Predigt: Ich seh die Welt von oben … mit den Augen Gottes (Johannes 8) zur Kirchweih, mit dem Lied „Astronaut“ von SIDO/Bourani

Zur Kirchweih geht es um einen Perspektivwechsel: Die Welt mit den Augen Gottes sehen. Dabei kommt das Lied „Astronaut“ zusammen mit unserem Astronauten Alexander Geerst genauso ins Blickfeld, wie die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin. In diesem Jahr gabs ein Special zur Kirchweih: Die Ortsburschen sangen den Refrain von „Astronaut“ und banden jedem Gottesdienstbesucher ein Kirchweih-Bändchen ans Handgelenk.

Ich heb‘ ab
Nichts hält mich am Boden
Alles blass und grau
Bin zu lange nicht geflogen
Wie ein Astronaut
Ich seh die Welt von oben ….

Neue Perspektiven, neue Erkenntnisse

Liebe Gemeinde,
„ich seh die Welt von oben, wie ein Astronaut” – von da oben sieht wirklich alles anders aus. Viele Kleinigkeiten, über die wir uns täglich aufregen, verschwinden im Grau – aber Anderes sieht man umso besser.

Astro-Alex zum Beispiel – unser deutscher Astronaut Alexander Geerst, der deutsche Kommandant der Raumstation ISS. Von da oben in 400 Kilometern Höhe hat er wirklich einen ganz anderen Blick auf unsere Erde. Unter sich sieht er diese kleine blaue Murmel „Erde” im tiefen Schwarz des Kosmos. Immer wieder berichtet er aktuell von seinen Eindrücken da oben.

Er sagt: „Wer da oben ehrlich ist, sieht, wie fragil das Ökosystem der Erde ist, mit einer hauchdünnen Atmosphäre drum herum. Und er versteht, dass wir Menschen für die Erde nicht wichtig sind. Es verhält sich anders: Wir Menschen können ohne dieses Ökosystem nicht überleben. Die Frage ist, wie wir Menschen das anstellen, dass die Erde weiterhin bewohnbar bleibt.”

Ja, von da oben, sieht manchmal alles anders aus.
Wenn man hier auf der Erde ist, denkt man: Endlose Weiten und unerschöpfliche Möglichkeiten. Von der Raumstation aus sieht man: Das ist alles sehr begrenzt – und man erkennt, was wir schon alles zerstört haben.

Perspektivwechsel! Das Gewohnte aus einer anderen Perspektive betrachten – das ist manchmal einfach interessant – aber möglicherweise sind manche Perspektivwechsel auch lebensrettend.

Perspektivwechsel bei der Ehebrecherin in Joh 8

Zum Beispiel für diese eine Frau, von der ich gelesen habe. Die wollte man zum Tod verurteilen. Mit einem fremden Mann wurde sie im Bett erwischt. Und die religiöse Tradition ihrer Gegend legte fest, dass darauf die Todesstrafe stand: Steinigung! Und weil man ja alles mit eigenen Augen gesehen hatte, und sich schnell seine Meinung gebildet hatte, waren sich die Nachbarn und herbeigelaufenen Leute aus dem Dorf einig. Da brauchte man kein Gerichtsverfahren, das regeln wir im Dorf so. Hier muss man konsequent sein, da kann man nicht unbegründet Gnade walten lassen. Es geht um die Moral im Dorf – und darum, dass alle wissen, was man darf und was nicht. Das war zumindest der Standpunkt der Meinungsführer.

Nur dass an diesem Tag so ein junger Rabbi im Ort war. Einer, dem auch ein seltsamer Ruf vorausging. Dass er radikale Positionen predigte, auch zum Thema Ehebruch. Manche sagten, er habe einmal behauptet: wenn du einer fremden Frau gierig hinterher schaust, dann hast du schon die Ehe mit ihr gebrochen. Ja, das interessierte sie, wie dieser Rabbi mit Namen Jesus jetzt bei dieser Frau entscheiden würde.

(Johannes 8, 6-11)
6b „Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7 Als sie ihn nun beharrlich so fragten, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9 Als sie das hörten, gingen sie hinaus, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand.
10 Da richtete Jesus sich auf und sprach zu ihr: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?
11 Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.

Mit einem einzigen Satz hat Jesus bei diesen Menschen einen Perspektivwechsel angestoßen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
Jesus betrachtet das mal von oben: Da sieht man nämlich mehr als nur diese ertappte Ehebrecherin, sondern auch die Leute, die sich im Halbkreis um sie herum postiert haben.

Aus der Frage, „was hat die Frau da getrieben?” wurde die Frage: „Und wie sieht es in dem Leben der Anderen aus? Was ist da so alles im Argen?”
Jesus sagt: Gott sieht euch von oben: Dich und die Anderen! Also: Kümmere dich nicht um das, was die anderen falsch machen, sondern schau auf das, was bei dir nicht stimmt.

Ich heb‘ ab
Nichts hält mich am Boden

Und beim Anblick dieser Schönheit
Fällt mir alles wieder ein
Sind wir nicht eigentlich am Leben
Um zu lieben, um zu sein?
Hier würd‘ ich gern, für immer bleiben….

 

Das goldene Kalb der eigenen Meinung

Seh´ die Welt von oben – mit den Augen Gottes.
Das hat Jesus gefordert. Immer wieder ist er mit Menschen in Streitgespräche verwickelt worden, weil er ihre Vorstellung von richtig und falsch durchbrochen hat.

Am Sabbat darf man nichts tun – auch niemanden heilen.
Wenn einer aussätzig ist, dann wird das schon einen Grund haben, dass Gott die so straft, darum soll man den lieber meiden.

Immer wieder: Feste Standpunkte – feste Überzeugungen von richtig und falsch – und vor allem das Prinzip: ICH weiß es – weil ich ja meinen Standpunkt habe – meine Werturteile stehen fest – und meine Bedürfnisse sind der Maßstab.
Ich – ich – ich – wie oft kreisen wir da um uns selber, nichts anderes zählt, der Andere nicht, seine Meinung nicht.
Der Blick von oben, der mich NEBEN den Andern stellt, der fehlt.

Ganz perfekt bekommen das verbohrte Hetzer in den sozialen Medien hin, die sich jede Realität so zurechtphantasieren, wie es ihnen passt, und jedes kritische Argument wegbügeln: Du bist bloß zu dumm und von den Systemmedien verblendet, aber ich kenne die Wahrheit.

Auf der Kirchweih erlebt man ja immer auch ab vier Bier Mitmenschen, die schon manche seltsame Meinung kundtun – über Merkel, Bürgermeister, Religionen, Flüchtlinge, Parteien, Nachbarn, über die Qualität des Essens oder die Musik. Und das tun sie mit einer Überzeugung, das klar ist „ich hab recht – Punkt”. Und man fragt sich, ob es sich lohnt, da jetzt mal eine andere Sichtweise dagegenzusetzen – oder ob es außer Streiterei letztlich doch nichts bringt.

Und selber muss ich mich auch an die eigene Nase fassen, wenn ich jetzt von der Kanzel aus herumkritisiere. Denn ich weiß ja auch um meine eigenen Denkfehler, meine eigenen Lieblingsideen und Einstellungen. Sie wissen schon: Wer von euch ohne Sünde ist, ….

Perspektivwechsel – Die Welt mit den Augen Gottes sehen

Jesus mahnt da immer wieder: Dir fehlt der Perspektivwechsel!
Betrachte den Anderen von oben. Mit den Augen Gottes. Frage dich: Was würde Jesus da sagen oder tun? Und vor meinem inneren Auge sehe ich diesen Jesus … wie er den verachteten Betrüger Zachäus annimmt, einen Geisteskranken heilt, den abgelehnten Samariter als Vorbild präsentiert und dieser ertappten Ehebrecherin vergibt.

Was wird Gott denn über den Menschen denken, den du gerade als Idioten ansiehst? Kann es sein, dass Gott ihn genauso lieb hat, wie dich? Nur Gott weiß, was gerade wirklich in seinem Herzen los ist – du aber nicht.

Liebe Gemeinde,
wir brauchen Perspektivwechsel – weil keiner von uns der Nabel der Welt ist und die Wahrheit für sich gepachtet hat. Da tut es gut, wenn wir uns immer wieder neue Sichtweisen gönnen. Wenn wir erkennen: Erst unsere unterschiedlichen Perspektiven lassen uns verstehen, dass wir in einer Welt leben, die immer voller Rätsel und Widersprüche ist. Einfache Wahrheiten sind oft eben keine Wahrheiten.

Wir feiern Kirchweih – das Fest der Kirche im Dorf!
Kirche – unser christlicher Glaube ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte und unserer Kultur.
Und der Beitrag unseres Glaubens ist NICHT dass wir alles besser wüssten und immer recht hätten. Sondern dass wir versuchen, diese Welt mit den Augen Gottes zu sehen.

Den Anderen, den Freund und den Feind. Diese Welt, die uns umgibt.
Augen, die geleitet sind von der Liebe Gottes zu dieser Welt und ihre Geschöpfe.
Amen

 

Praktische Hinweise

Individuell gestaltete Segensbändchen können Sie beim Kirchendruckportal der Hamburger Agentur Lütcke | Ziemann Kommunikationsdesign gestalten lassen und bestellen. Die Mitarbeiter dort entwerfen gerne ein individuelles Design für Ihr Thema und ihren Logos.

Fertige Segensbändchen kann man beim Shop des Amtes für Gemeindedienst in Nürnberg oder im Shop der Gemeindeinst-Amtes der Nordkirche bestellen.

 

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