ist wohl der seltsamste aller Fernseh-dedektive. Der Mann der am Dienstagabend auf RTL ermittelt, ist psychisch krank. Er leidet unter zwanghaften Angstzuständen, meidet Menschenansammlungen und  Körperkontakt, hat Angst vor Milch und wird von Panikattacken heimgesucht. Eigentlich traut er sich nur mit Hilfe seiner Assistentin Sherona überhaupt auf die Straße; und auch dann ist es oft ein Elend mit diesem zaghaften, psychisch angeschlagenen Mann. Darum ist er auch vom Polizeidienst suspendiert worden

Beim Zuschauen spüre ich oft, wie mich der Mann aufregt, wie wenig Geduld ich mit ihm habe, wenn er wegen seiner Psychosen wieder alles zu vermasseln scheint. Ja - Wer psychisch krank ist, oder krank wird, kann leider nur mit wenig Rücksicht rechnen. Man wird von Vielen ausgegrenzt, nicht für voll genommen, schräg angesehen. Oft genug spielt da auch Angst vor dem Kranken eine Rolle.

Monk ist eine meiner Lieblingsserien - und ein bisschen hat sie mir geholfen, mein Verhältnis zu psychisch Kranken zu überdenken.

 

Ein Fall für zwei

Die Krimiserie “ein Fall für zwei” ist ein echter Dauerbrenner: Zwar wechselt alle paar Jahre die Figur des Anwalts. Aber der Privatdedektiv Matula ist einfach nicht totzukriegen. Im wahrsten Sinne des Wortes! In fast jeder Folge passiert im letzten Drittel das Gleiche: Matula dringt verbotenerweise in eine verdächtige Wohnung ein, entdeckt etwas Wichtiges und wird gleich darauf von hinten niedergeschlagen. In der nächsten Szene taucht er mit Pflaster in der Anwaltskanzlei auf und wird von der Sekretärin mit Aspirin versorgt. – Das der Mann daraus nichts lernt?

Aber das gibt es ja auch im echten Leben. Da hat man so eine Angewohnheit, die einem nicht gut tut - und das weiß man sogar! Der ein raucht wie ein Schlot, der andere fährt viel zu schnell Auto oder zerstört durch sein egoistisches Verhalten seine Freundschaften. Man weiß, das es nicht o.k. ist - aber sich ändern?

... naja, es ist halt nicht so leicht. In der Bibel gibt es ein ganz schön deftiges Sprichwort dazu: (Spr 26,11)

Ein Narr, der seine Dummheit immer wieder tut, ist wie ein Hund, der das frisst, was er gerade gekotzt (herausgewürgt) hat.

 

Siska

Kommissar Siska vom ZDF wird seit einem halben Jahr durch einen neuen Schauspieler dargestellt. Ich weiß eigentlich nicht mal, wie er heißt. Aber an Eines kann ich mich noch gut erinnern: In einem Interview mit einer Zeitschrift hat der neue Siska gesagt: Mit mir als Hauptdarsteller wird es keine Szene geben, in der ein Gerichtsmediziner eine Leiche begutachtet und gleichzeitig in eine Wurstsemmel beißt.

Hm, stimmt ... sowas habe ich schon öfter in Krimis gesehen. Der Mediziner mampft am Seziertisch eine Stulle und dem Kommissar wird übel. Drehbuchschreiber finden das anscheinend witzig. Aber eigentlich ist das ein recht geschmackloser Gag.

Na gut, es ist ja alles nur fürs Fernsehen gespielt. Aber vielleicht spiegelt sich darin ja auch die Haltung unserer Gesellschaft, die dem Täter mehr Aufmerksamkeit und Achtung widmet als den Opfern. - Nicht nur im Fernsehsessel. Darum finde ich das beeindruckend, dass sich ein Schauspieler für mehr Respekt vor den Opfern ausspricht.

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