Andachten auf Charivari 98,6 im Februar 2011

Montag: Nackt in der U-Bahn
Dienstag: Gipfelerlebnisse
Mittwoch: Wenn das Wort gilt
Donnerstag: Unnötiger Ärger
Freitag: Philosophie und Gottvertrauen
Samstag: Bruce Allmächtig

Alptraum: Nackt in der U-Bahn

Guten Morgen,
Mann ich habe heute nacht was ganz furchtbares geträumt: Ich war frühmorgens in mit der U-Bahn unterwegs – allein im leeren Waggon – und zwar nackt. Grade mal ne Unterhose hatte ich an. Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist, aber das ist so einem Alptraum ja auch egal.
Da stehe ich hilflos in der U-Bahn. Ich kann ja so nicht weg, kein Handy, um nen Freund anzurufen, kein Geld … nur Unterhose.
Und dann geht die Tür auf, und so ein Rudel Jugendlicher kommt in meinen Waggon, aufgedreht, laut herumblödelnd … die Türen schließen sich, und dann entdecken sie mich! MIST.
Aber dann kams ganz anders: Hey, was ist mit dir los, gibts ja nicht …
Und ein paar Minuten später hatte ich so ne Rapperhose an, Turnschuhe, ein Sweatshirt, einer hat mir sogar 20 Euro gegeben.
Einfach so, die wollten das nicht mal zurück haben – die waren so fürsorglich, wie so ne Oma zu ihrem Enkel.
Liebe Charivarihörer, ok, das war nur ein Traum.
Aber ich habe mich zwei mal geschämt: Einmal, weil ich nackig da stand und dann, darüber, dass ich diesen jungen Leuten immer nur Dummheiten zutraue. Dabei haben wirklich mehr drauf! – Nicht nur in meinen wildesten Träumen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Gipfelerlebnisse

Guten Morgen
im letzten Urlaub habe ich mal wieder einen Berg bestiegen. Das war nicht ganz ohne, als Familie kamen wir da ganz schön ins Schnaufen. Wie gut, dass wir wirklich nur das Allernötigste eingepackt hatten. Oben auf dem Gipfel haben wir noch ne andere Familie getroffen: Die hatten einen Trompetenkoffer mit hochgeschleppt! Echt! Wozu denn das? Und während wir unsere Brotzeit auspackten, holte die Mama dieser Familie die Trompete raus und fing an zu blasen: Und das Lied kannte ich: „Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut, an uns und allen Enden”.
Und dazu das grandiose Bergpanorama, der Weitblick, das erhebende Gefühl, das man eben nur auf einem spüren kann. Das passte perfekt zusammen – wenn man die Größe unserer Schöpfung sieht,  soll das alles zufällig entstanden sein, ohne einen, der da einen Plan für diese Welt hat?
Es war wie ein Berggottesdienst:  Die Natur war die Predigt – und wir konnten nur staunend zu hören, wie sie uns an diesem Vormittag sagte: Jeder Stein, der da liegt, jeder Mensch der da steht –  bei allem hat sich Gott was dabei gedacht. Auch wenn sie heute keinen Berg besteigen: Halten sie die Augen offen für die Schönheit der Welt.
Einen Guten Tag wünsche ich Ihnen.

Wenn das Wort gilt

Als Hans noch da war, da war die Welt noch in Ordnung. Hans war der Filialleiter einer Bank vor den Toren Nürnbergs. Das waren noch Zeiten, so schwärmen mir die Mitarbeiter und Kunden noch heute vor:
Da kommt ein Bauer, dessen Mähdrescher ist kaputt, in drei Wochen beginnt die Ernte, wenn er jetzt bestellt, kommt die Maschine noch rechtzeitig. Aber da muss ja noch alles beantragt werden, Bonitätsprüfung, Sicherheiten, Anträge und sonstwas. Bis er den Kredit hat, ist es mit Sicherheit zu spät, um den Mähdrescher zu bestellen. Aber nicht mit Hans: Er sagt: Du geht jetzt zum Händler und bestellt den Mähdrescher, und ich kümmere mich um deinen Kredit. Das klappt schon. Der Bauer fragt nach: Aber was ist, wenn die Bankchefs den Kredit nicht genehmigen? Hans nimmt die Hand des Bauern: Ich geb dir mein Wort: Das klappt!
Sein Wort war Gesetz. Auch für ihn selber! Und er hats nie gebrochen.
Ich habe ihn vor ein paar Jahren beerdigt.  Und noch heute sprechen die Leute ehrfurchtsvoll von diesem Mann, auf den man sich 100%ig verlassen konnte. An ihm habe ich gelernt: Auch in unseren modernen schnellebigen Welt lohnt es sich, wenn wir geradlinig und verlässlich bleiben. Denn Vertrauen ist eine Währung, die ungeheuer Wertvoll, aber auch empfindlich ist.

Unnötiger Ärger

Vor einer Woche habe ich eine Mahnung gekriegt. Über sage und schreibe 4 Euro. Da hatte ich bei einer Überweisung einfach eine Zahl falsch eingetippt, und jetzt nach 2 Monaten fällt denen ein, mir eine Mahnung zu schicken über 4 Euro und 2,5 Euro Mahngebühr. Ich war stinksauer, ich bin in meiner Wohnung rumgeschossen wie ein Heinzelmännchen, so sauer war ich. Und dann hab ich entschieden, da rufst du an und macht die so richtig rund. Zuerst war ich in der Warteschleife, die war ganz putzig, da hab ich mich schon mal ein bisschen abregen können. Und dann hatte ich den Kundenberater am Schlafittchen. Aber bevor ich den groß beschimpfen konnte, sagte der: Ach, das ist ein Versehen, das ist gar nicht so schlimm, ich nehme das wieder raus, überweisen sie einfach die 4 Euro.
Ich hätte mir den ganzen Ärger, das ganze Grummeln und Motzen sparen können, wenn ich gleich angerufen hätte.  Das ist mal wieder typisch: Da rege ich mich auf, steigere mich in meine Wut hinein statt man zum Telefon zu greifen und nachzufragen: „Was ist denn da bei euch los?” So einfach ist die Kuh vom Eis. Eigentlich müsste ich was gelernt haben.  Vielleicht klappst beim nächsten Mal zügiger und besser. Wäre gut für den Blutdruck, und für die anderen Menschen auch.

Philosophie und Gottvertrauen

Reliunterricht vor dem Abitur: Heute sind Philosophische Weisheiten rund ums Menschsein dran. Nietsche: Das Böse ist die stärkste Kraft des Menschen. Scheler: Der Mensch als Krankheit des Planeten
Da gucken sie mich an: Das sind doch nicht wir! Das Leben ist schön, wir vertrauen darauf, dass wir unsere Zukunft gut gestalten können. Und du, Pfarrer, sagst doch auch, dass Gott bei uns ist, und uns begleitet.  Sind meine Schüler naiv und dumm, dass sie noch nicht die Abgründe des Menschseins erlebt haben?
Oder haben sie einfach recht: Dass sie sich nicht entmutigen lassen wollen von all dem, was es an Schlimmen gibt? Dass da in den Bänken eine Generation sitzt, die positiv nach vorne schaut. Die – zumindest in dieser Klasse – Zuversicht und Gottvertrauen mitbringt. Was will man mehr? Es gibt Tage, da kann ich auch mal was von meinen Schülern lernen: Etwas mehr Zuversicht und Vertrauen in die Menschen – und das Bewusstsein, dass Gott uns dabei nicht alleine lässt.

Bruce Allmächtig

Im Kinofilm „Bruce Allmächtig“ beschwert sich der kleine erfolglose Fernsehmoderator Bruce Nolan beim lieben Gott darüber, dass so vieles in dieser Welt schief läuft.  Aber Gott lässt das nicht auf sich sitzen und überträgt seine Allmacht auf Bruce; und er gibt ihm den Auftrag es bitteschön besser zu machen.
Bruce langt in die Vollen:  – Aufstieg in der Arbeit – Besserer Sex mit der Freundin – Und der Hund pinkelt nicht mehr in die Wohnung
Aber dann merkt er, dass da auch die Gebete der anderen Menschen bei ihm landen: Tausende beten um einen Sechser im Lotto oder darum, dass ihre Lieblingsmannschaft beim Fußball gewinnt. Um steigende Aktien und sinkendes Übergewicht.
Bruce ist überfordert, erfüllt die Gebetswünsche dann doch und stürzt die Welt ins Chaos. In diesem Film lernt Bruce, dass es gar nicht geht, allen diesen Menschen ihre seltsamen und oft egoistischen Gebetswünsche zu erfüllen. Es ist unmöglich und es würde ihnen auch nicht gut tun.Der Film ist eigentlich eine harmlose Komödie, aber wenn ich bete, muss ich manchmal dran denken, dass Gott so ähnlich wie dieser Bruce den Kopf schüttelt, weil sich meine Gebete meist doch um meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche drehen.

Und dann denke ich: Gott, wenn du willst: Erhöre mein Gebet. Und wenns nicht geht – dann will ich auch nicht enttäuscht sein – ich habe ja den Film gesehen, und kenne dein Problem, das du mit meinen egoistischen Wünschen hast.

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